Landeswohlfahrtsverband

Heimkinder wurden misshandelt

In Heimen des LWV Hessen wurden bis in die siebziger Jahre hinein Kinder und Jugendliche misshandelt.

Immer wieder wurde die Demütigung und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in Heimen angeprangert. Jetzt hat der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) die systematische Misshandlung von Heimkindern in seinen Einrichtungen eingeräumt.

 

Zitat: "Im Mittelpunkt unseres Handelns stehen Menschen, die krank, behindert, sozial benachteiligt sind"

Aus dem Leitbild des LWV

Dies sei bis in die siebziger Jahre geschehen, teilte der Verband am Donnerstag in Kassel mit. Der LWV bedauere, dass Kinder und Jugendliche auch in seinen Heimen alltäglicher physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt waren, heißt es in der Erklärung. Der LWV wolle sich bei den Menschen entschuldigen, die körperliche und psychische Demütigungen und Verletzungen erlitten hätten.

 

Zustände zutiefst bedauerlich

Zitat: Aus heutiger Sicht erschütternd

"Der Landeswohlfahrtsverband erkennt an, dass bis in die siebziger Jahre auch in seinen Kinder- und Jugendheimen eine Erziehungspraxis stattgefunden hat, die den damaligen gesellschaftlichen Werte- und Rechtsvorstellungen entsprochen hat, aber aus heutiger Sicht erschütternd ist."

Auszug aus dem Resolutionsentwurf

Außerdem solle den Betroffenen Unterstützung angeboten werden, hieß es in einem gemeinsamen Resolutionsentwurf von CDU, FDP und Grünen. Zu den Misshandlungen sei es vor allem in den 50er und 60er Jahren gekommen. Die damaligen Verhältnisse in den Heimen unter anderem in Biedenkopf, Wabern, Guxhagen und Idstein seien zutiefst bedauerlich.

Misshandelte gründeten Selbsthilfegruppe

Auslöser für das Eingeständnis der Sozialbehörde ist die Veröffentlichung des Buches "Schläge im Namen des Herrn" von
Peter Wensierski, in dem es um die Misshandlung von Heimkindern geht. Eine 2004 gegründete Selbsthilfegruppe misshandelter Kinder hatte vor zwei Jahren in Kassel bereits Vorwürfe gegen Kinderheime in ganz Deutschland erhoben. Betroffene hatten von Psychoterror, körperlicher Misshandlung bis hin zu sexuellem Missbrauch und Suizidfällen berichtet. Ein LWV-Sprecher hatte die Schilderungen auf Nachfrage bestätigt. Über die Zustände in Idstein hatte der Verband bereits früher eine Untersuchung anstellen lassen.