Meine Geschichte
von M. Schlage |
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor etwa einer Woche habe ich ihre Internetseite entdeckt und
möchte gern einen Teil meiner eigenen Kindheit Ihnen übersenden.
Ich bin jetzt 32 Jahre alt und werde immer wieder von depressiven
Zuständen heimgesucht und werde mir allmählich bewusst,
dass ihre Herkunft in den Ereignissen meiner Vergangenheit zu
suchen und zu finden sein müssten.
Ich erinnere mich an häufige Misshandlungen in Form von
Schlägen durch meinen Vater, deren Auslöser ich jedoch
nur noch selten feststellen kann.
Ich kann mich nur an wenige Zusammenhänge erinnern, z.B.
bestrafte er mich einmal, weil ich unbeachtet einen Bahnübergang
ohne seine Erlaubnis überquert hatte - ich muss etwa 5 Jahre
alt gewesen sein. Die Folge waren Schläge mit einem Teppichklopfer.
Weitere häufige Schläge mit Lederriemen, Hundeleine,
Holzpantoffel usw. gab es wegen "gestohlener Schokolade",
die mein Vater "versteckt" hatte. Mein Vater, der sich
sonst eher passiv verhielt, entpuppte sich hierbei förmlich
zu einem Monster, es gab keine Gnade vor einer Bestrafung. Er
bestrafte jeden seiner Kinder ohne dass er auch nur wusste, wer
es gewesen sein könnte. Heute denke ich auch oft darüber
nach, ob nicht sogar meine Mutter oder er selbst sie genommen
haben könnte.
Ich hasste diese Augenblicke, wenn er ins Schlafzimmer ging,
um Schokolade zu holen, da die Wahrscheinlichkeit groß war,
dass er mit leeren Händen wiederkam.
Einmal musste ich mit ansehen, wie beide Eltern meinen jüngeren
Bruder beschuldigten, die Schokolade gestohlen zu haben, und ihn
damit bestraften, dass sei 6 große Lebkuchenherzen in ihn
hineinstopften.
Angst hatte ich aber v.a. vor meiner Mutter, die mich zwar weniger
körperlich züchtigte, aber auch das kam mitunter vor,
sondern eher mit verbalen Angriffen demütigte. Ich hatte
dann immer das Gefühl, dass ich meine Existenz nicht erwünscht
war. Kritik ihr gegenüber war überhaupt nicht möglich.
Sie war eine Meisterin im Tatsachenverdrehen.
Ich erinnere mich dunkel, dass sie mich im Alter von etwa 4 oder
5 Jahren küsste, indem sie mir ihre Zunge in meinen Mund
schob, was ich sehr befremdete.
Vpn frühen Kindheitsfotos weiß ich, dass ich einen
sehr verschlossenen, verängstigten und oft auch weinenden
Gesichtsausdruck hatte. Auch das schien niemanden zu stören.
Seit etwa 3 Jahren weiß ich, dass mein älterer Bruder
nicht von meinem Vater, sondern einem katholischen Priester stammt.
Die gesamte Familie hatte seit jeher darüber geschwiegen,
selbst mein Bruder hatte keine Ahnung bis vor kurzem. Erst nachdem
ich zumeiner Familie den Kontakt abgebrochen hatte, wagten sich
andere aus dem größeren Verwandtenkreis, das Schweigen
zu brechen.
Meine Eltern beharren dennoch weiter auf die Richtigkeit ihrer
Erziehung, das macht mich unglaublich wütend. Ich habe einmal
versucht meine Eltern mit einem Brief zu konfrontieren. Das Ergebnis
war, dass mein Vater diesen Brief zerriss und meine Mutter ihn
nie zu lesen bekam.
Ich denke, ich warte vergebens auf die Entschuldigung meiner
Eltern, auch wenn es schwer fällt, dies zu akzeptieren.
Schlussendlich war meine Kindheit die Hölle für mich.
Rückblickend ist für mich am schlimmsten, dass ich viele
Jahre meines Lebens dafür verschwendet habe, die Familie
zusammenhalten zu wollen. Nachdem ich ihr den Rücken zugewandt
hatte, ist sie total auseinandergebrochen. Da merkte ich erst,
welche Last sie auf mich geladen hatten...
Mit freundlichen Grüßen
M. Schlage
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