EMaK

 

Die Spirale von Gewalt und Willkür

 

Die Geschichte von Walter Lindner

 

 

Dies ist die Geschichte eines Skandals. Der unfassbare Leidensweg eines kleinen Jungen beginnt vor 50 Jahren. Von der Straße weg wird er in ein Auto gezerrt und in ein Kinderheim verfrachtet. Keiner nennt ihm den Grund. Keiner wird ihm jemals zuhören. Keiner wird ihm jemals glauben und sich bedingungslos für ihn einsetzen.

 

Das Kind und später der Heranwachsende erlebt Folter, Demütigung, Ausbeutung – und unfassbaren sexuellen Missbrauch.

 

Seine Geschichte erzählt Walter auf:  http://www.emak.org/geschichten/Walli%20Ruebezahl.htm

Es ist unfasslich, dass er zu den Vorfällen im Rübezahlheim trotz der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Hannover vom April 08 noch immer nicht vernommen wurde.

 

Die schwere Traumatisierung in Kindheit und Jugend hat Auswirkungen auf den Erwachsenen. Er kämpft um ein würdiges Leben und unterzieht sich mehreren Therapien. Seine erste Ehe scheitert, als die gemeinsame Tochter ein Jahr alt ist. Die Mutter erzählte dem Mädchen, der Vater sei gestorben. Das Jugendamt Hildesheim unterstützte diese Lüge. Walter wird das Besuchsrecht verwehrt mit der Begründung, die Mutter befinde sich in einer neuen Beziehung, das Kind habe einen neuen Vater und halte Walter für tot. Das Jugendamt unterstützt Walter nicht, fordert den „toten“ Vater aber später auf, den Aufenthalt seiner Tochter in einer Jugendwohngruppe mit zu finanzieren.

 

Walter gründet eine neue Familie, bekommt drei Töchter. Die Beziehung zerbricht. Er bekommt die Kinder zugesprochen. Im Jahr 2004 holt Walter die Vergangenheit ein. Mit dem Stigma der Heimvergangenheit gebrandmarkt werden ihm vom Jugendamt ohne ausreichende Begründung seine Kinder weggenommen. Sie sind zwei, drei und acht Jahre alt. Sein eigenes Schicksal wiederholt sich. Seine Töchter kommen in Pflegefamilien des Kinderdorfes Lipperland e.V. in Barntrup.

 

Irgendwann gibt es einen Lichtblick. Der Schmerz der Familientrennung scheint ein Ende zu nehmen. Eine Gutachterin untersucht Walter auf seine Erziehungsfähigkeit und prüft die möglichen Lebensumstände der Kinder. Sie sieht eine gute Möglichkeit, dass die drei Mädchen endlich wieder zu ihrem Vater zurückkehren können.

 

Im März 2008 bekommt Walter durch seinen Anwalt mitgeteilt, dass eine Rückführung bis zum Sommer 2008 in Frage käme. Hoffnung machte sich breit. Bereitwillig gewährt Walter einer weiteren Gutachterin Einblick in seine Akten. Darin befindet sich auch der Bericht über die freiwilligen Therapien Walters, doch sein freundliches Entgegenkommen wird ihm zum Verhängnis. Nie waren diese alten Unterlagen auf ihre menschenverachtenden, Walter Lindner schädigenden Inhalte hin geprüft worden. Doch die Verfahrensbevollmächtigte entscheidet gegen die geplante baldige Rückführung der Kinder. Sie hat sowohl die Kinder als auch den Vater innerhalb von fünf Jahren nur zwei Mal gesehen. Dem Vater bleiben das bekannte demütigende Gefühl der Ohnmacht und die Gewissheit, erneut zum Opfer menschlicher Willkür geworden zu sein.

