Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
nach drei Jahren intensiver Recherche haben wir es nun geschafft.
Viele ehemalige Heimkinder wurden dabei nach vielen Jahren mit
dem konfrontiert, was uns ein Leben lang begleitet hat, worüber
wir aber aus Angst und Scham nie sprechen wollten.
Obwohl wir uns schon länger kannten, hat mich meine Freundin
Gisela Nurthen damals erst nach langer Zeit des Beobachtens gefragt:
"Sag mal Marion, kann es sein das du einmal in einem Heim
warst?" .Ich war wie vor den Kopf gestoßen und sagte
trotzdem "Ja". Obwohl wir uns glaubten zu kennen, hatte
keiner von dem anderen diese Tatsache gewußt. Beide waren
wir ehemalige Heimkinder.
Das Stigma ein Heimkind gewesen zu sein, hat uns immer begleitet
und wir haben es vor allen Menschen versucht zu verstecken.
Wir glaubten, die anderen sehen uns dann nur als minderwertig
oder gar kriminell an! So wurde es damals auch in der Gesellschaft,
in den Familien den Kindern erzählt. " Kinder aus Heimen
taugen nichts."
Dieses Gefühl, diese Ängste vor Menschen hat man uns
in den Heimen anerzogen.
Jeder der sich mit der deutschen Geschichte richtig aus einander
gesetzt hat wird in diesem hoffentlich endlich Buch erfahren,
was wir erlebt haben, wer wir waren und wie sehr wir gelitten
haben.
Mit diesem Buch, das wir mit dem Autor auch demnächst in
Paderborn vorstellen wollen, ist für uns die Hoffnung verbunden,
das endlich das vielleicht größten Unrecht an uns Kindern
und Jugendlichen der Nachkriegszeit zur Sprache kommt.
Mehr als eine halbe Millionen Kinder waren von 1945 bis weit in
die 70 Jahre in den rund 3000 Heimen West-Deutschlands und viele
davon sind durch diese Erziehung schwerst traumatisiert worden.
Ich erinnere an den kürzlich erschienen Film über den
Fall von Paul Brune: "NS PSYCHATRIE UND IHR FOLGEN!"
Dieser Film wurde von Dr.Krieg und Monika Nolte recherchiert und
gedreht.
Ich selber habe mich ein Leben lang schlecht gefühlt und
wußte nicht "Warum?"
Ich kam mit 10 Monaten ins Heim. Selbstmordgedanken quälten
mich über alles, als letzten Ausweg, mich allem zu entziehen.
Es war ein schweres und anstrengendes Leben.
Ich möchte alle auf dieses Buch hinweisen, das es etwa ab
dem 11. Februar in den Buchläden geben wird.
Ich hoffe, das es auch für die heute Generation von Pädagogen,
Erziehern und Heimbetreibern wertvoll wird und auch in den Schulen
eine Bereicherung. Weil jeder ein wachsames Auge haben sollte
und Wissen darüber, was die vorherige Generation für
Fehler mit Kindern und Jugendlichen gemacht hat, die sich nicht
wiederholen dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
Marion Jolene Zagermann
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