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Film Kommentar

 

Kommentar zu dem Film:
„Ich bin ein Heimkind“ WDR / Tag 7,
von Sieglinde W. Alexander

Gesendet: Sonntag 29. Oktober 2006, 16.25 Uhr - 16.55 Uhr
Wiederholung: Dienstag 31. Oktober 2006, 11.45 - 12.15 Uhr
Moderiert von Martin Blachmann

Dieser Film zeigt eindeutig wie Medien, bewusst oder unbewusst, die wahren Hintergründe verschleiern.
Martin Blachmann hat nicht verstanden, dass es im Fall Johann Lambert Beckers um einen Mann geht, der körperlich und psychisch im Heim misshandelt wurde und heute mit den Folgeschäden von PTSD lebt.

Wie alle, die limitierte Kenntnisse über die gravierenden langfristigen Folgen von Kindheitstrauma haben, coachte Herr Blachmann das Opfer in eine unausweichliche Situation. Herr Beckers wollte nicht mit der Ersatznonne, Schwester Laetitia sprechen, die ohnehin als programmierte Bewacherin des guten Namens der Caritas fungierte und kein Interesse zeigte, sich mit Empathie und Objektivität dem Anliegen des Opfers zu stellen.

Herr Blachmann aber wollte den Film des guten Samariters drehen und instruierte ungeduldig: „Versuchen Sie es doch mal, Herr Beckers“.
Wie jedes Kindheitsopfer, das seit frühster Kindheit Angst und Gefügigkeit durch die „mentale Macht der Erwachsenen“ gelernt hat und heute im Griff der „Traumazange“ (Dr. Helga Spranger) lebt, folgte Herr Beckers, zurückversetzt in die Kindheit, wie ein braves Kind, das nicht undankbar sein wollte, der dominierenden Aufforderung von Herrn Blachmann. Dadurch stellte Herr Beckers sein Bedürfnis, die Schuldigen mit seinem jahrzehntelangen Schmerz zu konfrontieren, erneut in den Hintergrund. Das Kindheitsopfer konnte sich somit nicht von der implizierten Schuld befreien, ein schwieriges Kind gewesen zu sein. Auch hatte er nicht die Chance zu fragen, wie es kam, dass er, Hans-Bert, zu einem schwierigen Kind wurde, was von seiner Geburt an in dem Heim falsch gemacht wurde, oder ob die „überforderten Nonnen“ ihn vernachlässigt haben, ihm nicht das geben konnten, was JEDES Kind braucht. Die Aussage von Schwester Laetitia dass Schlagen das übliche Erziehungsmuster von damals war, half dem traumatisierten Hans-Bert nicht, sich von den Kindheitsprägungen zu lösen und seinen zerstörten Selbstwert zu finden. Aber das war offensichtlich auch nicht vorgesehen, dass Hans-Bert als Opfer von Kindheitsmisshandlung Hilfe bekommen sollte. Schwester Laetitia wollte nur zur Verteidigung des Ordens klar stellen, dass heute nicht mehr geschlagen wird. Eine Wiedergutmachung der Verfehlungen and dem damals hilflosen Kind wurde seitens der Caritas, wie schon befürchtet, nicht angeboten. Am Ende des Filmes stellt sich die Frage: Ist dieser Film ein weiteres Dokument, wie Kindheitsopfer mit der Taktik scheinbarer Gesprächsbereitschaft mundtot gemacht werden?

Wie Herr Blachmann in einer Email an mich bestätigte, wollte er „Versöhnung“, zwischen den Peinigern und dem Opfer. Der gute Tag 7 - Samariter verstand aber nicht, dass es sich in dem Film, den er drehte, um fundamentale Menschenrechtsverletzungen, um Vernachlässigung und Gewalt gegen ein unschuldiges Kind ging, das heute mit dem implizierten Trauma leben muss.

Wie Herr Beckers bestätigt, wollte er sich gar nicht mit den Nonnen auf einer Autobahnraststätte treffen, konnte sich aber, auf Grund seiner Kindheitstraumata, nicht gegen diese Manipulation wehren.

Ihre Mission, Herr Blachmann, „Verzeihung“ herbeizuführen ist ein „quick fix“ und manifestiert, dass das Opfer sein Trauma vergessen soll und keinen Anspruch auf Heilung seiner psychischen Wunden oder einer Entschädigung durch die Caritas hat.
Ist das nicht ein weiterer Verstoß gegen „Die Würde des Menschen ist unantastbar“?

Kommentar von Barbara Rogers, Autorin von
„screams from childhood“ www.screamsfromchildhood.com
und
“Die Falle der Vergebung”
http://www.screamsfromchildhood.com/Vergebungs-falle.html

...ich konnte den Film sehen, und wenn ICH das Opfer solcher Schwestern und dieses "Reporters" gewesen wäre, wäre ich WÜTEND, denn er durfte nicht zu sich selbst und seiner Wahrheit stehen.
Was WOLLTE denn der Reporter mit diesem Film erreichen? Er ist klar auf der Seite der Schwester -- NICHT auf der Seite des Opfers. Er will NICHT die Wahrheit wissen, sondern die "armen, überforderten Schwestern" verteidigen und sie mit dem "immer noch kämpfenden Opfer" (dem er Lügen nachweist und vorwirft, jedoch nicht dem Heim) versöhnen, das doch endlich Frieden finden soll. . .
Er verurteilt das Opfer und gibt sich große Mühe, die Schwestern und das Heim zu verstehen und zu rechtfertigen.
Das ist doch typisch dafür, wie die meisten Menschen denken.
Es tat weh, das zu sehen und machte mal wieder klar, wir sinnlos die "Versöhnung" ist. Sie IST eine Manipulation des Opfers, das NICHT zu seinen Gefühlen und Erfahrungen stehen, nicht darüber sprechen kann und sich ihrer furchtbaren Folgen nicht bewusst werden darf/soll. Im Grunde hat dieser Reporter das leidende, verfolgte Kind zum Schweigen gebracht. Das Ausmass der Misshandlungen und die Folgen der Traumen wurden bagatellisiert und missachtet. Schrecklich! DARÜBER hätte der Film sein sollen.

 



 
  Geschichten
aus der
Kindheit


Erwachsene erzählen
heute, was damals
niemand hören wollte.

  .....über die Erfahrungen
einer misshandelten Kindheit zu sprechen ist oftmals der erste Schritt
auf einem langen Weg
die unsichtbaren Wunden
zu heilen.

   
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