E-Mail: Landesbischoefin@evlka.de
Dr. Margot Käßmann, Landesbischöfin
http://www.evlka.de/content.php?contentTypeID=34
26. Sept.2008
Sehr geehrte Frau Dr. Käßmann,
wir, die ehemaligen Heimkinder, glaubten nicht mehr daran, dass unsere Würde
nach über 40 Jahren wieder hergestellt wird.
Ich möchte Sie im Namen der ehemaligen Heimkinder, die in den Rummelsberger Anstalten waren, um
Hilfe bitten. www.rummelsberg.de
Seit Jahren bemühen sich viele ehemaligen „Weiher Zöglinge“ ihre Akten zu
bekommen. In einem Telefongespräch mit dem vorhergehenden Direktor Bierlein im April 2006, wurden
meine Fragen mit aggressiven Gegenfragen, „Haben sie überhaupt Zeugen,“ und beleidigenden Rethoriken,
„Wissen Sie, dass das alles in die Verjährungsfrist fällt“, abgewürgt.
Bereits im Jahr 2000 begannen meinerseits Anfragen, ob die Rummelsberger Anstalten willig
seien, die Verantwortung für die Vergehen an Zöglingen in den Jahren zwischen
1950-72 zu tragen und ob die Betroffen mit einer Wiedergutmachung rechnen
können. Absolutes Schweigen ist bis heute die Antwort.
Neben entwürdigenden Schikanen, psychischen Misshandlungen,
Unmenschlichkeit und Entwerdungen mussten alle Zöglinge im Haus Weiher, eine
Erziehungsanstalt der Rummelsberger
Anstalten, arbeiten.
Die Überzahl der Zöglinge arbeitete entweder in der Küche, Landwirtschaft,
Weberei und Stickerei. Andere lernten das Schneiderhandwerk oder waren
Wäschereilehrlinge. Wir Lehrlinge unterzeichneten Lehrverträge, doch einen
Lehrlingsgehalt erhielten wir nie.
Meine Biographie „Vom
Feuer in die Hölle“, die von Zeugen unterstützt und bestätigt wird, erzählt
viele demütigende Details aus dem „Haus Weiher“. http://www.emak.org/geschichten/vom_feuer_in_die_hoelle.htm
Die Folgeschäden der psychischen, körperlichen, sexuellen Misshandlungen
und Versklavung in Heimen sind fast unmessbar, da viele Misshandelte aus Angst,
wieder entwürdigt zu werden, heute noch nicht über die Vergangenheit sprechen
können. Sie leiden im Stillen, verstecken aus Scham ihre Depressionen und
Ängste und versuchen ganz einfach von Hartz
4 zu existieren.
Die, die es nicht mehr ohne Hilfe schaffen, werden mit neuen Tatsachen
konfrontiert, die nicht mehr als eine Fortsetzung unserer entwürdigten Jugend
ist.
Einige der ehemaligen Zöglinge aus dem Haus Weiher wollten aufgrund von
Depressionen, PTSD und/oder Angstzustände Arbeitsunfähigkeitsrente beantragten.
Das Ergebnis ist, dass wir vor erneuten Fakten stehen, die uns an unsere
Wertlosigkeit erinnert die vor über 40 Jahren begann. Die Rummelsberger Anstalten, für die wir jahrelang
arbeiteten, die durch Kinderversklavung sich in den Nachkriegsjahren zu einem
religiösen Monopol entwickeln konnte, entrichteten keine Rentenbeiträge. Diese
Beitragsjahre fehlen den Misshandelten heute in den Rentenaufrechnung.
Wenn wir Ihre Worte ernstnehmen können, bitte ich Sie Dr. Käßmann
die Tatsachen der Vergangenheit nicht wieder in dem Obis des Schweigens zu verstecken, sondern eine
Anlaufstelle einzurichten bei der sich alle Misshandelten aus den ev. Heimen
melden können.
Geben Sie uns was uns zusteht, solange wir noch leben und ermöglichen Sie uns
dadurch wenigstens unseren Lebensabend in Würde zu verbringen, nach dem diese,
in unserer Kindheit und Jugend, im „Namen Gottes“ von Mitarbeitern der
evangelischen Kirche zerstört wurde.
Mit freundlichen Grüßen
Erwachsene Misshandelt als Kinder
www.emak.org
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