Ich konnte nach der Sendung das Video sehen und war doch
überrascht, dass die Medien in Deutschland mit objektiver
Offenheit über die Vergehen der Vergangenheit reden.
Der Anfang zum Thema ‚Misshandlungen in den Jahren
nach 1945’ wurde mit anderen Beiträgen und dem
Film über Paul Brune schon gemacht. Ich glaube, nun
ist der Ball im Rollen, der die menschenunwürdigen
Misshandlungen dieser Jahre aufdeckt.
Natürlich hat der Bericht Erinnerungen an meine Heimzeit
in mir aufblitzen lassen. Meine Geschichte „Vom Feuer
in die Hölle“ kann bei www.emak.org gelesen werden
oder bei http://www.boxbook.com/Writing_table/deutsch/feuer.htm
Ich bewundere Carola, Michael-Peter Schiltsky, Regina und
Elke für ihren Mut, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit
zu gehen. Nur so können die Vergehen der Vergangenheit
aufgedeckt werden.
Meinen Dank auch an Peter Wensierski für das Buch
„Schläge im Namen des Herrn“.
Wir werden sehen, wie viele sich im Buch angesprochen fühlen
und den Mut finden, ihre Erlebnisse nicht länger als
psychischen Ballast mit sich zu tragen, indem sie ihre Kindheitsgeschichte
erzählen.
Wenn sich noch mehrere Stimmen aus dieser Heim-Vergangenheit
melden, noch mehr Geschichten veröffentlicht werden,
kann die Wahrheit nicht länger unterdrückt werden,
auch wenn die Schwester Arcangela, damalige Oberin‚
Barmherzige Schwestern Dortmund, sagte:
„Also, darin zu wühlen hat keinen Zweck mehr“.
Es sind nicht die Opfer, die gerne in ihrer Vergangenheit
wühlen, es ist die Vergangenheit, die in uns wühlt.
Das Trauma hält uns gefangen, „wühlt in
uns“ und hindert uns, ein ausgeglichenes, volles Leben
zu leben. Carola ist ein Beispiel. Wie viele mehr kämpfen
seit der Zeit gegen PTSD (Post Traumatic Stress Disorder
oder Posttraumatische Stress-Störung) und Depressionen?
Was nicht verwunderlich war, war die Aussage der Nonne
Arcangela „Denn ganz gewiss - also ich glaube - ich
setze mich für jede Mitschwester ein: Böses gewollt
hat sie nicht“.
Diese und ähnliche Aussagen („wir haben unser
Bestes getan“, „wir meinten es nicht Böse“,
„es war ja nur zu deinem Besten“) sind eine
Rechtfertigung, die alle Misshandler benutzen. Indirekt
ist es aber auch ein Eingeständnis, dass etwas geschehen
ist, über das sie nicht reden wollen.
In einem danach angeregten Chat im ZDF mit dem Buchautor
Peter Wensierski und dem Leiter der Anlaufstelle des VEH,
Peter Schiltsky offenbarten sich noch mehr Opfer von Heim-Misshandlungen.
Sehr bezeichnend aber war die Aussage eines Chatters: „Ich
schäme mich, was mir passiert ist“. Dieses eingepflanzte
Scham- und Schuldgefühl ist einer der langfristigen
Folgenschäden eines Traumas und führt dazu, dass
viele Misshandelte nicht erkennen, dass die Schuld nicht
beim Opfer liegt, sondern beim Misshandler.
Diese Traumata, die heute noch in vielen lebendig sind,
können nur enden, wenn sowohl die Misshandler als auch
die Öffentlichkeit diese als Menschenunwürdigkeit
erkennt und durch ihre Unterstützung zustimmt, dass
diese misshandelten Menschen Gerechtigkeit erhalten sollen,
qualifizierte Hilfe brauchen, und es auch wert sind, anstatt
weiterhin mit dem Finger auf die Opfer zu zeigen.
Was aber nicht in der Sendung erwähnt wurde, war dass
Tapsende in diesen Heimen unentgeltlich arbeiten mussten
und dass die damaligen Arbeitgeber, die Heime, die von der
Kinderarbeit profitierten, keine Rentenbeiträge in
der Zeit für die „Billigarbeiter“, geleistet
haben. So wurden die Betroffenen zweimal geschädigt
– zuerst keine Bezahlung und später keine Rente.
Das Manuskript zu der Sendung kann beim ZDF heruntergeladen.
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,3890327,00.html
Das Video kann am interent beim ZDF gesehen werden http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/15/0,4070,3892495-6-wm_modem,00.html
Prügel im Namen Gottes nächste Sendung:
21.02.06 um 21:00 Uhr
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