Senator Andrew Murray speaks to the tabling of Community
Affairs References Committee Report
COMMITTEES: Community Affairs References Committee: Report
Originaly published by: www.aph.gov.au/senate_ca
In Sache: Kinder und Jugend Angelegenheit
Zur Sache: Familie & Soziale Dienste
Dated: 30 Aug 2004
Ort: Parliament House - Canberra
Senator MURRAY (Westaustralien) (12:52 Uhr).
Erlauben Sie mir, dass ich damit beginne, allen in der öffentlichen
Gallerie meine Anerkennung auszusprechen und meinen Willkommensgruß
zu entbieten, die heute die Reise nach Canberra antraten,
um bei der historischen Präsentation dieses bahnbrechenden
Berichts zugegen zu sein, den wir passenderweise „Vergessene
Australier“ genannt haben. Dieser Bericht bedeutet
so viel für so viele Menschen, nicht nur für die
über eine halbe Million direkt betroffenen, sondern
auch für die Millionen von Australiern, die indirekt
betroffen sind.
Vor drei Jahren, im August 2001, wurde der Kinder-Verschickungs-Bericht
„Verlorene Unschuldige: Tatsachenberichtigung“
des Senats-Komitees für Gemeinschaftsangelegenheiten
im Senat vorgelegt. Diese Untersuchung hatte für mich
aufgrund meiner eigenen Vorgeschichte eine äußerst
persönliche Dimension. Als ich mich erhob, um zu diesem
Bericht zu sprechen, konnte ich es einfach nicht; also hielt
Senatorin Sue Knowles die Rede für mich. Darin selbst
liegt eine Botschaft, weil diese schmervollen Nachforschungen
alle Senatoren in dem gemeinsamen Empfinden von Schmach,
Mitleid und in dem Bedürfnis vereint, Abhilfe zu schaffen.
Der Schmerz, den wir miterlebt haben, berührt und verpflichtet
uns für immer. Dieser Bericht über Heimkinder
ist der dritte in der Triologie; der erste war der 1997
erschienene Heimholungs-Bericht über das Schicksal
der verschleppten Aborigin-Generation und der zweite der
2001-Bericht der Untersuchung des Senats-Komitees für
Gemeinschaftsangelegenheiten über Kinderumsiedlung.
Der Tag, an dem ich außerhalb des Parlaments Norman
Johnston und seiner Schar von Protestierenden begegnete,
die sich für eine Untersuchung über Kinderumsiedlung
einsetzten, ist wahrscheinlich der Geburtsort beider dieser
Berichte. Norman und Margaret Humphries verkörpern
die an der Kampagne für den ersten Report Beteiligten,
und Leonie Sheedy und Joanna Penglase personifizieren die
Aktionisten für diesen zweiten Bericht. Ihnen allen
schulden wir große Dankbarkeit.
Aber ich widme diese Komitee-Rede den Zeugen. Allen, die
ihren Kummer kundtaten und ihre höchstpersönliche
Geschichte in diese Untersuchung einbrachten - Ich danke
Ihnen und würdige Ihren Mut, so zu handeln. Diese Geschichten
wurden oft zum ersten Mal erzählt. Ich sah verheiratete
Frauen, Männer und Freunde, die voller Erstaunen zuhörten,
als sie vernahmen, wie solche persönlichen, intimen
Geschichten der Öffentlichkeit vorgelegt wurden. Es
gab so viele Tränen: von den Zeugen, den Zuhörern,
den Senatoren, von Hansard und unserem Sekretariat. Viel
Zeugen erfuhren schon dadurch ein gewisses Maß an
Heilung, dass sie endlich ihre Geschichte erzählen
konnten und wussten, dass man ihnen endlich Glauben schenkte.
Ich möchte auch die vielen Tausende ehren, die nicht
in der Lage waren, ihre Erfahrungen durch Schreiben wiederzuerleben,
oder keine Berichte vorlegen konnten.
