12.Okt.2006
Sehr geehrte Frau Dr. Sierck, geehrter
Herr Peter Schlaffer,
zu ihrer informativen Webseite für Menscherechte (a) möchte
ich einen Punkt der ältesten Menschenrechtsverletzungen hinzufügen,
die derzeit in Deutschland verleugnet und begangen werden.
Es gibt keine Menschenrechte für Erwachsene, die als Kinder
misshandelt wurden.
Als 1949 das neue Grundgesetz verabschiedet wurde, wurde der Satz
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ geprägt.
Dieser Satz fand bis heute keine klare Definition und wurde nicht
auf die angewendet, die in den Jahren nach 1949 körperlich,
sexuell, seelisch, psychisch von staatlichen und kirchlichen Institutionen
misshandelt, als arbeitende Kindersklaven verwendet wurden und
deren Würde verletzt wurde. Der WDR Film "Lebensunwert"
Der Weg des Paul Brune, und das Buch „Mundtot“ http://www.emak.org/geschichten/mundtot.htm
belegt Fälle, wie in Psychiatrien Kinder mit Medikamenten
vollgepumpt und durch falsche Diagnosen als geistig behindert
abgestempelt wurden –and dass das bis dato keine strafrechtlichen
Folgen hat.
Mehr Geschichten von Kindheitsmisshandlungen http://www.emak.org/geschichten/geschichten-heim.htm
Im März dieses Jahr wurde zum erstemal das Thema misshandelter
Heimkinder durch das Spiegel Buch Schläge im Namen des Herrn,
Das verdrängte Schicksal der Heimkinder in der Bundesrepublik,
Autor Peter Wensierski, der Öffentlichkeit vorgestellt. Doch
schon seit Jahren versuchen mehrere Buchautoren und andere Journalisten
durch Artikel die Aufmerksamkeit der Politiker, der Bevölkerung
und Menschrechtsorganisationen für die begangenen menschenentwürdigenden
Misshandlungen zu wecken.
Die ca. 500 000 Erwachsenen, die in kirchlichen und/oder staatlichen
Einrichtungen als Kinder misshandelt wurden, finden keine Hilfe,
kein Gehör, kein Recht, da sich die Verantwortlichen hinter
dem Verjährungsgesetz verstecken. Die Kindesmisshandlungen
in Familien in den Nachkriegsjahren ist eine fast unergründliche
Dunkelziffer.
Meine Frage ist, wie kann ein Vergehen gegen die Menschenrechte
verjähren?
Die Folgen dieser Misshandlungen bildet eine ganze Generation
von zerstörten Menschen die jedoch inzwischen die Grundlage
eines Staates bilden.
Diese verletzten Menschen verbrachten die letzten 50 Jahre mit
einem noch aktiven Trauma, mit PST und den Folgen der Gewalt.
Viele dieser Misshandelten wurden zu Misshandlern. Wie können
sie auch anders – ihnen wurde das Fundament der Menschlichkeit
genommen. 95 Prozent der heutigen Fälle von schweren Misshandlungen
sind Wiederholungstaten.
Forschungsarbeiten werden veröffentlicht, die über
Traumafolgen von Soldaten berichten, die später mit PTSD
leben müssen. Die Forschung aber hat noch nicht darüber
berichtet, wie viel größer ein Trauma ist, wenn ein
Kind über Jahre hinweg Misshandlungen erdulden muss und was
die Folgen dieser körperlichen, psychologischen, sexuellen
und seelischen Grausamkeiten sind, mit denen die Kindheitsopfer
ein Leben lang leben müssen, ohne jemals Hilfe oder Gerechtigkeit
durch eine humane Rechtssprechung zu finden. Was aber die Wissenschaft
anbietet ist das Ergebnis „Bleibender Hirnschäden nach
Kindesmisshandlung“, weil schwere Misshandlungen und sexueller
Missbrauch im frühen Kindesalter bleibende Hirnschäden
verursachen können.
http://www.stern.de/wissenschaft/gesund_leben/:FOLGESCH%C4DEN-Bleibende-Hirnsch%E4den-Kindesmisshandlung/252540.html
Die Deutsche Justiz klammert sich an das Verjährungsgesetz.
Geschichten und Zeitzeugen die als Beweise erbracht werden können,
haben keine Aussagekraft. Akten sind verschwunden und die Verjährungsfrist
dominiert. Für die körperlichen Misshandlungen, die
diese damals Kinder erleben mussten, gibt es keine Gerechtigkeit.
Für die Jahre ihrer Kinderarbeit wurden sie weder bezahlt,
noch haben die Arbeitgeber, die kirchlichen oder staatliche Heime,
Rentenanteile eingezahlt.
Welches Menschenrecht schützt diese zerstörten Menschen?
Mein Brief (3) an Frau Dr. Däubler-Gmelin, Ausschuss für
Menschenrechte und humanitäre Hilfe, blieb bis heute unbeantwortet.
Kirchen kämpfen unter dem Menscherrechtsgesetz für Religionsfreiheit.
