"Nein, in Österreich gab es solche Einrichtungen nicht".

Von Franz Josef Stangl 

 

Schauen sie, da könnte ja ein jeder kommen.

Mag ja sein, dass sie nicht jeder sind, aber wo kämen wir da hin.

Weshalb stört sie das "wir" in meinem Satz?

Nun bitte, wenn sie fragen, "wir", das sind "alle".

Aber nicht jeder.

Wenn sie bei "alle" sein wollen, dann dürfen sie aber nicht "jeder" sein.

Wir wollen das nicht.

Denn, da könnte ja jeder kommen.

Tut mir leid,

aber einfacher kann auch ich es ihnen nicht sagen.

 

Je länger ich mich mit der Idee eine "Gruppe" in Österreich zu gründen auseinander setze, umso tiefer ich mich in die Materie über Kindesmissbrauch hinein arbeite, umso unsicherer werde ich bei der riesigen Anzahl von Schicksalen, Verbrechen, Arroganz und frech zur Schau getragener, vermeintlicher Überlegenheit der Täterinnen und Täter.

Und als Betroffener wird mir allmählich klarer, dass die Leugnungen dieser Verbrechen schmerzhafter sind, als das was vor Jahrzehnten wehrlosen Kindern und Jugendlichen angetan wurde.

 

Politikerinnen und Politiker die sich verweigern an Aufklärung mitzuarbeiten, den Opfern zu helfen, ihnen moralische Unterstützung zu geben, jene, die das urösterreichische Prinzip des "Net amoi ignoriean" (Nicht einmal ignorieren) praktizieren, einfach aus dem Grund, weil "das eh schon so lang her ist", und "uns" (Siehe Eingangstext) nichts angeht, sind mir persönlich unendlich zuwider. Als vor einigen Wochen in österreichischen Medien das Urteil der Republik Irland in Sachen misshandelter Kinder und Jugendlicher geisterte, in Folge eine so genannte "Persönlichkeit" gefragt wurde, ob zu "befürchten sei", dass nun auch in Österreich die Geistlichkeit zu zittern habe meinte jener mit unnachahmlicher Penetranz :"Nein". Es kam wie aus der Pistole geschossen. Er musste nicht überlegen, denn er fühlte sich als der Überlegene. Überlegene überlegen nicht. Das ist so. Auf die Nachfrage der Reporterin ."Weshalb", erhielt sie zur Antwort: "No, weil es in Österreich solche Einrichtungen gar nicht gegeben habe". Nun, entweder ist er ein ganz übler Lügner, was ich aber von einer so honorigen Persönlichkeit nicht annehmen möchte, oder er ist ein gnadenloser Dummkopf. Möglicherweise beides zusammen, aber wie immer gilt die Unschuldvermutung.

Er könnte mir helfen aus dieser Verwirrung zu entkommen, jedoch, und siehe da, er antwortet nicht auf meine Schreiben, er übt sich im "Net amoi ignoriean", dabei, das sei erwähnt, ist er gar kein Politiker.

Sie sind wie zäher Schlamm, glitschige Masse, ich sehe sie in einem Bild vor mir, eine Glasschüssel voll alten Haferschleim, sobald ich mit dem Löffel die Schleimhaut auf die Seite schieben möchte, und es selten genug schaffe sie ein kleines Stück zur Seite zu schieben, um zumindest kurz auf den eigentlich Schleim blicken zu können, schon schiebt sich von irgendeiner Seite die Masse nach und verklebt die Haut mit neuem Schleim.

Je länger ich mich mit der Idee...nein, ich werde mich nicht mehr damit nur beschäftigen sondern sie auch umsetzen.

Schauen sie, da könnt ja jeder kommen.

Mag ja sein, dass sie nicht jeder sind.

Ach so? Eine Gruppe sind sie?

Na, das ist ja gleich was anderes.