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Rede

 


Senator Murray spricht zum Komitee für Gemeinschaftsangelegenheiten und verweist auf den Originalbericht:
www.aph.gov.au/senate_ca
Übersetzung: Ferdinand Wagner

EmaK publiziert diese Rede, weil diese ein erstklassiges Beispiel darstellt, wie eine Regierung der Vergangenheit mit Gerechtigkeit und Würde gegenübertreten und sich durch eine gemeinsame Verpflichtung, die Menschenrechte als wichtigste Grundlage für ihr Land aufrecht zu erhalten, anschicken kann, die Verletzungen anzuerkennen, die seine Menschen erlitten haben.

Granded republication to Adults Abused as Children Worldwide.
Engl: http://www.aaacworld.org/publication/art_126.htm

Senator Andrew Murray speaks to the tabling of Community Affairs References Committee Report
COMMITTEES: Community Affairs References Committee: Report
Originaly published by: www.aph.gov.au/senate_ca

In Sache: Kinder und Jugend Angelegenheit
Zur Sache: Familie & Soziale Dienste
Dated: 30 Aug 2004
Ort: Parliament House - Canberra

Senator MURRAY (Westaustralien) (12:52 Uhr).
Erlauben Sie mir, dass ich damit beginne, allen in der öffentlichen Gallerie meine Anerkennung auszusprechen und meinen Willkommensgruß zu entbieten, die heute die Reise nach Canberra antraten, um bei der historischen Präsentation dieses bahnbrechenden Berichts zugegen zu sein, den wir passenderweise „Vergessene Australier“ genannt haben. Dieser Bericht bedeutet so viel für so viele Menschen, nicht nur für die über eine halbe Million direkt betroffenen, sondern auch für die Millionen von Australiern, die indirekt betroffen sind.

Vor drei Jahren, im August 2001, wurde der Kinder-Verschickungs-Bericht „Verlorene Unschuldige: Tatsachenberichtigung“ des Senats-Komitees für Gemeinschaftsangelegenheiten im Senat vorgelegt. Diese Untersuchung hatte für mich aufgrund meiner eigenen Vorgeschichte eine äußerst persönliche Dimension. Als ich mich erhob, um zu diesem Bericht zu sprechen, konnte ich es einfach nicht; also hielt Senatorin Sue Knowles die Rede für mich. Darin selbst liegt eine Botschaft, weil diese schmervollen Nachforschungen alle Senatoren in dem gemeinsamen Empfinden von Schmach, Mitleid und in dem Bedürfnis vereint, Abhilfe zu schaffen. Der Schmerz, den wir miterlebt haben, berührt und verpflichtet uns für immer. Dieser Bericht über Heimkinder ist der dritte in der Triologie; der erste war der 1997 erschienene Heimholungs-Bericht über das Schicksal der verschleppten Aborigin-Generation und der zweite der 2001-Bericht der Untersuchung des Senats-Komitees für Gemeinschaftsangelegenheiten über Kinderumsiedlung.

Der Tag, an dem ich außerhalb des Parlaments Norman Johnston und seiner Schar von Protestierenden begegnete, die sich für eine Untersuchung über Kinderumsiedlung einsetzten, ist wahrscheinlich der Geburtsort beider dieser Berichte. Norman und Margaret Humphries verkörpern die an der Kampagne für den ersten Report Beteiligten, und Leonie Sheedy und Joanna Penglase personifizieren die Aktionisten für diesen zweiten Bericht. Ihnen allen schulden wir große Dankbarkeit.

Aber ich widme diese Komitee-Rede den Zeugen. Allen, die ihren Kummer kundtaten und ihre höchstpersönliche Geschichte in diese Untersuchung einbrachten - Ich danke Ihnen und würdige Ihren Mut, so zu handeln. Diese Geschichten wurden oft zum ersten Mal erzählt. Ich sah verheiratete Frauen, Männer und Freunde, die voller Erstaunen zuhörten, als sie vernahmen, wie solche persönlichen, intimen Geschichten der Öffentlichkeit vorgelegt wurden. Es gab so viele Tränen: von den Zeugen, den Zuhörern, den Senatoren, von Hansard und unserem Sekretariat. Viel Zeugen erfuhren schon dadurch ein gewisses Maß an Heilung, dass sie endlich ihre Geschichte erzählen konnten und wussten, dass man ihnen endlich Glauben schenkte. Ich möchte auch die vielen Tausende ehren, die nicht in der Lage waren, ihre Erfahrungen durch Schreiben wiederzuerleben, oder keine Berichte vorlegen konnten.

