Sieglinde W. Alexander

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25. Mai 2009

Diakonie-Präsident Kottnik

Herrenhäuser Str. 12,
30419 Hannover

 

 

Sehr geehrter Herr Kottnik,

es ehrt Sie, dass Sie offiziell anerkennen, dass die Misshandlungen in Heimen nicht Einzelfälle waren.

Wir, die Heimopfer kennen die Wahrheit schon lange, und fragen uns sei Jahrzehnten, warum die Diakonie die Wahrheit über begangen Menschenrechtsverletzungen nicht hören will?

 

Die Petition war der erste Schritt der die Misshandlungen der Nachkriegsjahre ans Licht brachte.

Was aber für die Dachorganisationen und Politiker noch nicht erkennbar ist, ist das katastrophale Ausmaß der Folgeschäden. Die erlebten Misshandlungen hinterließen psychische irreparable Schäden die viele der Misshandelten an den Rand der Gesellschaft drückten.

Heute leben die Meisten dieser Misshandelten mit einem aktiven Trauma und brauchen ihre Akten um Renten zu beantragen. Ich schließe mich mit meiner Geschichte aus dem Haus Weiher, eine Anstalt der Rummelsberger Anstalten denen an, die ihre Akten suchen.

 

Für einige der ehemaligen Heimkinder aus dem Heim Rübezahl in Holzen hörte die Grausamkeit der Vergangenheit nie auf.
Im April 2008 wurde die Staatsanwaltschaft von einem Kindesmord im Rübezahl Heim Holzen informiert. Die detaillierten Erinnerungen von Frau Thompson lieferten die Voraussetzungen zu dieser Anzeige. Die Kriminalpolizei Holzminden scheint die Sache zu verschleppen, da bis heute noch keine der Zeugen vernommen wurden. 

Die Familie von Frau Carola Thompson wird seit vier Generationen systematisch zerstört und Herr Lindner durchlebt noch einmal seine entsetzliche Vergangenheit, - auch ihm wurden seine Kinder entzogen und landeten in Heimen.

 

Mit der Anlage von schmerzhaften Erinnerungen, möchte ich ihnen Herr Kottnik und der Diakonie einen Teil der moralischen Last, die wir Opfer seit Jahren mit uns tragen zurückgeben, in der Hoffnung, dass die Verantwortung für Gerechtigkeit von denen übernommen wird, die diese Leiden verursachten.  

 

Mit freundlichem Gruß,

Sieglinde Alexander

 

Ich habe bis heute, den 20. Juli keine Antwort erhalten. 

 

Kommentar von Elvira:
Um zu verdeutlichen, wie unterstützend und hilfsbereit die Diakonie in Bayern ist, schicke ich Dir meine dokumentierten Erfahrungen mit der Suche nach meiner Akte zu. Eine Erfahrung, die ich auch ins Forum ehemaliger Heimkinder gestellt habe.

Nach vielen Telefonaten, wurde ich im Oktober 2008 an das „Referat–Öffentlichkeitsarbeit“ verwiesen. Hilfsbereit wollte man dort nach meiner Akte recherchieren. Eine Antwort bekam ich nicht. Als ich im November nachfragte, wusste man nicht, worum es geht. Vier Wochen später erhielt ich die Mitteilung, dass die Akten wahrscheinlich vernichtet seien. Im März 2009, schrieb ich an das Diakonische Werk. Berief mich auf eine öffentliche Stellungnahme, in der unter anderem folgendes steht:

Die Diakonie in Bayern wünscht sich diese aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte - im Interesse der Betroffenen und auch im eigenen Interesse. Neben der fachlichen Auseinandersetzung auf der Ebene des Verbandes – so mit einem Fachtag auf Ebene des Diakonischen Werkes der EKD - bieten wir den Leidtragenden jener Jahre unsere Unterstützung bei der Recherche ihrer eigenen und unserer Geschichte an, um gemeinsam mit den Trägern und den Einrichtungen eine Aufarbeitung der Vergangenheit zu ermöglichen.

Wieder mit der Stelle der Öffentlichkeitsarbeit verbunden, kam ich diesmal mit Herrn Oerthel in Kontakt. Der mir mitteilte, dass die Suche nach meiner Akte eingeleitet sei. Und, dass er sich in den nächsten Tagen bei mir melden wolle. Was nicht geschah. Nach einem Monat, rief ich an. Mit den Worten: -„Die Akten sind nicht auffindbar“ –war meine Anfrage geklärt. Ich sprach noch kurz von meinem Wunsch, den ehemaligen Heimleiter wie auch die Erzieherin Klose, sprechen zu wollen. Hilfsbereit, wollte Herr Oerthel nach den Personen suchen und vermittelnd tätig sein. Seitdem, habe ich nichts mehr von ihm gehört.