Ehemalige Heimkinder und der Runde
Tisch
Von
Werden die Nachkriegsgequälten Menschlichkeit erfahren?
Seit Monaten verdrehen sich alle
Verantwortlichen der kirchlichen Trägerorganisationen die Zungen, dreschen
in den Medien leere Phrasen von Bedauern, entschuldigen sich bei den ehemaligen
Heimkindern, versprechen Ungenaues für die Zukunft, doch faktisch geschieht
nichts.
Noch immer arbeitet der Runde
Tisch mit den Fragmenten einer barbarischen Vergangenheit. Hierbei werden
die verantwortlichen Kirchen um Aufklärung gebeten, die diese im Endeffekt
selbst nicht zu leisten vermögen. Die Kirchen profitieren von ihrer Anwesenheit
am Runden Tisch, da sie Informationen erhalten, die sie als Basis für eine
Abwehrstrategie nutzen können, um eine Schadensminderung für Diakonie und
Caritas zu erarbeiten.
Es stellen sich folgende grundsätzlichen
Fragen:
Ist in der Zusammenstellung des
Runden Tisches eine Fehlbesetzung zu erkennen?
Wie sind Menschenrechtsverletzungen zu erkennen, wenn die Menschenrechtskommission
keinen permanenten Sitz am Runden Tisch hat?
Welche Rechtswissenschaftler untersuchen, ob die erlebten Misshandlungen der
Heimkinder in die Kategorie der Menschenrechtsverletzungen gehören?
Welche Psychologen analysieren die traumatischen Erinnerungen und Erlebnisse
der Heimkinder?
Wird am Runden Tisch dieser wichtigste Punkte überhaupt angeschnitten?
Für die Misshandelten
kann es keine zufriedenstellende Aufarbeitung geben, wenn sie wieder in eine
machtlose Position gedrängt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten
kirchlichen Dachorganisationen angeblich keine Akten mehr haben oder die Anfragen
der Heimopfer mit Hinhaltetaktik ausbremsen.
Ein eindeutiges Beispiel sind die Rummelsberger
Anstalten. Die schwankenden Aussagen von Herrn Kottnik,
Präsident des Diakonischen
Werks, decken die ergebnislosen Nachforschungen durch den Rektor der Rummelberger
Anstalten, Herrn Dr. Bub, der angeblich keine Akten findet.
Gilt hier die These: Wo keine Akten sind gibt es keine Beweise? Sicher kann
diese Aussage als Spekulation bewertet werden, doch welche andere Schlussfolgerung
bleibt, wenn der Runde Tisch geheimnisvoll hinter verschlossener Tür tagt
und die, um die es in Wirklichkeit geht, im Dunkeln lässt? Der Runde Tisch
könnte veranlassen, dass aus der Empfehlung des Petitionsausschusses, die Akten herauszugeben, eine Anordnung
wird.
Solange dies nicht geschieht, werden sich die Länder Bayern und Baden-Württemberg
nicht angesprochen fühlen und es nicht für nötig erachten, eine Anlaufstelle
für die Heimmisshandelten einzurichten oder auch eine Untersuchung der Heimgeschehnisse
anzustrengen.
Die Vergangenheit in jahrelanger
Verzögerung aufzuarbeiten ist eine Sache, die Realität der bis heute unter
dem Trauma Leidenden eine andere.
Von den jetzt Verantwortlichen
wurde bislang weder verstanden noch zugegeben, dass die traumatisierten ehemaligen
Heimkinder bis heute unter den Folgeschäden von Kindheitsmisshandlungen leiden!
Hier scheint ungenügendes Wissen über Trauma der Grund dafür zu sein, dass
die Vergangenheit lediglich politisch aufgearbeitet wird. Die Heimkinder aber
sollen sich weiterhin bis zum „Ergebnis“ des Runden Tisches in der Agonie
ihres Traumas wälzen. Wer von den Verantwortlichen erkennt die heutige Notsituation
der Opfer, die zweifelsohne in der vor 50 Jahren implizierten Gewalt liegt? Wiederholt sich
heute das alte Muster der menschlichen Wertlosigkeit? Wie lange noch müssen
die Heimopfer auf Hilfe und Menschlichkeit warten? Greift hier schon wieder
die unterschwellige Angst, dass die Betroffenen eventuell mehr erhalten könnten
als ihnen zusteht?
Viele der Heimopfer leiden heute
nicht nur unter dem Trauma der Vergangenheit. Die meisten zeigen auch körperliche
Schäden, die bislang aufgrund von Ignoranz oder Gleichgültigkeit unbeachtet
blieben. Wer fragt zum Beispiel, wie viele der Betroffenen mit einem geschwächten
Immunsystem leben, aber nie eine Diagnose von zu hohen oder zu niedrigen Cortiolwerten
erhielten? Die meisten Ärzte haben trotz der wissenschaftlichen
Veröffentlichung * nicht das Wissen, dass Kindheitsmisshandlung zu Immunschwäche
führen kann.
