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Petition: Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben (Initiiert von Norbert Denef)

 

 

4. Januar 2008

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,

in Ihrer Antwort an Herrn Hegele hoffen sie, dass eine psychologische Behandlung hilft, um die Vergangenheit zu verarbeiten. Doch es gibt keine „Verarbeitung“ eines Traumas. Professor Elbert (Konstanz) bestätigt aufgrund Neuro-psychologischer Untersuchungen, dass das Gehirn sich durch Stress/Trauma verändert. Was wir, die Misshandelten, allenfalls mit psychologischer Hilfe in einem langwierigen Prozess erreichen können, vorausgesetzt dass es noch möglich ist, ist einen Weg zu finden, um mit den Folgeerscheinungen eines Traumas zu leben. Bei vielen aber dominiert das akute Kindheitstrauma, das den Erwachsenenalltag der meisten Betroffenen belastet. Sie mussten jahrelang ohne psychologische Hilfe leben und hatten deshalb nie die Chance, ein „normales“ Leben führen zu können. Zudem konnte die Mehrzahl der Kindheitsmisshandelten, vor Scham und Angst, stigmatisiert zu werden, keine psychologische Hilfe annehmen und musste mit dem Effekt, den das Kindheitstrauma implizierte, leben.

Das anliegende Verfahren beim Petitionsausschuss hat bis heute, nach über einem Jahr, keine sichtbaren Erfolge zu verzeichnen. Es wurden nur wenige Kindheitsmisshandelte vom Petitionsausschuss gehört. Diese selektierten Sprecher, so wichtig sie auch für den Anfang eines
Verfahrens sind, haben keine Kenntnisse von den individuellen Bedürfnisse und den grausamen Erlebnissen der restlichen 500 000 Kindheitsopfer und haben deshalb keine Kompetenz, um für diese Aussagen zu machen. Deshalb es ist nicht richtig, dass wir, die Misshandelten,
nur auf eine Anerkennung/Entschuldigung warten, sondern wir fordern das im Grundgesetz seit 1949 verankerte Recht ein, dass „die Würde des Menschen unantastbar“ ist.

Neben den unmenschlichen körperlichen und psychischen Misshandlungen, unterlassener Fürsorgepflicht durch Behörden und unterlassener medizinische Hilfe, wurden sehr viele Kinder in den Jahren zwischen 1950 -1970 als Kindersklaven benutzt. Namhafte Deutsche Firmen und
Dachorganisationen der Heime profitierten in der Zeit des Deutschen Wirtschaftswunder von den billigen Kinder-Arbeitskräften. Diese Arbeitsgeber haben nicht nur gegen das Gesetz verstoßen indem sie Kinder und Jugendliche zur Arbeit ohne Bezahlung zwangen, sondern sie bezahlten keine Rentenanteile.

Andere erlebten Qualen, die eindeutig in Filmen (Der Fall Paul Brune) zu sehen und in Aufsätzen im Internet zu lesen sind. Sie sind ein eindeutiger Beweis der Menschenrechtsverletzungen.

Ich frage mich verwundert, wie es in einem demokratischen Staat möglich ist, dass das seit 1949 existierende Grundgesetz nicht angewendet wird und warum die Vergehen der Vergangenheit nicht auf dem Rechtsweg verfolgt werden. Die schuldigen Dachorganisationen der anderen Seite benutzen das Gesetz der Verjährungsfrist, um die in der Vergangenheit begangenen Vergehen verschwinden zu lassen und um dadurch zivilrechtliche Schritte gegen Heime unmöglich zu machen.

Die von den Kindheitsmisshandelte eingereichten Früh und/oder Invalidenrentenanträge wegen körperlicher und/oder psychologischer Schädigungen werden häufig abgelehnt. Dabei aber kommt immer wieder zum Vorschein, dass Rentenjahre für die Zeiten, in denen die Betroffenen als entgeltlose Arbeiter benutzt wurden, fehlen und nicht angerechnet werden.

Akten sind verschwunden, und die einzigen Zeugen, die von den Grausamkeiten berichten können, sind die noch lebenden Opfer selbst, deren Geschichten aber angezweifelt werden. Besonders das Land Bayern hüllt sich zu den massiven Vorwürfen ehemaliger Heimkinder in
permanentes Schweigen.

Die Stimmen ehemals misshandelter Heimkinder, die ihren Unmut über die erneute Vernachlässigung ihrer Menschenrechte ausdrücken, werden täglich mehr. Viele der Kindheitsopfer sehen die langsamen Schritte der Regierung als Verzögerungstaktik.

Die Misshandelten fühlen sich aufs Neue vom Gesetz und der Regierung allein gelassen. Schon damals war das Gesetz den hilflosen Kindern gegenüber blind, und heute werden die Verfehlungen der Vergangenheit mit Verschleppung „bearbeitet“, obwohl die Gesetzeslage klar und eindeutig ist.

Werden die Opfer der Nachkriegsjahre auf ihrer Suche nach Gerechtigkeit Ihre Unterstützung haben?

Mit freundlichem Gruß,
Sieglinde Alexander

www.emak.org

Bis heute wurde dieser Brief nicht beantwortet.

Sollte der Inhalt dieses Briefes Ihrer Vorstellung entsprechen, bitte ich um Ihre Stimme.
Verenden sie dieses Link und senden Sie ihren Namen und Stadt in der sie wohnen:

Namen die diesen Brief unterstützen:

1. - Anja Kohl
Frankfurt am Main

2. - Helmut E. Klotzbücher
Kreuzensteinstr. 9
D-78224 Singen/Htw.

3. - Carola Thompson
Danville Virginia USA
In der Stadt in der ich zuletzt als Minderjaehrige wohnte war 47906 Kempen NRW

4. Heinz-Peter Tjaden
Krumme Straße 1
26384 Wilhelmshaven

5. Johann Lambert Beckers
Heimkinderverband Deutschland
Mönchengladbach

6. Erwin Huber
Harburg / Schwaben

7. Cornelia Whiteman
Augsburg

8. Eva Nowatschek
Wien

9. Norbert Denef
63303 Dreieich

10. Willi Schewski
Flensburg

11. Manuela Korb
Stelzenberg bei Kaiserslautern

12. Heinz Peter Junge
Kassel

13. Fred Schippers
Gerhard-Stötzelstraße 17
45139 Essen

14. Ulrike Selzer
30453 Hannover

15. Sandra Notthoff
19055 Schwerin

16. Sabine Becker
12249 Berlin

17. Elvira Wetzel
52066 Aachen

18. Sebastian Nobile
Oststr.41
53879 Euskirchen

19. Gudrun Vinzens
Wiesbaden

Warum Antwortet Lammert nicht?


 
  Geschichten
aus der
Kindheit


Erwachsene erzählen
heute, was damals
niemand hören wollte.

  .....über die Erfahrungen
einer misshandelten Kindheit zu sprechen ist oftmals der erste Schritt
auf einem langen Weg
die unsichtbaren Wunden
zu heilen.
   
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