Email an Sieglinde Alexander von 12.8. 2009

 

 

Liebe Sieglinde,

 

durch Zufall bin ich heute auf Ihren Lebensbericht im Hause Weiher 

gestossen. Ich habe daran auch eine Erinnerung:

 

Ich bin 1951 geboren und wohnte bis 1965 im Nachbarort Henfenfeld. 

Ich kann  mich noch erinnern, dass ich als Kind mit einer Tante immer 

zerschnittene Kleider aufgerollt zu grossen Stoffbällen nach Weiher 

gebracht habe , die dann dort zu Flickenteppichen verarbeitet wurden. 

Wir gingen am Bahndamm entlang zu Fuss bis nach Weiher.

 

Ich erinnere mich noch gut an einen Moment wo ich in so eine dunkle 

Webhalle kam und auf einen Webstuhl zu ging. Dort sass eine junge,  

aber alt aussehende Frau in einem verwahrlosten Zustand, dünn, wirre 

Haare, blickte verstört ja beängstigend. Ich wollte sie fragen was 

sie hat, traute mich aber nicht. Sie sah mich mit grossen fragenden 

Augen an. Sie tat mir leid. Ich habe das mein Leben lang nicht 

vergessen. Andere huschten wie Gespenster durch den Raum, so kam es 

mir vor es lag Angst in der Luft, das spürte ich.

Immer wenn ich Flickenteppiche sah musste ich daran denken, bis heute.

 

Mir wurde gesagt man dürfe nicht mit ihnen reden sie seien ganz 

gefährlich und nicht umsonst da. Sie müssten nun arbeiten.

Sie hätten böse Sachen gemacht und müssten erzogen werden und zu 

guten Menschen gemacht werden und wenn das nichts hilft kommen sie 

ins Zuchthaus. Dass da aber irgendwas nicht stimmen kann habe ich als 

Kind einfach gefühlt.

Mehr kann ich leider nicht dazu beitragen, denn mehr wurde ausserhalb 

ja auch nicht darüber gesprochen. Manchmal gedroht wenn Du nicht brav 

bist, kommst Du auch nach Weiher.

 

Ich bin dankbar für Ihren Bericht so weiss ich nun wie es dort 

wirklich war.

 

Mit freundlichen Grüssen

M.Gramkow