Wer fragt, wie viele dieser Heimopfer
heute krank sind aufgrund einer Veränderung im Gehirn? Werden die wissenschaftlichen
Erkenntnisse* und MRTs (Magnet-Resonanz-Tomografie) benutzt um festzustellen,
ob sich das Gehirn durch Trauma verändert hat?
Schlaflosigkeit oder Albträume,
das Gefühl von Wertlosigkeit, Suizidgedanken und Hilflosigkeit begleiten das
tägliche 24-stündige aktive Trauma der Heimopfer. Um den Dauerstress unter
Kontrolle zu halten greifen viele zu Alkohol oder Drogen. Viele Ärzte wissen
nichts über Folgeschäden von Kindheitsmisshandlung und stehen den Bedürfnissen
der Patienten hilflos gegenüber. Wenn die Ausweglosigkeit der
Traumatisierten aber dann zu defensiven aggressiven Ausartungen führt, weil
die Kindheitsopfer den jahrelang aufgestauten Schmerz nicht mehr unterdrücken
können, werden sie erneut negativ kategorisiert, anstatt ihnen Empathie und
Hilfe anzubieten.
Wie viele dieser Traumatisierten
erhalten echte psychologische Traumaauflösung
statt wirkungsloser Anleitung zur Unterdrückung des Traumas? Die meisten Opfer
und auch Psychologen kennen nicht einmal den Unterschied zwischen „pain management“
und Traumaauflösung. Was die Opfer bekommen, wenn
sie nicht mehr arbeiten können, ist Hartz IV anstelle einer angemessenen Frührente.
So wird das Schicksal der sozialen Erniedrigung fortgesetzt.
Wäre es nicht einer der ersten
und vorrangigen Schritte des Runden Tisches, die Tatsachen anzuerkennen und
den Betroffenen aus ihrer würdelosen Situation zu helfen?
Es ist unverständlich, warum die
Verantwortlichen die Priorität ihrer Aufgabe lediglich darin sehen festzustellen,
ob (nur eines von vielen Beispielen) das damalige Erziehungspersonal eine
professionelle Ausbildung hatte oder nicht. Für Traumatisierte macht es keinen
Unterschied, ob ein professionell ausgebildeter Pädagoge(in) oder ein Laie
das Trauma implizierte. Es waren emotionslose Menschen, in vielen Fällen ehemalige
Nazi-Indoktrinierte, die Kinder als wertlose, nutzlose
Fresser und Bälger sahen.
Immer noch stehen keine genauen
Zahlen der Misshandelten fest! Weder der Petitionsausschuss noch der Runde
Tisch hat bis jetzt einen bundesweiten Medienaufruf gestartet oder bundesweite
Anlaufstellen angeboten, wo ehemalige Heimkinder ihre Erinnerungen und Erlebnisse
einbringen können. Es gibt vereinzelte Anlaufstellen, die vom Runden Tisch
aber nicht genutzt werden, um die bereits vorhandenen Erinnerungen der Heimkinder
zur Sicherung von Fakten aufzunehmen.
Zweifel, ob Personen im Heim waren,
können auch ohne Akten aufgelöst werden. Krankenkassen liefern Mitgliederbescheinigungen,
die die Aufenthaltszeiten der Jugendlichen im Heim
beweisen, vor allem wenn diese dort gearbeitet haben. Auch Einwohnermeldeämter
können zu dieser Bestätigung beitragen. Warum werden diese Möglichkeiten nicht
genutzt, um die fehlenden Rentenzeiten zu belegen?
Welche weiteren Möglichkeiten gibt
es, um den Betreffenden zu helfen?
Dass bereits ein Jahr ohne effektive
Hilfe vergangen ist, kann nur als Verschleierungs- und Verzögerungstaktik
gewertet werden. Welche Absicht verfolgen die Verantwortlichen? Sollen durch
die historische Aufarbeitung nur Schuld und Verantwortung reduziert werden,
während die bis heute mehrfach kranken ehemaligen
Heimkinder weiterhin im Trauma verharren?
Es bedarf keiner Experten zu erkennen,
dass bei vielen das Trauma nach wie vor akut ist und körperliche Symptome
sowie psychische Belastungsstörungen hervorruft. Aber es bedarf dringend bewusster
Experten, die helfen können, diese in der Vergangenheit implizierten Traumata
zu heilen.
Die Misshandelten brauchen heute
medizinische und psychologische Hilfe sowie angemessene Anerkennung. Bis heute
wird ihnen das Recht auf Würde verweigert, ihr Leiden angezweifelt. So stehen
die Opfer in demütigender Wartehaltung immer noch am Rande der Gesellschaft.