 

2008 kommen die beiden Jüngsten in eine Kinderwohngruppe der Einrichtung. Anfang April 2009 wird Walters jüngste Tochter kurz vor ihrem 8. Geburtstag Opfer sexueller Gewalt: in ihrem Kinderheim, das angeblich so viel besser für den Schutz und das Wohl der Kinder zu sorgen in der Lage sei .Das Mädchen erlebt sexuellen Missbrauch, der ihre Psyche und ihr weiteres Leben beschädigt. Walter wird viel zu spät von diesem Vorfall unterrichtet. Durch seine Tochter erlebt er die grauenhafte Wiederholung seines eigenen Schicksals. Doch ohne das Sorgerecht hat er keine Möglichkeiten einzugreifen.

Wieder ist er entmündigt und zu einem „Menschen zweiter Klasse“ gestempelt. Ein fast aussichtsloser Kampf um den physischen und psychischen Schutz seiner Tochter und um eine lückenlose Aufklärung des sexuellen Missbrauchs beginnt. Eine Rückführung des Kindes wird dringlich. Hilflos muss Walter erkennen, dass die Sorge nicht dem missbrauchten Mädchen gilt, sondern dem „guten Ruf“ der Einrichtung. Längst sind die Chancen zur lückenlosen Aufklärung absichtlich vertan. Längst ist das Mädchen durch Pädagogen des Heimes beeinflusst - die Rechnung geht auf.

 

Zynisch wird er auf sein Recht auf eine Strafanzeige aufmerksam gemacht mit dem Hinweis, sie werde im Sande verlaufen. Am 29. April 09 erstattet Walter bei der Polizei Hildesheim Strafanzeige. Am 6.Mail 09 tagt ein Runder Tisch wegen des Vorfalls. Man zieht sich auf die Behauptung zurück, es habe sich lediglich um ein „kleines Doktorspiel“ zwischen Kindern gehandelt; eine skandalöse Aussage angesichts des großen Altersunterschieds von 6 Jahren. Der Fall wird verharmlost, das Mädchen und ihr Vater geraten zwischen die Mühlsteine behördlicher Gewalt.

 

Bei den kurzen Treffen, die dem Vater gewährt werden, zeigt seine Tochter das auffällige Verhalten nach sexuellem Missbrauch. Sie sendet stumme Hilfeschreie, die der Vater sehr wohl versteht. Er meldet sie an die Verantwortlichen und an die Polizei, aber er bekommt keine Unterstützung.

 

Auch die 9jährige Tochter  macht einen unglücklichen, belasteten Eindruck. Ist sie in Sicherheit? Bei den seltenen, nicht kontrollierten Telefonanrufen wagen alle drei Kinder ihrem Vater zu sagen, dass sie sich wünschen, zum ihm zurückzukommen.

 

Kein Sorgerecht, keine Hilfsmöglichkeit. - Der aktuelle Anwalt von Walter Lindner zeigt Mitgefühl, hat aber nicht den nötigen Biss, um die Interessen seines Mandanten und dessen Kinder angemessen durchzusetzen.

 

In diesem höchst verwickelten Fall scheinen sich sämtliche beteiligten Einrichtungen und Behörden gegenseitig zu decken. Die Rechtsverletzungen und Versäumnisse müssen nun systematisch aufgedeckt und vor Gericht vertreten werden. Es ist schwierig, einen mutigen Anwalt zu finden, der sämtliche Mauscheleien und Seilschaften aufzudecken willens und in der Lage ist.

 

Die Macht der Ämter und Behörden, die Gleichgültigkeit ihrer Vertreter sind groß. Wie viel Schmerz, Demütigung und Ohnmacht muss ein Mensch noch ertragen? Müssen wirklich zwei Generationen durch dieselbe Hölle gehen, bis endlich angemessen reagiert wird?

 

 

27.05.09

 

 

Die Originaldokumente können bei Walter Lindner zur Einsicht angefordert werden.

 

Walter Lindner

Einumerstraße 61

31135 Hildesheim

E-Mail: wa-lindner@t-online.de