Email an Renate Künast, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Betreff: Entschuldigung der kanadischen Regierung an Heimkinder

Sehr geehrte Frau Künast,
der 11. Juni 2008 wird als historisches Datum in die Annalen der in Kanada
lebenden Indianer eingehen. Es ist ein Tag, auf den die Indianer seit vielen
Jahren gewartet haben, es ist der Tag der offiziellen Entschuldigung der
kanadischen Regierung für ein böses Unrecht, das an ihnen begangen wurde. In
diesem Fall geht es um die Umerziehungs-Internate, in denen indianische
Kinder früher emotionalem, physischem und sexuellem Missbrauch ausgesetzt
waren. Diese sogenannten «Residential Schools», die während vielen
Generationen von mehreren Kirchen geführt und vom Staat bezahlt wurden, sind
eines der schlimmsten Kapitel in Kanadas jüngerer Geschichte. Von den 33
Millionen Kanadiern werden heute noch rund 1,3 Millionen den Ureinwohnern
zugerechnet.
Die kanadische Regierung hat sich nun bei den Indianern für ein jahrelanges
Martyrium der sexuellen, seelischen und psychischen Mißhandlungen der
Kinder – und Jugendzeit formell auch für die beteiligten Kirchen
entschuldigt und 2 Milliarden
Franken als Entschädigung bereitgestellt.
http://www.tagblatt.ch/index.php?artikelxml=1521383&ressort=tagblattheute/hin
tergrund&jahr=2008&ressortcode=tb-hi&ms=

Auch in Deutschland warten die ehemaligen Heimkinder auf eine Entschuldigung
und Entschädigungszahlungen für geleistete und unbezahlte Arbeit der
Bundesrepublik, die in den Nachkriegsjahren bis zu 1 Million Kinder- und Jugendliche in den staatlichen undkirchlichen Heimen durch Jugendämter und Fürsorgestellen dem Terror aussetzten.

Es wäre an der Zeit, dass auch unsere Regierung sich zu Ihrer Schuld bekennt
und nicht auf die biologische Lösung wartet.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut
E. Klotzbücher.
ehemaliges Heimkind mit 50jähriger Krüppelerfahrungdurch
Oberschenkel-Amputation im Heim mit 17 Jahren

Antwort von: <Cordula.Andrae@gruene-bundestag.de>
Gesendet: 31.07.08 16:35:52
 
Betreff: Entschuldigung der kanadischen Regierung an Heimkinder
Sehr geehrter Herr Klotzbücher,
Vielen Dank für Ihre Mail. Entschuldigen Sie bitte die verspätete Antwort.
Die Entscheidung der kanadischen Regierung ist ein großer Erfolg für die
Ureinwohner Kanadas und ein Grund zur Genugtuung für die Betroffenen.
Im Petitionsausschuss des Bundestages, der über das Thema Heimkinder berät,
ist leider immer noch kein Beschluss gefasst worden. Herr Winkler, unser
Vertreter im Petitionsausschuss, als auch Frau Künastsprechen das Thema
immer wieder an, bei den Abgeordneten, bei Kirchen und Wohlfahrtsverbänden.
Wir hoffen sehr, dass es auch dort bald Fortschritte geben wird und der
Bundestag das Unrecht anerkennt und für eine Entschädigung sorgt.
Mit besten Grüßen für Sie,
- - -
Cordula Andrä
Referentin der Fraktionsvorsitzenden Renate Künast
Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag
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Tel: 030 227-71917
Fax: 030 227-76913
http://www.renate-kuenast.de