Heimopfer Runder Tisch Renten und Regierung

Von Sieglinde Alexander

 

Die Gründe warum wir, die Heimopfer, eine Entschädigung verlangen, liegt in der Tatsache, dass Heimkinder zu einer Arbeit gezwungen wurden und es daher versäumt haben, ihren Wunschberuf zu ergreifen und weil darüber hinaus durch die erfahrene Gewalt ihre Identität und Integrität zerstört wurde.

 

Genau dieser Zwang, diese Zerstörung, dieses Kindheitstrauma war es, was zu den heutigen Rentenmissständen führt. Die ehemaligen Kinder-Zwangsarbeiter und Missbrauchsopfer erfahren heute noch einmal, durch die Verweigerung von Entschädigungen und durch die Absagen von Frührentenanträgen, eine Entwertung.

 

Zuerst wurden die Schutzbefohlenen von den Trägern der Heime zu billigen Arbeitskräften gemacht, für die keine Rentenbeiträge abgeführt wurden und nun werden die heute psychisch Kranken wieder gezwungen, unterwürfig ihr Haupt zu beugen und um Almosen zu bitten. Wir stünden heute nicht vor dem Problem von Hartz IV für diese Menschen, wenn diese Menschen in ihrer Jugend ihr eigenes Lebensziel hätten steuern und Berufe ergreifen können, die zu einer angemessenen Rente geführt hätten.

 

Eine analytische Forschung würde dokumentieren, wie viel der heutigen Hartz IV Empfänger in der Kindheit misshandelt wurden und damals durch das Schweigen der Gesellschaft und der Blindheit der Gesetze heute, im Alter, zu Bitsteller gemacht werden. Diese Unterdrückung widerspricht nicht nur dem deutschen demokratischem Recht, sie widerspricht den Menschenrechten.

 

Eine Frau, die seit dem 13 Lebensjahr Kindheit Psoriasis hat (eine Immunschwäche), die mit 29 Unterleibskrebs hatte, die seit Jahren mit niedrigem Cortisol (Immunschwäche) leben muss, seit frühster Kindheit keine langen strecken gehen konnte und wofür der Grund erst im Alter von 60 Jahren als Chiari Malformation diagnostiziert wurde und die heute mit festgestelltem PTSD leben muss, welche eindeutig auf ein impliziertes Kindheit/Jugend-Trauma zurückführen ist, bekommt keine Frührente.


Der angegebene Grund der Ablehnung liegt nicht alleine daran, dass Arztberichte nicht mehr beigeschafft werden können und/oder weil Rentenzeiten aus den Jahren der Zwangsarbeit fehlen (die ja von den Zwangsarbeitgebern nicht einbezahlt wurden) und der deutsche Staat in einer Wirtschaftkrise steckt, es liegt vor allem daran, weil die „Gutachter des Sozialgericht“ nicht über das aktuelle Fachwissen verfügen und daran, dass der Staat Schadensminderung an genau denen übt, deren Lebensexistenz er half zu zerstören, indem die fehlende Aufsichtspflicht seitens des Staates über jene Einrichtungen fehlte, unter deren Obhut die ehemals Minderjährigen in staatlicher Aufsicht waren. Heute wiederholt sich das Muster der Unterdrückung durch das Verhalten der Behörden und der Regierung wieder, die so die Opfer noch einmal zu Opfern macht.

 

Um das wirkliche, bittere Ausmaß einer Zerstörung von Lebens-Existenzen zu erkennen, bitte ich alle Leser/Zuhörer sich vorzustellen, dass sie in der Kindheit in einem Feld, im Moor, in einer Wäscherei, einer Schneiderei oder anderswo Sklavenarbeiten verrichten mussten, anstatt die Gelegenheit ergreifen zu können, die gewünschte Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zumachen, die ihre heutige Existenz und ihre Alterversorgung gesichert hätte. Anstatt dessen leben diese psychisch Zerstörten heute mit PTSD, Depressionen, Angstzuständen, Ich-Störungen, die wissenschaftliche erwiesen auf Kindheitstrauma zurückzuführen sind, während die Unterdrücker durch ihre demals gesicherten Machtposition sich dieser zerstörten Leben nicht Verantworten müssen, aber heute finanziell gut gesichert sich ihren hierarchischen Machtmissbrauch der Verantwortung entziehen und dazu noch vom Gesetz, durch die Verjährungsfrist, geschützt werden.
Nicht zu vergessen sind die körperlichen, psychischen und sexuellen Misshandlungen, die viele diese Heimkinder über Jahrehinweg ertragen mussten, die zweifelsohne anhaltende Folgenschäden hinterlassen haben.  

 

Eine Ablehnung einer Entschädigungsleistung oder die Ablehnung von Frührenten sehe ich als eine weitere systematische soziale Ausgrenzung der in der Kindheit/Jugend traumatisierten und entwürdigten Bedürftigen. Das alte Muster der Entwertung diktiert noch immer und das mit Fehlern durchzogene Sozialgesetz und wird von inkompetenten „Experten“ gestützt.

 

Deutschland hat sich eine große Schuld aufgeladen und durch die Verletzung der Aufsichtspflicht es ermöglicht, dass Minderjährige zu minderwertigen Menschen gemacht wurden. Um die Glaubwürdigkeit eines Sozialstaates wieder herzustellen, sollte der Staat den heutigen Opfer einer in der Kindheit bewusst angetanen Gewalt jetzt mit Genugtuung und Gerechtigkeit begegnen, anstatt systematisch Schadensminderung zu betreiben, oder Opfer als „coladeral damage“ zu sehen und sich selbst zu überlassen.

Die Rentengesetzte müssen den neusten wissenschaftlichen Kenntnissen von psychischen Erkrankungen und Misshandlungs-Enthüllungen angepasst werden. Die Opfer dieser schandbeladenen Vergangenheit müssen eine gesellschaftliche/soziale Rehabilitation erfahren, der nach einer verbalen Entschuldigung, angepasste Renten und eine finanzielle Entschädigung folgen muss.

 

© 2010 - Sieglinde Alexander für EMaK (Erwachsene Misshandelt als Kinder)