Mit mir war Senator Steve Hutchins im Komitee, der erste Vorsitzende, der mir half, die Richtlinien für diese Untersuchung mit der Labor-Partei auszuhandeln. Ich und wir schulden ihm sehr viel; er kann stolz auf sich sein, und er hat seiner Partei große Ehre erwiesen. Senatorin Jan McLucas folgte Senator Hutchins in den Vorsitz, und sie war außerordentlich in ihrer Entschlossenheit, denen Recht zuteil werden zu lassen, die in Pflegeheimen waren. Senatorin Sue Knowles ist mit mir eine Veteranin beider Untersuchungen. Als stellvertretende Vorsitzende hat sie wiederum ihr Mitleid und ihre Entschlossenheit gezeigt, Gerechtigkeit walten zu lassen und Abhilfe zu finden. In den Senatoren Gary Humphries und Claire Moore haben wir glücklicherweise Menschen mit großem Herz und von großer Stärke gefunden. Meine Senatskollegen: Ich begrüße ihre Bemühungen und bin dafür tief dankbar. Ihre Menschlichkeit und ihr Mitleid ehren Sie.

Da war auch Hansard, der die schmerzvolle Aufgabe hatte, alles aufzuzeichnen. Wir alle haben, was die Psychologen als ‚auf sich bezogenen Schmerz’ bezeichnen, nicht mehr erlebt als das arg strapazierte Sekretariat, das diese qualvolle Untersuchung unterstützt hat. Elton, Ingrid, Geraldine, Christine, Leonie und Peter erweise ich meinen großen Dank. Es würde sich als schwierig erweisen, eine Gruppe von Leuten zu finden, die härter als sie arbeiten. Ihr Engagement verdient höchstes Lob.

Dann ist da Dr. Marilyn Rock, Vorsitzende meines Wahl- und Beratungsausschusses, die fünf harte Jahre der guten Sache gewidmet hat, Anerkennung, Unterstützung und Abhilfe für die zu finden, die in Institutionen und in Pflegeheimen gelitten haben. Ohne ihre wertvolle professionelle und menschliche Hilfe hätte ich diesen meinen Einsatz ganz einfach nicht bringen können. Aus ganz Australien wenden sich Menschen an sie um Hilfe.

Dieses Zitat aus einem vorgelegten Bericht fing eine fundamentale Wahrheit ein:

Wenn ich auch extreme Deprivation überlebt habe, so sind bei mir doch tiefe emotionale Narben geblieben. Ich habe das Gefühl von Verlassenheit, Ausbeutung und Unzugehörigkeit…… Ich spüre, dass ich mich unmöglich voll von meinen Erlebnissen erholen kann.

Diese Wahrheit zu verstehen ist Pflicht, um die öffentliche Politik gegenüber Kindern für immer zu ändern. Worin besteht diese Wahrheit? Wenn Sie einem Kind schweren Schaden zufügen, haben Sie einen schwer geschädigten Erwachsenen, der Jahrzehnte lang versucht, irgendwie damit fertig zu werden. Da endet es nicht. Die Auswirkungen des Schadens werden oft auf die Kinder des Opfers übertragen und schaffen soziale Generationsprobleme. Obwohl es auch gute Geschichten gibt, ist das bloße Ausmaß geschädigter Menschen überwältigend.

Dass so viele eine Kindheit erduldeten, in der sie der Liebe und Sicherheit ihrer Familien beraubt wurden, ist gewiss traurig. Dass so viele Opfer von Missbrauch und Vernachlässigung einschießlich krimineller sexueller und körperlicher Übergriffe waren, ist unverzeihlich. Dass so viele traumatisiert zurückgelassen wurden und als Erwachsene ohne Unterstützungsprogramme am Rand der Gesellschaft leben, ist skandalös. Meine Hoffnung ist, dass dieser Report in Verbindung mit den zwei früheren Berichten bedeutet, dass Bürokraten, Politikmacher und Politiker endlich fähig sind, die Bedeutung der Probleme zu verstehen, von denen die Überlebenden von Kindheitsmisshandlungen betroffen sind. Die Botschaft besteht darin, zu begreifen, dass Missbrauch, Vernachlässigung und Übergriffe auf Kinder nicht länger geduldet werden können, nicht nur, weil es falsch ist, sondern wegen der sozialen und wirtschaftlichen Langzeiteffekte.

