Kommentar zu: „Tsunami der Schande“
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Seit dem letzten Irland-Bericht vom 28. Nov. 09 sind von dort bereits weitere 80 neue Missbrauchsfälle bekannt geworden (http://www.independent.ie/national-news/inquiry-uncovers-80-new-cases-of-abuse-1956991.html ). Der Erzbischof von Dublin bat die „Gardai“ (irische Polizei) nachzuforschen, ob es einen „paedophile ring“ unter den Priestern gegeben habe.

In diesem Zusammenhang stellt sich nun aber die folgende drängende Frage: Wie handhabt Deutschland die in die Achthunderttausend gehenden Fälle von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch in kirchlichen und staatlich geführten Kinder- und Erziehungsheimen der Nachkriegszeit?


Wie viele Hilferufe und Anklagen von in Heimen Traumatisierten wurden damals ebenfalls von Jugendämtern und der Polizei gezielt ignoriert, vertuscht und werden heute noch verschwiegen?

Die kirchlichen Einrichtungen behaupten, es gäbe kaum noch Akten, doch die Akten von Vormundschaften liegen noch bei den Jugendämtern.

Warum wurden die Jugendämter vom Runden Tisch immer noch nicht aufgefordert, die entsprechenden Akten endlich auf den Tisch zu legen? Warum wurde vom Runden Tisch keine Liste der Heime und deren Zöglinge verlangt? Wird auch in Deutschland versucht, die Kirchen zu schützen und die Opfer erneut zu erniedrigen - wie dies in Irland geschah? Wenn nicht, warum hören die Opfer nur vage Lippenbekenntnisse der Kirchen, die bislang keinerlei Konsequenzen haben?

 

Wie in Irland erlebten Menschen in Deutschland ein ähnlich dramatisches Ausmaß an systematischem, organisiertem sexuellen Missbrauch und Menschenrechtsverletzungen! Warum beteiligen sich andere Bundesländer nicht an der Aufklärung? Haben auch in Deutschland der Staat und die Polizei in ihrer Aufsichtspflicht versagt, die Opfer missachtet und somit die Kirchen geschützt?

All diese unbeantworteten Fragen können nur zur Spekulation einer Vertuschung anregen.

 

Vielleicht wäre das bislang als zu drastisch gescholtene „Tribunal“ doch eine wirksamere Vorgehensweise, die Nachkriegsschande Deutschlands aufzuklären?
Sollte nun der in Berlin tagende Runde Tisch, dem in Deutschland bezeichnenderweise außer einer sogenannten Wahrheitsfindung ohnehin keinerlei Entscheidungsgewalt zugestanden wird, innerhalb des noch verbleibenden Jahres zu keinem für die Heimkinder akzeptablen Ergebnis kommen und weiterhin seine eher als Verschleierung zu bezeichnende Taktik beibehalten, wird eine Untersuchung wie in Irland nötig sein.

 

Um die Würde und Menschenrechte aller Misshandelten wieder herzustellen gibt es keinen anderen Weg als die ausnahmslose Aufarbeitung dieser Vergehen; eine angemessene Entschädigung der Opfer wäre dabei das Wenigste.


Die Misshandelten haben keine andere Wahl als das Ziel einer vollständigen Aufklärung zu verfolgen, egal wie lange dieser mühsame Weg noch sein wird -  die Wahrheit muss historisch festgehalten werden.

 

Sieglinde Alexander www.emak.org