Mit mir war Senator Steve Hutchins im Komitee, der erste
Vorsitzende, der mir half, die Richtlinien für diese
Untersuchung mit der Labor-Partei auszuhandeln. Ich und
wir schulden ihm sehr viel; er kann stolz auf sich sein,
und er hat seiner Partei große Ehre erwiesen. Senatorin
Jan McLucas folgte Senator Hutchins in den Vorsitz, und
sie war außerordentlich in ihrer Entschlossenheit,
denen Recht zuteil werden zu lassen, die in Pflegeheimen
waren. Senatorin Sue Knowles ist mit mir eine Veteranin
beider Untersuchungen. Als stellvertretende Vorsitzende
hat sie wiederum ihr Mitleid und ihre Entschlossenheit gezeigt,
Gerechtigkeit walten zu lassen und Abhilfe zu finden. In
den Senatoren Gary Humphries und Claire Moore haben wir
glücklicherweise Menschen mit großem Herz und
von großer Stärke gefunden. Meine Senatskollegen:
Ich begrüße ihre Bemühungen und bin dafür
tief dankbar. Ihre Menschlichkeit und ihr Mitleid ehren
Sie.
Da war auch Hansard, der die schmerzvolle Aufgabe hatte,
alles aufzuzeichnen. Wir alle haben, was die Psychologen
als ‚auf sich bezogenen Schmerz’ bezeichnen,
nicht mehr erlebt als das arg strapazierte Sekretariat,
das diese qualvolle Untersuchung unterstützt hat. Elton,
Ingrid, Geraldine, Christine, Leonie und Peter erweise ich
meinen großen Dank. Es würde sich als schwierig
erweisen, eine Gruppe von Leuten zu finden, die härter
als sie arbeiten. Ihr Engagement verdient höchstes
Lob.
Dann ist da Dr. Marilyn Rock, Vorsitzende meines Wahl-
und Beratungsausschusses, die fünf harte Jahre der
guten Sache gewidmet hat, Anerkennung, Unterstützung
und Abhilfe für die zu finden, die in Institutionen
und in Pflegeheimen gelitten haben. Ohne ihre wertvolle
professionelle und menschliche Hilfe hätte ich diesen
meinen Einsatz ganz einfach nicht bringen können. Aus
ganz Australien wenden sich Menschen an sie um Hilfe.
Dieses Zitat aus einem vorgelegten Bericht fing eine fundamentale
Wahrheit ein:
Wenn ich auch extreme Deprivation überlebt habe, so
sind bei mir doch tiefe emotionale Narben geblieben. Ich
habe das Gefühl von Verlassenheit, Ausbeutung und Unzugehörigkeit……
Ich spüre, dass ich mich unmöglich voll von meinen
Erlebnissen erholen kann.
Diese Wahrheit zu verstehen ist Pflicht, um die öffentliche
Politik gegenüber Kindern für immer zu ändern.
Worin besteht diese Wahrheit? Wenn Sie einem Kind schweren
Schaden zufügen, haben Sie einen schwer geschädigten
Erwachsenen, der Jahrzehnte lang versucht, irgendwie damit
fertig zu werden. Da endet es nicht. Die Auswirkungen des
Schadens werden oft auf die Kinder des Opfers übertragen
und schaffen soziale Generationsprobleme. Obwohl es auch
gute Geschichten gibt, ist das bloße Ausmaß
geschädigter Menschen überwältigend.
Dass so viele eine Kindheit erduldeten, in der sie der
Liebe und Sicherheit ihrer Familien beraubt wurden, ist
gewiss traurig. Dass so viele Opfer von Missbrauch und Vernachlässigung
einschießlich krimineller sexueller und körperlicher
Übergriffe waren, ist unverzeihlich. Dass so viele
traumatisiert zurückgelassen wurden und als Erwachsene
ohne Unterstützungsprogramme am Rand der Gesellschaft
leben, ist skandalös. Meine Hoffnung ist, dass dieser
Report in Verbindung mit den zwei früheren Berichten
bedeutet, dass Bürokraten, Politikmacher und Politiker
endlich fähig sind, die Bedeutung der Probleme zu verstehen,
von denen die Überlebenden von Kindheitsmisshandlungen
betroffen sind. Die Botschaft besteht darin, zu begreifen,
dass Missbrauch, Vernachlässigung und Übergriffe
auf Kinder nicht länger geduldet werden können,
nicht nur, weil es falsch ist, sondern wegen der sozialen
und wirtschaftlichen Langzeiteffekte.