Es gibt jetzt umfassendes Forschungsmaterial, das eindeutig zeigt, dass man, wenn man die Seele eines Kindes verletzt und bricht, letztlich einen verletzten und gebrochenen Erwachsenen bekommt, mit all diesen Konsequenzen. Auch der gut angepasste Kampf. Ein Siebzigjähriger schrieb über die anhaltenden Wirkungen:

Hin und wieder öffnet sich eine Tür in der Erinnerungswand und die Geister entwischen und machen uns wieder zu einsamen Kindern.

Es gab auch Menschen, bei denen es zu guten Ergebnissen kam; sie waren an Stätten, die von guten Leuten betrieben wurden. Aber zu viele führten und führen ein einsames Leben am Rand, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Sie leben auch mit dem Schmerz über verlorene Familienmitglieder und verlorene Identitäten. Für zu viele bleibt ihre Kindheit eine private Hölle, die mit Erinnerungen an Prügel, sexuelle Übergriffe und Belästigungen und Ausbeutung als Kinderarbeiter besudelt ist. Traurigerweise haben die meisten aufgrund der eingeimpften Schuld- und Schamgefühle gelernt, nicht gegen die Ungerechtigkeit zu rebellieren, ihre Stimme nicht zu erheben. Sie schweigen. Es sind diejenigen, die ihre Fürsorgepflicht verfehlten, die die Last von Schuld, Schmach und Scham tragen sollten; nicht die Überlebenden.

Dieser kraftvolle Bericht registriert manchmal unglaubliche Gewaltakte gegen verletzliche Kinder in Pflegeobhut. Er erfasst Angst, Vernachlässigung und das Bedürfnis nach Liebe. Er erfasst Geschwister, die auseinandergerissen wurden und getrennt blieben. Er verzeichnet das Zurückhalten von Briefen an und von geliebten Menschen. Er hält die Beraubung aller persönlichen Habseligkeiten und der Würde fest. Er erfasst die Vorenthaltung ausreichender Nahrung, Bildung und basaler Gesundheit. Das Argument, man habe das damals halt so gemacht, hat wenig Gewicht. Verleugnung ist Kurzschrift für die Niederlegung von Verantwortung. Der Bericht erfasst das Erwachsenenschicksale, die von psychischen Gesundheitsproblemen, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Heimatlosigkeit, Wohlfahrtsabhängigkeit, gescheiterten Beziehungen, Gefängnisstrafen, vorzeitigem Tod durch Selbstmord und dem Bedürfnis und der Suche nach Identitäten und Familienmitgliedern heimgesucht wurden. Der Bericht legt auch Zeugnis ab von positiven Geschichten, wie Menschen sich über Widrigkeiten hinwegsetzten und durch die Liebe und Unterstützung anderer ihren Weg zur Heilung gefunden haben.

Politikmacher und Politiker müssen den Umfang und die Auswirkung der Kindermisshandlung verstehen. Professorin Fiona Stanley, die Australierin des Jahres 2003, wird im West Australian vom 9. November 2002 mit der Behauptung zitiert, dass Australien einer drohenden sozialen Krise und lebenslangen kostenintensiven Regierungsaufwendungen gegenüberstehe, wenn kein nationales Programm für die Kinderwohlfahrt aufgestellt werde. Es ist keine Frage isolierter individueller Vorfälle, die traurig und abstoßend sind. Es ist eine Frage eines weitverbreiteten sozialen Problems mit gewaltigen sozialen und ökonomischen Kosten. Bei dem Wissen, das wir jetzt haben, muss der Teufelskreis des Missbrauchs, der oft auf die nächste Generation übergreift, zur Priorität für diejenigen werden, die in einer Position sind, um entscheidende Änderungen herbeizuführen. Hier schaue ich auf die Liberalen- und Labor-Partei. Es bedarf einer Resolution. Nur wenn das Commonwealth und die Staatsregierungen den politischen Willen haben, Geld und Mittel festzusetzen, um die Empfehlungen lebendig werden zu lassen, wird diesen Menschen wieder Gerechtigkeit zuteil. Es ist nicht nur an der Zeit; weniger hätten sie nicht verdient.

Senator Mc LUCAS (Queensland) (1.02 p. m.). Ich bitte um Erlaubnis, meine Äußerungen später fortführen zu dürfen.

Erlaubnis erteilt; Debatte vertagt.

q. e. t.

 

 
  Geschichten
aus der
Kindheit


Erwachsene erzählen
heute, was damals
niemand hören wollte.

  .....über die Erfahrungen
einer misshandelten Kindheit zu sprechen ist oftmals der erste Schritt
auf einem langen Weg
die unsichtbaren Wunden
zu heilen.
   
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