Opfer bekommen Anhörung im
Bundestag13. November 2006
MISSHANDELTE HEIMKINDER
Von
Peter Wensierski
Hunderttausende Kinder und Jugendliche wurden zwischen 1945 und 1975 in
Heimen unter kirchlicher Obhut gequält und misshandelt. Nun haben die Opfer
eine Anhörung vor dem Bundestag erreicht.
Hamburg - Die politische
und juristische Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen in deutschen
Erziehungsheimen der Nachkriegszeit soll nun mit einer Anhörung ehemaliger
Heimkinder im Bundestag am 11. Dezember beginnen. Darauf haben sich alle
Parteien im Petitionsausschuss nach monatelangem Ringen geeinigt. Zwischen 1945
und 1975 wurden Hunderttausende Kinder und Jugendliche oft aus nichtigen
Gründen vom Staat in rund 3000 Heime Westdeutschlands eingewiesen und meist von
kirchlichem Personal beaufsichtigt.
Die Interessen ehemaliger Heimkinder
vertreten der Hamburger Rechtsanwalt Gerrit Wilmans und der Münchner Michael Witti. "Wir möchten eine politisch-gesellschaftliche
Lösung aushandeln", fordert Witti. In anderen
Ländern - wie Australien und Irland - in denen die Zustände in den
Erziehungsheimen vergleichbar mit Deutschland waren, hätten Kirche und Staat
ihre Schuld anerkannt. Als positives Signal sieht Witti,
"dass Caritas und Diakonie inzwischen für das Unrecht an Heimkindern in
Deutschland sensibilisiert sind" und dass "es jetzt erste
Besprechungen mit den Anwälten der katholischen Kirchen gegeben hat, die
fortgesetzt werden sollen".