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1. September 2006

Sehr geehrter Herr Wagner,

in Ihrer Stellungsname „Das Leid der frühen Jahre - Zur kirchlichen Heimerziehung in der Nachkriegszeit“ vom 24.02.06 erwähnen sie: „Kritisch wird vermerkt, dass sich die Kirchen vor dem offiziellen Eingeständnis ihrer Schuld gegenüber den ehemaligen Heimkindern drücken, wenn sie auch Vorwürfe nicht mehr einfach abwehren.“
http://www.ev-akademie-boll.de/Gewalt_Uberwinden_Detail.361.0.html?&cHash=e629a9a92d&tx_ttnews%5BbackPid%5D=360&tx_ttnews%5Btt_news%5D=294

Meine Frage ist, was haben die Kirchlichen Institutionen nach den Anklagen getan?
Nichts!
Nur leere Worte des Bedauerns.
Keiner der Angeschuldigten hat bis heute versucht, die Vergehen gegen die Menschlichkeit, noch das gesetzliche Recht wieder gutzumachen. Im Gegenteil. Es herrscht ein dunkles Schweigen seitens der Anstallten und Behörden, speziell in Bayern, die nicht anders zu deuten ist als dass sie sich der rechtlichen und christlichen Verantwortung entziehen.

Keiner der Misshandelten wurde von den betreffenden Anstalten kontaktiert, um eine Verhandlungsbasis für eine Wiedergutmachung zu erstellen.
Das passive Verhalten, das Nichtagieren der kirchlichen Einrichtungen, kreiert für die Misshandelten eine neue traumatische Situation, und sie müssen wieder erkennen, wie schon vor 30-40 Jahren, wie wenig sie auch noch heute wert sind.

Jürgen Gohde formulierte den Satz: „An dieser Stelle müssen wir feststellen, dass das zu dem Teil der Geschichte gehört, mit dem wir leben müssen.“

Es ist nicht Herr Gohde der mit der grausamen Geschichte leben muss. Er, wie viele andere, die die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit zur Zufriedenheit der Betroffenen mit lösen könnten, wählen die Rolle des passiven Zuschauers und hoffen, dass sich diese Unannehmlichkeiten in Kürze im Sande verlaufen und dass die nach Gerechtigkeit Schreienden bald verstummen.
Es ist der Traumatisierte, die einstmals unbezahlten Kinderarbeiter und Misshandelten, die noch immer mit Angstzuständen, PTSD, dem Stigma von Minderwertigkeit und den fehlenden Rentenjahre aus der Zeit der Kinderversklavung leben muss.

Damit die Ohnmacht der Ohnmächtigen anhält, verschwinden Akten der Betroffenen.
Z. B. es gibt keine Beweise mehr, dass in den Rummelsberger Anstalten Hunderte von Zöglingen waren, die unterm dem Drill der christlichen Nächstenliebe misshandelt wurden, Lehrausbildungen machten und arbeiten mussten.
Selbst in verschiedenen bayerischen Jugendämtern sind Akten geflissentlich verschwunden. Und so werden die Anklagen unter der Last fehlender Beweise verschwinden - keine Akten, keine Beweise von Schuld, ergo: keine Wiedergutmachung nötig.

Damit beginnt ein neuer Trauma-Kreislauf für die vielen Misshandelten.
War es nicht schon das einstmals unschuldige Kind, das um sein Überleben kämpfen musste und es heute als Misshandelter wieder tun muss, aber in der Zwischenzeit mit dem Trauma am Rande der Gesellschaft leben muss!
Doch die Verantwortlichen leben, ohne Gewissen, in der Verleugnung unbehelligt weiter und beschützen ihren Reichtum, der durch Kinderarbeit, Erniedrigungen und Gewalt gewonnen wurde.

Und das alles geschieht heute noch im Namen der Christlichen Nächstenliebe!

Mit Freundlichen Gruss,
Sieglinde W. Alexander

Adults Abused as Children Worldwide
www.aaacworld.org

Erwachsene Misshandelt als Kinder
www.emak.org

Antwort: vom 12. Sept. 06

Sehr geehrte Frau Alexander,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Ich werde Ihren Kommentar den zuständigen Stellen mitteilen. Ich kenne leider nicht alle Fälle und auch nicht alle kirchlichen Reaktionen. Mein Arbeitsbereich ist ein anderer.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Pfarrer Wolfgang Wagner

Für Anfragen, Kommentare oder Publikationsgenehmigung bitte benutzen sie dieses Link: admin@emak.org


 
  Geschichten
aus der
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Erwachsene erzählen
heute, was damals
niemand hören wollte.

  .....über die Erfahrungen
einer misshandelten Kindheit zu sprechen ist oftmals der erste Schritt
auf einem langen Weg
die unsichtbaren Wunden
zu heilen.
   
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