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Reflectionen zu: Frontal 21 - „Prügel im Namen Gottes“
von Sieglinde W. Alexander

 

Ich konnte nach der Sendung das Video sehen und war doch überrascht, dass die Medien in Deutschland mit objektiver Offenheit über die Vergehen der Vergangenheit reden. Der Anfang zum Thema ‚Misshandlungen in den Jahren nach 1945’ wurde mit anderen Beiträgen und dem Film über Paul Brune schon gemacht. Ich glaube, nun ist der Ball im Rollen, der die menschenunwürdigen Misshandlungen dieser Jahre aufdeckt.

Natürlich hat der Bericht Erinnerungen an meine Heimzeit in mir aufblitzen lassen. Meine Geschichte „Vom Feuer in die Hölle“ kann bei www.emak.org gelesen werden oder bei http://www.boxbook.com/Writing_table/deutsch/feuer.htm

Ich bewundere Carola, Michael-Peter Schiltsky, Regina und Elke für ihren Mut, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Nur so können die Vergehen der Vergangenheit aufgedeckt werden.

Meinen Dank auch an Peter Wensierski für das Buch „Schläge im Namen des Herrn“.
Wir werden sehen, wie viele sich im Buch angesprochen fühlen und den Mut finden, ihre Erlebnisse nicht länger als psychischen Ballast mit sich zu tragen, indem sie ihre Kindheitsgeschichte erzählen.

Wenn sich noch mehrere Stimmen aus dieser Heim-Vergangenheit melden, noch mehr Geschichten veröffentlicht werden, kann die Wahrheit nicht länger unterdrückt werden, auch wenn die Schwester Arcangela, damalige Oberin‚ Barmherzige Schwestern Dortmund, sagte:

„Also, darin zu wühlen hat keinen Zweck mehr“.

Es sind nicht die Opfer, die gerne in ihrer Vergangenheit wühlen, es ist die Vergangenheit, die in uns wühlt. Das Trauma hält uns gefangen, „wühlt in uns“ und hindert uns, ein ausgeglichenes, volles Leben zu leben. Carola ist ein Beispiel. Wie viele mehr kämpfen seit der Zeit gegen PTSD (Post Traumatic Stress Disorder oder Posttraumatische Stress-Störung) und Depressionen?

Was nicht verwunderlich war, war die Aussage der Nonne Arcangela „Denn ganz gewiss - also ich glaube - ich setze mich für jede Mitschwester ein: Böses gewollt hat sie nicht“.
Diese und ähnliche Aussagen („wir haben unser Bestes getan“, „wir meinten es nicht Böse“, „es war ja nur zu deinem Besten“) sind eine Rechtfertigung, die alle Misshandler benutzen. Indirekt ist es aber auch ein Eingeständnis, dass etwas geschehen ist, über das sie nicht reden wollen.

In einem danach angeregten Chat im ZDF mit dem Buchautor Peter Wensierski und dem Leiter der Anlaufstelle des VEH, Peter Schiltsky offenbarten sich noch mehr Opfer von Heim-Misshandlungen. Sehr bezeichnend aber war die Aussage eines Chatters: „Ich schäme mich, was mir passiert ist“. Dieses eingepflanzte Scham- und Schuldgefühl ist einer der langfristigen Folgenschäden eines Traumas und führt dazu, dass viele Misshandelte nicht erkennen, dass die Schuld nicht beim Opfer liegt, sondern beim Misshandler.

Diese Traumata, die heute noch in vielen lebendig sind, können nur enden, wenn sowohl die Misshandler als auch die Öffentlichkeit diese als Menschenunwürdigkeit erkennt und durch ihre Unterstützung zustimmt, dass diese misshandelten Menschen Gerechtigkeit erhalten sollen, qualifizierte Hilfe brauchen, und es auch wert sind, anstatt weiterhin mit dem Finger auf die Opfer zu zeigen.

Was aber nicht in der Sendung erwähnt wurde, war dass Tapsende in diesen Heimen unentgeltlich arbeiten mussten und dass die damaligen Arbeitgeber, die Heime, die von der Kinderarbeit profitierten, keine Rentenbeiträge in der Zeit für die „Billigarbeiter“, geleistet haben. So wurden die Betroffenen zweimal geschädigt – zuerst keine Bezahlung und später keine Rente.

Das Manuskript zu der Sendung kann beim ZDF heruntergeladen. http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,3890327,00.html

Das Video kann am interent beim ZDF gesehen werden http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/15/0,4070,3892495-6-wm_modem,00.html

Prügel im Namen Gottes nächste Sendung:
21.02.06 um 21:00 Uhr


 


 
  Geschichten
aus der
Kindheit


Erwachsene erzählen
heute, was damals
niemand hören wollte.

  .....über die Erfahrungen
einer misshandelten Kindheit zu sprechen ist oftmals der erste Schritt
auf einem langen Weg
die unsichtbaren Wunden
zu heilen.
   
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