Ich hoffe niemand erhebt Zweifel
daran, dass in den Nachkriegsjahren eine ganze Generation durch Misshandlungen
und die Folgeschäden von Trauma zerstört wurde.
Es wäre weise, die Würde des Menschen
nicht noch einmal dadurch zu verletzen, dass die Heimopfer weiterhin im Leiden,
das ihnen unter dem wachsamen Auge des Gesetzes zugefügt wurde, verharren
müssen, bis der gebührende Respekt sie endlich erreicht.
***
... so lautet das Motto der neuen Diakonie-Kampagne 2009/2010.
http://www.diakonie.de/index.htm
Der Diakonie-Präsident Kottnik:
„Jeder soll seinen Platz in der Gesellschaft haben“
http://www.diakonie.de/pressemitteilung-dw-ekd-1330-5394.htm
EMaK fragt die Diakonie: Welche
Menschlichkeit und Unterstützung erhalten die ehemaligen Heimkinder die
in Heimen der Diakonischen waren?
EMaK fragt Herrn Kottnik: Wo haben die ehemaligen Heimkinder ihren Platz in der Gesellschaft?
Kommentar von Franz Josef Stangl:
"Der Runde Tisch könnte veranlassen, dass aus der Empfehlung des Petitionsausschusses, die Akten herauszugeben, eine Anordnung wird".Liebe Frau Sieglinde Alexander, diesen Satz kann man nur mehrfach unterstreichen!"Wie viele dieser Traumatisierten erhalten echte psychologische Traumaauflösung statt wirkungsloser Anleitung zur Unterdrückung des Traumas? Die meisten Opfer und auch Psychologen kennen nicht einmal den Unterschied zwischen „pain management“ und Traumaauflösung. Was die Opfer bekommen, wenn sie nicht mehr arbeiten können, ist Hartz IV anstelle einer angemessenen Frührente. So wird das Schicksal der sozialen Erniedrigung fortgesetzt."Mein rein persönliches Gefühl, nach zwei Untersuchungen im Rahmen von arbeits-und sozialrichtlich angeordneten Untersuchungen im Falle meiner angesuchten Frühpensionierung stellt sich, sorry, als "Verarschung im Quadrat" dar.Fakt: Jede gerichtsärztliche Fachuntersuchung dauerte in etwa schwache 20 Minuten. In diesen etwa 20 Minuten entschied der Facharzt, Neurologe/Psychiater über die Zukunft eines Menschen.Fragen wie, "Wie viel ist acht mal sieben?", und "Gibt es einen Unterschied zwischen Kindern und Zwergen?", rundet die peinliche Heiterkeit ab. EEG und CT wird erst in hundertfünfzig Jahren erfunden werden, so bleibt das modernste an der Geräteausstattung das berühmte Reflexhämmerchen. Trauma? Bitte was ist das ?restless legs? Dann gehen sie spazieren, wird schon wieder besser werden. Dies nicht bei meinen letzten Untersuchungen für das Arbeits-Sozialgericht, sondern einen Psychiater/Neurologen der Gebietskrankenkassa.
Derartige "Untersuchungen" sind eine unglaubliche Verhöhnung des Kranken, Hilfe suchenden.
Ich erzählte kurz, wie es die 20 Minuten erforderten, über meine Kindheit, Pflegeplätze, Erziehungsanstalten und Knast, obwohl dies Jahrzehnte zurück liegt, meine letzte gerichtliche Verurteilung vor 33! Jahren stattfand, (18 Monate), schrieb der Typ in das Gutachten ich wäre "persönlichkeitsgestört" und wäre empathie-unfähig. Genauen Text kann ich -so sie möchten in einigen Tagen nachliefern.
So jagt eine staatliche Frechheit die andere. Lebenslang, heißt das Urteil, einmal unterster Dreck, immer unterster Dreck. Dies stand im Gutachten 2007, ich habe es mir damals, da ohnehin keinen Einfluss darauf habe was der Kerl quackt, nicht durchgelesen, vor meiner zweiten Untersuchung 2009 im Frühjahr tat ich dies jedoch und entdeckte eben die oben beschriebenen Diskrimierungen. Als ich fragte weshalb er so einen Schwachsinn verzapfe, wo ich doch sehr viel ehrenamtlich bei AI, und in der Flüchtlingsarbeit tätig war, meinte er: "Na, sie sind doch ein Heinkind". Ich weiß, klingt unglaublich. Das habe ich energisch zurecht gerückt, diesmal steht derartiger Schwachsinn nicht im Papier, eine fallweise weitere Untersuchung zur Pension werde ich in diesem medizinischen Bereich ablehnen.