Schattenmonster

Details

Titel: Analyse des Kinderbuches "Schattenmonster" von S. Fülscher zum Thema sexuelle Gewalt in Kinder- und Jugendbüchern
Autor:
Katja Dirkers
Fach:
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.
Veranstaltung: Sexueller Missbrauch in Kinder- und Jugendliteratur / Randgruppenliteratur
Institution/Hochschule:
Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Universität)

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1995
Seiten: 43
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 2  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 146 KB

Archivnummer: V78988
ISBN (E-Book): 978-3-638-85631-7

Zusammenfassung / Abstract

Im Folgenden analysiere ich den Jugendroman „Schattenmonster“ von Susanne Fülscher unter dem Aspekt des „sexuellen Missbrauchs“. Die Analyse ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil beschäftigt sich mit den inhaltlichen Aspekten des Buches, verglichen mit aktuellen Studien zum Missbrauch. Danach erfolgt die Stilanalyse, in der ich zum Einen formale und zum Anderen sprachliche Aspekte näher beleuchte. Abschließend formuliere ich noch einige Gedanken zur didaktischen Umsetzung des Themas im Zusammenhang mit der Lektüre für den Grundschulunterricht.In der Erzählung „Schattenmonster“ von Susanne Fülscher wird ein Auszug aus dem Leben der fünfzehnjährigen Katharina Huber geschildert. Katharina wird seit 4 Jahren von ihrem Vater mehrmals wöchentlich sexuell missbraucht. Sie unternimmt einen Selbstmordversuch und kommt ins Krankenhaus. Ausgelöst durch diesen Vorfall beschreiben verschiedene Personen aus dem familiären Umfeld sowie dem Bekanntenkreis ihre Beobachtungen zu Katharinas seltsamen Verhalten in Form von Tagebuchauszügen. Katharina selbst wird von Alpträumen geplagt, in denen sie immer wieder von Schatten verfolgt wird. Sie vertraut sich lange Zeit niemanden an, verschließt sich vor der Öffentlichkeit aus Angst man würde ihr die Schuld am Missbrauch zuweisen. Erst als eines Tages Katharinas jüngere Schwester, die achtjährige Anna- Laura, mitbekommt wie Katharina Opfer eines Missbrauches wird, gerät das Ereignis an die Öffentlichkeit. Verzweifelt bittet Katharina ihre Schwester nichts von dem Vorfall zu erwähnen. In einem Gespräch der beiden Geschwister erfährt Katharina, dass ihr Vater auch ihre Schwester schon einmal sexuell belästigt hat. Daraufhin bricht sie zusammen und erzählt alles ihrer Freundin Tina Huber. Diese berichtet es, trotz Katharinas verzweifelter Versuche sie davon abzuhalten, ihrer Mutter. Schließlich erfährt auch Katharinas Mutter, ausgelöst durch einen Anruf von Tinas Mutter von dem Missbrauch an ihrer Tochter. Sie verschließt sich jedoch vor der Wahrheit und bezeichnet die Aussage Frau Bauers als intrigante Lüge. Erst als Anna- Laura sich mit einer seltsamen Frage verraten hatte, hakt sie nach und erfährt von dem Vorfall den Anna- Laura beobachtet hatte. Als sie daraufhin Katharina direkt auf den Vorfall anspricht, gibt auch Katharina es zu, sie schaut ihre Mutter mit großen, starren Augen an und nickt.

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Textauszug (computergeneriert)

Westfälische Wilhelms- Universität, Institut für deutsche Sprache und ihre Didaktik
Seminar: Randgruppenliteratur, SS 2005

Analyse des Kinderbuches "Schattenmonster" von S. Fülscher
zum Thema sexuelle Gewalt in Kinder- und Jugendbüchern

von

Katja Dirkers

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 4

II. Analyse des Kinderbuches 5

A Inhaltliche Analyse 5

1. Inhaltsangabe  5
2. Realitäts- und Problemgehalt 6

2.1. Welche Aspekte des Themas "Gewalt gegen Kinder" werden aufgegriffen?  6
2.2. Werden die gewalttätigen Handlungen sprachlich differenziert dargestellt oder werden diese lediglich angedeutet/ umschrieben?  9
2.3. Wird Gewalt in unterschiedlicher Form und Intensität- eventuell mit einer Steigerung dargestellt?  11

