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Liebe Sieglinde,
durch Zufall bin ich heute auf Ihren Lebensbericht
im Hause Weiher
gestossen. Ich habe daran auch eine Erinnerung:
Ich bin 1951 geboren und wohnte bis 1965 im Nachbarort Henfenfeld.
Ich kann mich noch erinnern, dass
ich als Kind mit einer Tante immer
zerschnittene Kleider aufgerollt zu grossen
Stoffbällen nach Weiher
gebracht habe , die dann dort zu Flickenteppichen
verarbeitet wurden.
Wir gingen am Bahndamm entlang zu Fuss bis nach
Weiher.
Ich erinnere mich noch gut an einen Moment wo ich
in so eine dunkle
Webhalle kam und auf einen Webstuhl zu ging. Dort sass eine junge,
aber alt aussehende Frau in einem verwahrlosten Zustand, dünn, wirre
Haare, blickte verstört ja beängstigend. Ich wollte sie fragen was
sie hat, traute mich aber nicht. Sie sah mich mit grossen fragenden
Augen an. Sie tat mir leid. Ich habe das mein Leben lang nicht
vergessen. Andere huschten wie Gespenster durch den Raum,
so kam es
mir vor es lag Angst in der Luft, das spürte ich.
Immer wenn ich Flickenteppiche sah musste ich
daran denken, bis heute.
Mir wurde gesagt man dürfe nicht mit ihnen reden sie seien ganz
gefährlich und nicht umsonst da. Sie müssten nun arbeiten.
Sie hätten böse Sachen gemacht und müssten erzogen werden und zu
guten Menschen gemacht werden und wenn das nichts hilft kommen sie
ins Zuchthaus. Dass da aber irgendwas nicht stimmen kann habe ich als
Kind einfach gefühlt.
Mehr kann ich leider nicht dazu beitragen, denn mehr wurde ausserhalb
ja auch nicht darüber gesprochen. Manchmal gedroht wenn Du
nicht brav
bist, kommst Du auch nach Weiher.
Ich bin dankbar für Ihren Bericht so weiss ich
nun wie es dort
wirklich war.
Mit freundlichen Grüssen
M.Gramkow