Werner Papke verging sich nach Auffassung der Richter an mehreren
Jungen. Der 76-Jährige beteuert seine Unschuld und spricht von einer
Verschwörung.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Brandenburg-Kriminalitaet-Prozess;art128,2519549
Von
Kerstin Gehrke
25.4.2008 0:00 Uhr
Der Prozess gegen den schmächtigen Mann mit weißem Haar zog sich fast 40
Verhandlungstage hin. Werner Papke, der legendäre
Profi-Boxtrainer, wollte nicht aufgeben. Er setzte auch kurz vor dem Urteil zu
einer langen Rede an. In seinem Schlusswort sprach er von völlig haltlosen
Anschuldigungen. Die Richter aber sahen das ganz anders: Der 76-Jährige wurde
gestern zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Papke wurde des sexuellen Missbrauchs in 49 Fällen
schuldig gesprochen. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass er sich
zwischen Ende 1991 und Dezember 2002 an insgesamt vier Jungen verging. Die
Übergriffe hätten in der Regel mit Streicheleien und
Küssen begonnen, sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte rieb sich mal
das Kinn, schüttelte dann den Kopf. Er hatte zu Beginn des Prozesses im
November 2006 erklärt: „Alles gelogen, bei mir in der Boxschule wurde nie
Unwesen getrieben.“
Vier Jahrzehnte war Papke im Box-Geschäft. Im Prozess
listete er seine Erfolge auf, beschrieb seinen Umgang mit den nicht immer
einfachen Jungs und wetterte über Leute, die ihn „fertig machen“ wollten. Die
ehemaligen Schützlinge, die ihn mit ihren Aussagen auf die Anklagebank gebracht
haben, die Ehefrau eines der Boxschüler und ein Konkurrent aus der Berliner
Boxszene – sie alle würden „unter einer Decke stecken“.
Die Berliner Trainerlegende betrieb zuletzt in Moabit eine Boxhalle. Er wurde
hoch geschätzt als Entdecker von Talenten. Eines der „Riesentalente“ fiel ihm
kurz nach der Wende im Ostteil der Stadt auf. Er drückte dem damals
zwölfjährigen Jungen 20 D-Mark in die Hand und lud ihn in sein „Profi-Box-Gym“ ein. Bald darauf wohnte der Schüler zeitweise
bei dem Trainer. Mit 16 Jahren wurde er der jüngste deutsche Profiboxer aller
Zeiten, gewann später einen Europameister-Kampf. Im Prozess war der junge Mann
Nebenkläger.
Der späten Anzeige waren Gerüchte vorausgegangen. Warum er sich vorher nicht an
die Polizei gewandt habe, wurde einer der Zeugen gefragt. „Werner ist im Boxen
eine Persönlichkeit. Ich sah keine Chance für mich.“ Nach
Angaben des heute 33-Jährigen waren die Jungen, die der Trainer befummelt haben
soll, alle von ähnlichem Typ: „Klein, süß, zierlich und dunkelhaarig.“ Die
Staatsanwaltschaft war zunächst von sexuellem Missbrauch von Kindern in 178
Fällen angegangen. Etliche Vorwürfe ließ sie jedoch im Prozess fallen.
Papke hatte Freispruch verlangt. Der Trainer hatte
unter anderem erklärt, dass er physisch zu den von den Zeugen geschilderten
Handlungen nicht in der Lage gewesen wäre. Er wird vermutlich Rechtsmittel
gegen das Urteil einlegen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.04.2008)