3. Entspricht die Darstellung von Opfer und Täter im untersuchten Buch den wissenschaftlichen Erkenntnissen?  12

3.1. Der typische Täter/ das typische Opfer?  12
3.2. Das Alter des Opfers/ des Täters 12
3.3. Das Geschlecht des Opfers/ des Täters  13
3.4. Bekanntschaftsgrad zwischen Opfer und Täter?  13
3.5. Dauer des Missbrauchs?  14
3.6. Verhalten des Täters?  14
3.7. Verhalten des Opfers?  17
3.8. Folgen des Missbrauchs  19

4. Entspricht die Darstellung der Familiensituation den typischen Konstellationen?  19

4.1. Gibt es klassische Rollenverteilungen in der Familie?  19
4.2. Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern 20
4.3. Gesellschaftliche Schicht  24
4.4. Kontakt zum sozialen Umfeld (Nachbarn/ Schule/ Freunde...)  25

5. Kommen die Gefühle des Kindes zum Ausdruck?  26

6. Werden Ursachen/ Hintergründe der Gewaltanwendung deutlich?  28

7. Bei wem hat Katharina Hilfe gesucht? Wer hätte darauf aufmerksam werden können?  28

8. Aufdeckung/ Beendigung  29

8.1. Lösungsmöglichkeiten? Perspektiven?  29
8.2. Endet das Buch mit der Aufdeckung der Gewalt?  29
8.3. Werden Institutionen genannt, bei denen Kinder Hilfe erhalten?  30
8.4. Wird auch ein positives Körper- und Sexualgefühl vermittelt?  30
8.5. Wird auf zentrale Aspekte der Prävention eingegangen?  31
8.6. Kommen gesellschaftliche Perspektiven zum Ausdruck?  31
8.7. Bietet das Buch Identifikationsmöglichkeiten mit Personen und Verhaltensweisen, die zur Achtung der kindlichen Rechte beitragen?  31

B Stilanalyse  32

1. Formanalyse 32

1.1. Zur Struktur des Romans 32
1.2. Spannung 32
1.3. Orte 33
1.4. Zeit  34

2. Sprache  34

2.1. Allgemein 34
2.2. Sexueller Missbrauch  35

2.2.1. Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs 36

C Didaktisch- methodische Fragestellungen  39

1. Inwieweit eignet sich das Kinderbuch zur Behandlung des Themas „Sexueller Missbrauch“ im Unterricht?  39

D Schluss  42

III. Literaturverzeichnis  43

Primärliteratur:  43
Sekundärliteratur: 43


 

 

I. Einleitung

Im Folgenden analysiere ich den Jugendroman „Schattenmonster“ von Susanne Fülscher unter dem Aspekt des „sexuellen Missbrauchs“. Die Analyse ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil beschäftigt sich mit den inhaltlichen Aspekten des Buches, verglichen mit aktuellen Studien zum Missbrauch. Danach erfolgt die Stilanalyse, in der ich zum Einen formale und zum Anderen sprachliche Aspekte näher beleuchte. Abschließend formuliere ich noch einige Gedanken zur didaktischen Umsetzung des Themas im Zusammenhang mit der Lektüre für den Grundschulunterricht.

