Email an Frau Binder
Von Emil
Sehr geehrte Frau Binder,
bei Ihrem Statement in der Abschlußsitzung
am Mittwoch im Petitionsauschuß sagten sie u.a.
Zitat: „In vielen Fällen wird es keine Entschädigung
geben!“
Was soll für uns ehem. Heimkinder diese Aussage bedeuten.
Sollte uns, nach unseren von den Behörden (Jugendämter, Fürsorgestellen)
erzwungenen Einweisungen in Heime und der dortigen Zwangsarbeit keine
Entschädigungen zustehen.
Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Nach meinem von der
kath. Kirche verpfuschten Leben mit einer Amputation des rechten Beines im
Heim, soll ich nun mit einer Entschuldigung alles vergessen.
Ich habe nie ein Leben nach meinen Vorstellung leben
können, weil ich im Heim für mein restliches Leben gezeichnet wurde mit den
vielen Schikanen, Schlägen Folter und Freiheitsentzug und jetzt soll ich mich
noch für dieses beschissene Leben bedanken.
Ich verlange nicht nur eine Entschuldigung, sondern
Entschädigungszahlungen, zumindest das Geld was ich als Rente für meinen Unfall
bekam und mir das Fürsorgeamt (in diesem Falle der Staat)
als Unterbringungskosten für das Heim einbehalten hat. Mein Vater mußte für die Heimunterbringung aufkommen und die Rente
wurde zusätzlich einkassiert. Mit diesem Geld hätte ich in einem 5* Hotel ohne
Folter leben können. Ich kann das auch beweisen, weil ich meine Akte eingesehen
habe und auch Kopien davon habe.
Mit einer Entschuldigung ist für mich nicht alles
abgetan. 51 Jahre meines Lebens mit einem Bein sind kein Zuckerschlecken, denn
damit verbunden sind: Nur eingeschränkte Tätigkeiten, die schlecht bezahlt sind
und bei der Rente zu keinem vernünftigen Einkommen führt, heftige
Phantomschmerzen mehrmals im Jahr, die kein Mensch der sie nicht erlebt hat,
erahnen kann und Alpträume fast jede Nacht.
Ich habe nie in meinem Leben das tun können was ich
wollte, ich konnte nicht einen Beruf wählen der mir Spaß gemacht hätte, ich war
immer auf Almosen angewiesen und nun am Ende meines Lebens, wo ich endlich
Genugtuung mit der Anerkennung des Petitionsauschußes
auf erlittenes Unrecht der ehem. Heimkinder der Nachkriegszeit erfahre, höre
ich von Ihnen diese Aussage.
Das ist für mich und meine Leidensgenossen ein Schlag ins
Gesicht und eine neuerliche Demütigung.
Ich erwarte von Ihnen eine Erklärung wie diese Aussage
für uns zu werten ist.
Mit freundlichen Grüßen