Absichtlich zugefügte Schmerzen quälen stärker
19. Dezember 2008
New York - Menschen empfinden absichtlich zugefügte
Schmerzen als besonders quälend. Haben sie das Gefühl, dass andere ihnen
bewusst wehtun, gewöhnen sie sich auch nicht an den Schmerz, wie eine
amerikanische Studie zeigt. Dies deutet darauf hin, dass etwa Opfer von Folter
unter den sowieso schon qualvollen Misshandlungen noch stärker leiden.
Dass das Schmerzempfinden
individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, wissen Forscher seit langem. Die
Studie der Universität Harvard zeigt nun, dass dabei auch Annahmen über die
Ursache des Schmerzes eine wesentliche Rolle spielen. In der Untersuchung
bekamen 48 Teilnehmer identische schmerzhafte Elektroschocks zugefügt. Glaubten
sie, ihr Gegenüber löse den Reiz absichtlich aus, so stuften sie den Schmerz
als besonders stark ein.
Nahmen sie dagegen an, es
handele sich um ein Versehen, so schien ihnen der Reiz weniger stark. Außerdem
schätzten sie dann den Schmerz bei jeder Widerholung als schwächer ein. Dieser
Gewöhnungseffekt blieb bei jenen Probanden aus, die von einer Absicht
ausgingen. Sie empfanden den Schmerz stets als gleich stark.
Diese Reaktion scheint
Studienleiter Kurt Gray aus evolutionsbiologischer Sicht absolut schlüssig zu
sein. Ein zufällig verursachter Schmerz stelle gewöhnlich keine Bedrohung dar,
betont er in der Zeitschrift «Psychological Science». «Aber ein absichtlich zugefügtes Leid ist womöglich das
erste von vielen, so dass es gut ist, dies wahrzunehmen und etwas dagegen zu
tun», so der Psychologe. «Es ist sinnvoll, dass unser Körper und unser Gehirn
die Schmerzerfahrung verstärken, wenn wir glauben, der Schmerz könne unser
Überleben bedrohen.»
http://www.net-tribune.de/article/191208-72.php