II. Analyse des Kinderbuches

A Inhaltliche Analyse

1. Inhaltsangabe

In der Erzählung „Schattenmonster“ von Susanne Fülscher wird ein Auszug aus dem Leben der fünfzehnjährigen Katharina Huber geschildert. Katharina wird seit 4 Jahren von ihrem Vater mehrmals wöchentlich sexuell missbraucht. Sie unternimmt einen Selbstmordversuch und kommt ins Krankenhaus. Ausgelöst durch diesen Vorfall beschreiben verschiedene Personen aus dem familiären Umfeld sowie dem Bekanntenkreis ihre Beobachtungen zu Katharinas seltsamen Verhalten in Form von Tagebuchauszügen.
Katharina selbst wird von Alpträumen geplagt, in denen sie immer wieder von Schatten verfolgt wird. Sie vertraut sich lange Zeit niemanden an, verschließt sich vor der Öffentlichkeit aus Angst man würde ihr die Schuld am Missbrauch zuweisen. Erst als eines Tages Katharinas jüngere Schwester, die achtjährige Anna- Laura, mitbekommt wie Katharina Opfer eines Missbrauches wird, gerät das Ereignis an die Öffentlichkeit. Verzweifelt bittet Katharina ihre Schwester nichts von dem Vorfall zu erwähnen. In einem Gespräch der beiden Geschwister erfährt Katharina, dass ihr Vater auch ihre Schwester schon einmal sexuell belästigt hat. Daraufhin bricht sie zusammen und erzählt alles ihrer Freundin Tina Huber. Diese berichtet es, trotz Katharinas verzweifelter Versuche sie davon abzuhalten, ihrer Mutter. Schließlich erfährt auch Katharinas Mutter, ausgelöst durch einen Anruf von Tinas Mutter von dem Missbrauch an ihrer Tochter. Sie verschließt sich jedoch vor der Wahrheit und bezeichnet die Aussage Frau Bauers als intrigante Lüge. Erst als Anna- Laura sich mit einer seltsamen Frage verraten hatte, hakt sie nach und erfährt von dem Vorfall den Anna- Laura beobachtet hatte. Als sie daraufhin Katharina direkt auf den Vorfall anspricht, gibt auch Katharina es zu, sie schaut ihre Mutter mit großen, starren Augen an und nickt. Für die Mutter bricht eine Welt zusammen, sie ist irritiert und hat Angst vor der Zukunft. Frau Bauer schlägt ihr vor mit ihrer Familie eine Therapie aufzusuchen und Katharina zu einer Beratungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen zu schicken. In dem letzten Tagebucheintrag, etwa ein Jahr später, erfährt man von Katharina, dass sie durch die Gruppentherapie neuen Mut gefasst hat. Ihr Vater ist ausgezogen. Parallel zu dieser Geschichte werden noch Katharinas Sozialisierungsschwierigkeiten, aufgrund des Missbrauches, anhand der Liebesgeschichte Katharinas und Stefans und der Mädchenfreundschaft mit ihrer Klassenkameradin Tina, geschildert.

2. Realitäts- und Problemgehalt

2.1. Welche Aspekte des Themas "Gewalt gegen Kinder" werden aufgegriffen?

In dieser Erzählung wird ausschließlich die Ausübung sexueller und psychischer Gewalt an der Protagonistin, sowie an ihrer Schwester, geschildert. Ob der Vater über dem sexuellen Missbrauch hinaus physische Gewalt ausübt ist nicht erkennbar, jedoch auch nicht auszuschließen, da er des Öfteren unter hohem Alkoholkonsum steht.