Es gibt jetzt umfassendes Forschungsmaterial, das eindeutig
zeigt, dass man, wenn man die Seele eines Kindes verletzt
und bricht, letztlich einen verletzten und gebrochenen Erwachsenen
bekommt, mit all diesen Konsequenzen. Auch der gut angepasste
Kampf. Ein Siebzigjähriger schrieb über die anhaltenden
Wirkungen:
Hin und wieder öffnet sich eine Tür in der Erinnerungswand
und die Geister entwischen und machen uns wieder zu einsamen
Kindern.
Es gab auch Menschen, bei denen es zu guten Ergebnissen
kam; sie waren an Stätten, die von guten Leuten betrieben
wurden. Aber zu viele führten und führen ein einsames
Leben am Rand, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
Sie leben auch mit dem Schmerz über verlorene Familienmitglieder
und verlorene Identitäten. Für zu viele bleibt
ihre Kindheit eine private Hölle, die mit Erinnerungen
an Prügel, sexuelle Übergriffe und Belästigungen
und Ausbeutung als Kinderarbeiter besudelt ist. Traurigerweise
haben die meisten aufgrund der eingeimpften Schuld- und
Schamgefühle gelernt, nicht gegen die Ungerechtigkeit
zu rebellieren, ihre Stimme nicht zu erheben. Sie schweigen.
Es sind diejenigen, die ihre Fürsorgepflicht verfehlten,
die die Last von Schuld, Schmach und Scham tragen sollten;
nicht die Überlebenden.
Dieser kraftvolle Bericht registriert manchmal unglaubliche
Gewaltakte gegen verletzliche Kinder in Pflegeobhut. Er
erfasst Angst, Vernachlässigung und das Bedürfnis
nach Liebe. Er erfasst Geschwister, die auseinandergerissen
wurden und getrennt blieben. Er verzeichnet das Zurückhalten
von Briefen an und von geliebten Menschen. Er hält
die Beraubung aller persönlichen Habseligkeiten und
der Würde fest. Er erfasst die Vorenthaltung ausreichender
Nahrung, Bildung und basaler Gesundheit. Das Argument, man
habe das damals halt so gemacht, hat wenig Gewicht. Verleugnung
ist Kurzschrift für die Niederlegung von Verantwortung.
Der Bericht erfasst das Erwachsenenschicksale, die von psychischen
Gesundheitsproblemen, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit,
Heimatlosigkeit, Wohlfahrtsabhängigkeit, gescheiterten
Beziehungen, Gefängnisstrafen, vorzeitigem Tod durch
Selbstmord und dem Bedürfnis und der Suche nach Identitäten
und Familienmitgliedern heimgesucht wurden. Der Bericht
legt auch Zeugnis ab von positiven Geschichten, wie Menschen
sich über Widrigkeiten hinwegsetzten und durch die
Liebe und Unterstützung anderer ihren Weg zur Heilung
gefunden haben.
Politikmacher und Politiker müssen den Umfang und
die Auswirkung der Kindermisshandlung verstehen. Professorin
Fiona Stanley, die Australierin des Jahres 2003, wird im
West Australian vom 9. November 2002 mit der Behauptung
zitiert, dass Australien einer drohenden sozialen Krise
und lebenslangen kostenintensiven Regierungsaufwendungen
gegenüberstehe, wenn kein nationales Programm für
die Kinderwohlfahrt aufgestellt werde. Es ist keine Frage
isolierter individueller Vorfälle, die traurig und
abstoßend sind. Es ist eine Frage eines weitverbreiteten
sozialen Problems mit gewaltigen sozialen und ökonomischen
Kosten. Bei dem Wissen, das wir jetzt haben, muss der Teufelskreis
des Missbrauchs, der oft auf die nächste Generation
übergreift, zur Priorität für diejenigen
werden, die in einer Position sind, um entscheidende Änderungen
herbeizuführen. Hier schaue ich auf die Liberalen-
und Labor-Partei. Es bedarf einer Resolution. Nur wenn das
Commonwealth und die Staatsregierungen den politischen Willen
haben, Geld und Mittel festzusetzen, um die Empfehlungen
lebendig werden zu lassen, wird diesen Menschen wieder Gerechtigkeit
zuteil. Es ist nicht nur an der Zeit; weniger hätten
sie nicht verdient.
Senator Mc LUCAS (Queensland) (1.02 p. m.). Ich bitte um
Erlaubnis, meine Äußerungen später fortführen
zu dürfen.
Erlaubnis erteilt; Debatte vertagt.
q. e. t.
|