Nicht jeder Vater hat das Privileg, mit einem seiner
Kinder zusammenarbeiten zu können.
Als Bill Roberts Tochter Jane nach ihrer Ausbildung zur
Schreinerin die Werkbank mit ihm teilte, war er verständlicherweise
sehr stolz.
Doch ihre Zusammenarbeit währte nicht sehr lange, denn
Jane nahm sich das Leben.
Die heile Welt von Janes Kindheit zerbrach im Alter von
acht Jahren, als sie in einem öffentlichen Schwimmbad
sexuell misshandelt wurde. 18 Jahre später bringt sie
sich um.
Richterin Alice Doyle befand gestern, dass ihr Tod im ursächlichen
Zusammenhang mit der durch den sexuellen Übergriff
entwickelten Persönlichkeitsstörung steht. Die
Richterin entschied mit einer lobenswerten Klarheit: „Ihre
Krankheit wurde durch sexuelle Misshandlung in ihrer Kindheit
hervorgerufen und führte zur Selbsttötung“.
Nach einem heroischen sechs Jahre dauernden Kampf wurden
der Familie Roberts 25 000 Euro zugesprochen, die Höchstsumme
in einer privaten Schadensersatzklage.
Aber niemand verstand diese finanzielle Zuwendung als Trost
oder Entschädigung.
Mr. Roberts erklärte: „Die emotionale Verwüstung
nach dem Suizid ist unbeschreiblich und ein Weiterleben
für uns damit sehr schwierig“.
Die treibende Kraft, diesen Kampf bis zum Ende auszutragen,
war der Wunsch, der Tochter ihren Seelenfrieden zurückzugeben.
Ihr kräftezehrender Kampf setzt einen neuen Meilenstein
in Sachen Mut.
“ Es gibt keine finanzielle Wiedergutmachung“,
erklärte Mr. Roberts, “Uns ging es um das Andenken
an das Opfer, die Erinnerung an alle zu Unrecht zu Tode
gekommenen und ihre Angehörigen“.
Der Anwalt der Familie setzt ihren Triumph zum rechtlichen
Kontext: “Die Richter begreifen endlich, dass eine
psychische Krankheit genauso tödlich sein kann wie
eine physische“.
Für alle in diesem Land von sexueller Misshandlung
Betroffenen, und derer gibt und gab es schon zu viele, stellt
diese Entscheidung letztlich einen der in diesem Bereich
wenigen zu verzeichnenden Erfolge dar.
Kommentar von Sieglinde Alexander.
Zum ersten Mal wurde in der europäischen Rechtssprechung
(in Irrland) anerkannt, dass frühkindliches Trauma
langfristige Folgeschäden hat, die auch zum Suizid
führen können.
Werden andere Gerichte diesem Beispiel folgen?
In der Psycho-Neuro Forschung wurde schon lange bewiesen,
dass Kindheits- trauma zu Gehirnveränderungen führt
und dass schwere Traumata in vielen Fällen auch durch
Therapie nie geheilt werden können.
Wann wird die deutsche Justiz diese Forschungsergebnisse
als unumstößliche Fakten von Gewalt und Menschenrechtsverletzung
in die Rechtssprechung aufnehmen?
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