Sexuelle Gewalt

Es handelt sich hierbei um intrafamilären sexuellen Missbrauch (Vgl. Koch, Prävention S.7). Der Vater missbraucht seine ältere Tochter, seit ihrem elften Lebensjahr. Er überschreitet eindeutig die Grenze zwischen förderlichem, zärtlichem Körperkontakt zwischen Vater und Tochter und sexuellem Missbrauch, zur Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse. Auch zwischen Katharinas achtjähriger Schwester kommt es, im weiteren Textverlauf, zu einer sexuellen Belästigung seitens des Vaters (S.67 f.). Nach H. Saller ist die Form der hier geschilderten sexuellen Gewalt dem Bereich der „ausbeutenden Formen sexueller Handlungen an einem Kind“ zuzuordnen (Vgl.Koch, Prävention S.8 f.).
In dieser Erzählung wird lediglich an zwei Stellen der eigentliche Akt der sexuellen Übergriffe geschildert. Es ist Anna- Laura, die ihre Irritation durch das Gesehene und Erlebte äußert. Weder das Opfer, noch der Täter spricht den Missbrauch direkt an. Es scheint als empfinde der Vater sein Verhalten als normal und belanglos und spricht deshalb nicht darüber. Er nimmt keinerlei Rücksicht auf Gefühle und Empfindungen seiner Tochter. Auch befreit er sich von jeglicher Schuld an Katharinas Selbstmordversuch und kann es „...wirklich nicht glauben.“, dass „[s]eine Kathinka!" so etwas tut (S.7). Er schiebt das „seltsame“ Verhalten Katharinas auf die hormonellbedingten Stimmungsschwankungen einer Pubertierenden und zeigt keinerlei Verständnis für ihr Verhalten. Katharina hingegen behält aus Angst- und Schamgefühl ihr dunkles Geheimnis für sich. Sie spricht nicht, weil ihr Vater sie zum Schweigen veranlasst und droht, sie werde als Flittchen bezeichnet werden (S.72) und das Umfeld würde ihr die Schuld am Missbrauch zuweisen.
Auf S.70 erfährt man zum ersten Mal, dass der Vater Katharina sexuell missbraucht. Anna- Laura beschreibt ihre Beobachtung an jenem 11. Juli, an dem sie unverhofft eher nach Hause gekommen ist.. Als sie die Wohnung betrat, hörte sie „...komische Geräusche.“ „So ein Stöhnen und Ächzen.“, die sie später als Stimmen ihres Vaters zuordnen konnte. Bei Betreten des Schlafzimmers musste sie beobachten, wie Katharina das Glied ihres Vaters in den Mund nehmen musste. Dabei presste der Vater Katharinas Kopf zwischen seine Beine und stöhnte laut auf (S.70).
Auch Anna- Laura erwähnte zwei Begegnungen mit ihrem Vater, die ihr gegenüber eine Grenzüberschreitung darstellen. Am Montag, den 9.Juli beschreibt Anna- Laura ihre Begegnung mit dem Vater als komisch (S.67). Sie stieg morgens zu ihm ins Bett, wie sie es öfter machte, und genoss das gemeinsame Toben und die Geschichte, die der Vater ihr erzählte. Bis er sie „... ganz doll an sich [drückte], und [...] seinen Pipimann an [ihr] Nachthemd gescheuert hat.“ Sie musste beobachten, wie sein Glied „[..] ganz groß und hart [...]“ wurde, sein Gesicht sich rot verfärbte und er die Augen weit aufriss.
Den ersten Annäherungsversuch des Vaters beschreibt Anna- Laura fünf Tage vorher (S.63). Hier empfindet Anna- Laura die Berührungen des Vaters noch als schön. Sie beschreibt ihn ein paar Tage vor der Aufdeckung der sexuellen Übergriffe an Katharina. Er streichelte ihr über den Kopf. Anschließend legte sie sich mit ihrem Vater ins Bett, die Gefühle, die dadurch in ihr ausgelöst wurden, beschreibt sie derzeitig noch als „...kuschelig warm!“. Sie freut sich darüber, dass der Vater so „...lieb zu [ihr ist]“. Währenddessen nahm ihr Vater sie in den Arm und sagte ihr, dass sie schon ein großes Mädchen sei und jetzt auch mehr Taschengeld bekäme. Diese Stelle ist sehr heikel. Es lässt sich darüber streiten, ob hier schon eine Grenzüberschreitung vorliegt, da Anna- Laura diese Begegnung mit ihrem Vater zunächst als schön empfindet. Auch weiß der Leser in diesem Moment noch nichts von den sexuellen Ausbeutung an seiner älteren Tochter und deutet dieses Verhalten so automatisch als normalen, zärtlichen Vater- Tochter- Umgang. In anbetracht dessen, dass der Vater die ältere Tochter aber bereits vier Jahre lang fast täglich missbraucht, hat auch diese Handlung rückwirkend einen negativen Beigeschmack. Auch darf nicht außer acht gelassen werden, dass Katharina die letzte Nacht nicht zu Hause geschlafen hat, was ihn sehr erboste. Er hatte Angst Katharina sei bei einem Jungen, vermutete Anna- Laura. Wahrscheinlich beängstigte ihn einerseits der Gedanke er könne seine Tochter an einen Jungen verlieren, sie sei so weniger zu Hause und würde ihn weniger oft befriedigen. Andererseits ist es vielleicht die Angst seine Tochter könnte sich jemandem anvertrauen. Erst als Anna- Laura ihren Vater zu beruhigen versuchte und ihm sagte, dass sie bestimmt bei ihrer Freundin ist, gab er nach. Auch seine Äußerungen nach dem gemeinsamen Schmusen im Bett, geben zu denken. Er bezeichnet Anna- Laura jetzt als "...richtig großes Mädchen..." und sagte ihr, dass sie jetzt mehr Taschengeld bekäme. Im weiteren Handlungsverlauf zeigt sich ein eindeutiger sexueller Übergriff auf Anna- Laura (wie oben bereits beschrieben). So zeigt sich, dass der Vater mit der Bezeichnung Anna- Lauras als großes Mädchen, eigentlich meinte, sie sei groß genug um sich auch an ihr zu vergehen. Auch die Taschengelderhöhung kann nun nicht mehr als nette Geste gedeutet werden, sondern scheint vielmehr eine Art Bestechungsversuch und Erkaufen der Liebe des Kindes zu sein.

