An: Marlene Rupprecht (Tuchenbach)
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Monday, June 13, 2011 9:33 AM
Betreff: In Sachen Heimkinder- Ihre Rede am 9. Juni:
Sehr geehrte Frau Rupprecht,
als erstes möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie
in Ihrer Rede vom 9. Juni 2011, die Heimkinder betreffend, die
Menschenrechtsverletzungen genannt haben.
Aber, sehr geehrte Frau Rupprecht, warum haben Sie die Tatsache,
dass auch Zwangsarbeit stattfand, nicht erwähnt? Haben Sie
dieses Wort deshalb nicht benutzt, weil Sie meine Heim-Erinnerungen
nicht gelesen haben, die ich Ihnen noch zur Zeit der Petition
zugeschickt habe?
Frau Loerbroks, Referentin der Infostelle des Runden Tischs Heimkinder,
teilte mir kurz vor Ende des RTH auf meine Anfrage hin mit, dass
meine Einsendung, die auch die Erinnerungen von anderen Heimkindern
enthält, nicht eingegangen sei, obwohl ich diese schon zu
Beginn des RTH sowohl per Post als auch vorab per E-Mail an den
RTH mit einem Begleitschreiben an Frau Dr. Vollmer geschickt hatte.
Aber ich möchte es nicht versäumen, Sie noch einmal
auf Umstände und Zustände in Heimen hinzuweisen, die
in einer Demokratie kein Pardon erlauben. Heißt es nicht
in den Grundrechten: Artikel 1:
„(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu
achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen
Gewalt.“
Aber das neue demokratische Grundgesetz von 1949 wurde missachtet.
Menschenrechtsverletzungen wurden begangen, obwohl Deutschland
1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterschrieb.
Kinder und Jugendliche wurden zu Sklaven, obwohl seit 1930 das
Übereinkommen über Zwangs- oder Pflichtarbeit existiert
(ILO).
Die Folgeschäden sind unermesslich, was aber nur die begreifen,
die sich mit den Biographien der Heimkinder wirklich beschäftigen.
Durch die so früh eingeprägte Gewalt wurden Identitäten
zerstört und Biographien einzelner folgenschwer beeinflusst.
Viele dieser Kinder wurden nicht geachtet und geschützt und
sind deshalb heute Opfer arbeitsunfähig und somit in Armut.
Wie viel anders wäre es, hätten diese damaligen Heimkinder
eine angemessene Ausbildung oder Schulbildung bekommen, anstatt
sich den Zwangsarbeiten zum Wohle des Wirtschaftswunders ausliefern
zu müssen.
Meine Frage heute ist, wer hat an den Heimkindern verdient?
Bitte lesen Sie:
„Meine Jugendjahre im Mädchenheim
Weiher“: http://www.emak.org/geschichten/vom_feuer_in_die_hoelle.htm
Erweiterte Erinnerungen in Englisch:
http://www.aaacworld.org/publication/A%20Never%20ending%20Pain.htm
Sowie:
„Hoellenjahre Kindheit“
http://www.emak.org/news/Hoellenjahre%20Kindheit.htm
Aus diesem Grund ist der vom RTH angebotene 120-Millionen-Fond
für viele der Betroffenen Heimopfer keine Entschädigung,
sondern:
a) Rentennachzahlungen, die auf das Versäumnis der damaligen
Arbeitgeber und Heimbetreiber zurückgehen,
b) Ausgaben für eine therapeutische Behandlung psychischer
Folgeschäden, die wir als Heimopfer nicht selbst verursacht
haben und deshalb als selbstverständlich betrachten, aber
nicht als eine Entschädigung anerkennen.
Sicher ist Ihnen bekannt, dass Frau Sonja Djurovic, Mitglied
des RTH, einen Antrag auf Entschädigung stellte.
Ich verweise auf diese Petition (Pet 3-17-17-821-019897) vom 25.
März 2011, Antrag zur Entschädigung von ehemaligen Heimkindern.
Ich bitte Sie, uns in dieser Petition zu unterstützen.
Mit freundlichen Grüßen,
Sieglinde Alexander
Erwachsene Misshandelt als Kinder
EMaK www.emak.org
Email: admin@emak.org
P.O. Box 3058
Moriarty, New Mexico 87035, USA
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