Email an Frau Binder

Von Emil

 November 28.2008

 

Sehr geehrte Frau Binder,

bei Ihrem Statement in der Abschlußsitzung am Mittwoch im Petitionsauschuß sagten sie u.a.

Zitat: „In vielen Fällen wird es keine Entschädigung geben!“

 

Was soll für uns ehem. Heimkinder diese Aussage bedeuten. Sollte uns, nach unseren von den Behörden (Jugendämter, Fürsorgestellen) erzwungenen Einweisungen in Heime und der dortigen Zwangsarbeit keine Entschädigungen zustehen.

 

Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Nach meinem von der kath. Kirche verpfuschten Leben mit einer Amputation des rechten Beines im Heim, soll ich nun mit einer Entschuldigung alles vergessen.

 

Ich habe nie ein Leben nach meinen Vorstellung leben können, weil ich im Heim für mein restliches Leben gezeichnet wurde mit den vielen Schikanen, Schlägen Folter und Freiheitsentzug und jetzt soll ich mich noch für dieses beschissene Leben bedanken.

 

Ich verlange nicht nur eine Entschuldigung, sondern Entschädigungszahlungen, zumindest das Geld was ich als Rente für meinen Unfall bekam und mir das Fürsorgeamt (in diesem Falle der Staat) als Unterbringungskosten für das Heim einbehalten hat. Mein Vater mußte für die Heimunterbringung aufkommen und die Rente wurde zusätzlich einkassiert. Mit diesem Geld hätte ich in einem 5* Hotel ohne Folter leben können. Ich kann das auch beweisen, weil ich meine Akte eingesehen habe und auch Kopien davon habe.

 

Mit einer Entschuldigung ist für mich nicht alles abgetan. 51 Jahre meines Lebens mit einem Bein sind kein Zuckerschlecken, denn damit verbunden sind: Nur eingeschränkte Tätigkeiten, die schlecht bezahlt sind und bei der Rente zu keinem vernünftigen Einkommen führt, heftige Phantomschmerzen mehrmals im Jahr, die kein Mensch der sie nicht erlebt hat, erahnen kann und Alpträume fast jede Nacht.

 

Ich habe nie in meinem Leben das tun können was ich wollte, ich konnte nicht einen Beruf wählen der mir Spaß gemacht hätte, ich war immer auf Almosen angewiesen und nun am Ende meines Lebens, wo ich endlich Genugtuung mit der Anerkennung des Petitionsauschußes auf erlittenes Unrecht der ehem. Heimkinder der Nachkriegszeit erfahre, höre ich von Ihnen diese Aussage.

 

Das ist für mich und meine Leidensgenossen ein Schlag ins Gesicht und eine neuerliche Demütigung.

 

Ich erwarte von Ihnen eine Erklärung wie diese Aussage für uns zu werten ist.

 

Mit freundlichen Grüßen