Psychische Gewalt

Zur Zeit des Missbrauchs wendet der Vater auch psychische Gewalt gegenüber seiner älteren Tochter an. Aus Angst sie würde ihrem näheren Umfeld von seinen sexuellen Übergriffen erzählen, setzt er sie unter Druck. So erfährt man durch das Gespräch zwischen Katharina und ihrer kleinen Schwester nach dem Vorfall vom 11. Juli, dass Katharina keineswegs darüber erfreut ist, dass es jemand mitbekommen hat und eventuell beenden könnte. Ganz im Gegenteil, sie fleht ihre Schwester an, nichts zu sagen, da sie es ... damit nur noch schlimmer machen würde.“ (S.72). Katharina erzählt ihrer Schwester, dass der Vater ihr drohe. Er behauptet, dass, wenn der Missbrauch an die Öffentlichkeit gelangt, Katharina von den Personen aus ihrem Umfeld als „Flittchen“ bezeichnet werde. Er nutzt das natürliche Schuld- und Schamgefühl des Kindes aus, vergleiche hier Koch Prävention S.23: „Die meisten missbrauchten Kinder fühlen sich schuldig an dem Missbrauch und glauben, sie seien für das Verhalten des Täters verantwortlich.“ Auch bei Katharinas kleinerer Schwester versucht der Vater sich durch typische Handlungen das Vertrauen des Kindes zu erschleichen. Plötzlich ist er „ganz lieb zu [ihr]“ (S.63), tobt wieder mit ihr herum, wie er es schon lange nicht mehr gemacht hat, lobt sie, gibt an sie sei schon ein großes Mädchen und verspricht ihr mehr Taschengeld. Anna- Laura ist der vermehrten Zuneigung anfangs durchaus nicht abgeneigt. Der Vater weckt durch dieses Verhalten nach dem Missbrauch das Mitverantwortlichkeitsgefühl beim Kind. Das Kind „...bekommt [...] den Eindruck, den Mißbrauch durch sein anfängliches Entgegenkommen und auch durch sein Genießen der gemeinsamen Situationen, bevor diese vom Täter sexualisiert wurden, mit bedingt zu haben.“ (Koch Prävention S.23). Ob der Vater ebenfalls vor Beginn der sexuellen Übergriffe an Katharina solche Strategien angewendet hatte ist aus dem Text nicht ersichtlich, aber durchaus vorstellbar.

2.2. Werden die gewalttätigen Handlungen sprachlich differenziert dargestellt oder werden diese lediglich angedeutet/ umschrieben?

Ist die Darstellung/ Beschreibung realistisch oder repräsentativ?

[...]