Zugleich aber verhindern sie, dass sie die Verantwortung für
die Verletzungen der Menschenrechte während der letzten 50
Jahren übernehmen und tragen müssen – von Menschenrechtsverletzungen,
die in ihrem Namen, unter ihrer Obhut, begangenen wurden.
BBC: Sex crimes and the Vatican
A secret document which sets out a procedure for dealing with
child sex abuse scandals within the Catholic Church is examined
by Panorama.
http://news.bbc.co.uk/2/shared/bsp/hi/pdfs/28_09_06_Crimen_english.pdf
Nachdem Deutschland ein Akkustationsverfahren, kein Inquisitionsverfahren
hat, werden von niemandem die Vergehen der Vergangenheit untersucht.
Die Bemühungen vieler Betroffenen das Grundgesetz zur Anwendung
zu bringen, endet ergebnislos als Schlagzeilen in den Medien.
Zwar hat sich der LWV (Wohlfahrtsverband Hessen) für die
Vergehen der Vergangenheit entschuldigt, aber nichts geschah darüber
hinaus.
Meine offenen Briefe an die Parteien, (1) Menschenrechtskommission
(2) blieben bis heute entweder unbeantwortet oder ohne Ergebnis.
Der Bundestag versprach den ehemaligen Heimkindern einen Ausschuss
unter der Leitung von Frau Marlene Rupprecht, MdB, zu bilden;
bis heute kann dieser kein Ergebnis vorlegen.
Mein Name ist Sieglinde W. Alexander, eine 57 jährige Frau,
eine Betroffene von Misshandlungen, die 40 Jahre mit PTSD leben
musste, zweifelsohne eine Folgeerscheinung von Kindesmisshandlungen.
Die Würde wurde mir in frühster Kindheit genommen und
das mir zustehenden Menschrecht blieb mir ebenfalls bis heute
versagt.
Aus diesem Grund sehe ich es als meine Aufgabe an, das Ziel zu
erreichen, dass vergangene Misshandlungen als Verletzung der Menschenrechte
aufgenommen werden;
dass die Menschenrechtskommission die Fakten von Kindesmisshandlungen
der Vergangenheit politisch und juristisch als Menschrechtsverletzung
anerkennen muss;
dass die Verjährungsfrist vom Kindesmisshandlungen aufgehoben
wird;
dass die Misshandler zur Rechenschaft gezogen werden;
und dass die Misshandelten politische gesellschaftliche und gesetzliche
Anerkennung finden;
und damit die verletzte Würde der Opfer von Menschenrechtsverletzungen
wieder hergestellt wird.
Ich arbeite mit und für Adults Abused as Children weltweit
seit 1992 – www.aaacworld.org — und seit 2000 mit
Erwachsene Misshandelt als Kinder im Deutschsprachigen Raum –
www.emak.org.
Die Stummheit und Blindheit der Verantwortlichen und das Zögern
der Behörden diese Fälle zu untersuchen, schafft eine
neue Ungerechtigkeit, einen neuen Missbrauch der menschlichen
Würde. Die Mitarbeit aller derer, die nicht nur an die Menschlichkeit
sondern and das Recht der Würde glauben, ist unabdingbar,
damit diese Ungerechtigkeit und Missstände beendet werden.
Ich bitte um die Mitarbeit aller, damit die Verjährungsfrist
für Menschrechtsverletzungen aus dem Deutschen Gesetz entfernt
wird und damit diese Fälle unter der existierenden Rechtsprechung
Gerechtigkeit und die Erfüllung ihrer Menschenrechte finden.
Mit freundlichem Gruss,
Sieglinde W. Alexander
P.O. Box 3058
Moriarty NM 87035
Tele – Durchwahl 001 505
a) http://www.forum-menschenrechte.de/index_deu.html
(1) http://www.emak.org/Briefe/Kuhnert.htm
(2) http://www.emak.org/Briefe/Menschenrechte.htm
Nachtrag und Verbesserung: Es
ist nicht richtig, dass durch das Spiegel Buch "Schläge
im Namen des Herrn", Das verdrängte Schicksal der Heimkinder
in der Bundesrepublik, Autor Peter Wensierski, der Öffentlichkeit
vorgestellt wurde.
Das Buch "Die Idee der Bildbarkeit"
dokumentierte und interpretierte schon lange zuvor die
Geschichte pädagogischen Geschehens vor Ort und eröffnet
Zugänge zu zentralen Epochen deutscher Sozialpädagogik-Geschichte.
"Man nannte sie Idioten, Schwachsinnige, Lernbehinderte.
Man verwahrte, erzog und beschulte, man diagnostizierte und therapierte.
Die Heimerziehung in der hessischen Anstalt Kalmenhof steht exemplarisch
für die Geschichte sozialpädagogischer Praxis in Deutschland.
Wie wurde die Lebenswirklichkeit der betreuten Kinder und Jugendlichen
von den Gründern und Mitarbeitern des Kalmenhofs wahrgenommen,
gedeutet und in fachliche Konzepte umgesetzt?"
© Okt. 2006 Sieglinde W. Alexander für EMaK
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