Die evangelische
Kirche bittet um Verzeihung
Wem soll dieses Verzeihungsangebot helfen?
Soll diese Bitte um Verzeihung als Wiedergutmachung verstanden
werden?
Soll nach über 40 Jahren Unrecht durch Verzeihung im Nebel
der Vergangenheit verschwinden?
Die EKD und die Diakonie möchten verständlicherweise
einen Schlussstrich unter der entwürdigenden Schande ziehen,
zeigen aber mit ihrem Verzeihungsangebot eine Wiederholung eines
altbekannten Musters.
Ich zitiere Herrn Buchta, einen Diakonie-Bruder der Rummelsberger
Anstalten und Hausvater des Mädchenheims Weiher:
„Ihr müsst froh sein, dass wir euch gnädig
aufnehmen, sonst würdet ihr auf der Strasse verrotten“.
Gnädig?
Waren es die Heime, die unter unserer Aufnahme litten oder die
„Zöglinge“?
Waren es nicht die Heime und die Dachorganisationen, die von unserem
Heimaufenthalt und unserer Kinderarbeit profitierten?
Wieviel haben die Kindersklaven zum „Milliardensegen für
die Kirchen“ beigetragen“.
Man informiere sich:
http://daserste.ndr.de/panorama/media/kirchen100.html
Gnädig?
Viele Heimopfer leben im Schmerz,
mit deprimierenden Erinnerungen,
mit dem allzeit gegenwärtigen Trauma, und den Flashbacks,
Gnädig?
Sie leben heute am Rande der Gesellschaft, emotional ausgehungert
und in einer deprimierenden sozialen und finanziellen Situation,
die in der Kindheit vorprogrammiert wurde.
Zu viele zerstörte Identitäten, zu viele Folgeschäden,
die bislang von keinem der Verantwortlichen wirklich thematisiert
wurden. Unsere Menschenrechte blieben in dem zweijährigen
Verschleierungsvorgang am sog. Runden Tisch hinterm Vorhang versteckt.
Details: http://www.emak.org/news/Kommentar_%20120_%20Sitzung.htm
und
http://www.emak.org/Briefe/sex-gewalt-Bergmann.htm
Deshalb noch einmal meine Frage:
Wem soll dieses Verzeihungsangebot wirklich nutzen?
Wenn psychische Wunden nicht mehr bluten,
Flashbacks unser Leben nicht mehr diktieren,
die Hartz IV-Kette vom Hals ist,
wir endlich ohne den Schmerz der Erniedrigung atmen können
und Leiden sich endlich in Lebensfreude wandeln kann,
werde ich an Verzeihen denken.
Sieglinde Alexander
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