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Jung kaputt spart Altersheime!

Die Bergische Diakonie Aprath...

Hallo allerseits, vielleicht interessiert es hier ja jemanden - möglicherweise potentielle BDA Erzieher... ich beschreibe meine Erfahrungen als "Patient" in der Kinder- und JugendKLAPSE, der Bergischen Diakonie Aprath (hat diese eigentlich eine Website?).
Wenn Ihnen die Anreden im Text komisch erscheint: es war erst eine eMail an die BDA, daher das "Sie" und "Ihre".

Viel Spaß beim Lesen!

Schlüsselfrage: können Erwachsene Kinder erziehen, ohne sich in sie hineinversetzen zu können? Ohne selbst nocheinmal "Kind" zu werden und zu überlegen, wie sie sich in dem Moment fühlen und verhalten würden?
Die Antwort dürfte aus dem Text hervorgehen.

Ich schreibe Ihnen als eine ehemalige Insässin von Haus Stern, 1993 bis 1996. Widerwillig musste meine Mutter mich dem Jugendamt und damit der BDA übergeben, pardon, AUSLIEFERN. Sie kam mit meiner aufbrausenden Natur (war damals knapp 10) nicht klar. Meinte das Jugendamt. Wissen ja immer alles besser, kennen ja die Ursachen und die Seele der Kinder... sicher... Ich war bei meiner Mutter gut aufgehoben, sie liebte mich, brachte mir aber auch Moral und Ethik bei. Im Gegensatz zur BDA - weder Liebe gab es da, noch Moral.

Sobald ich dort ankam, wurde mein Leben erst wirklich schlecht. Nachdem ich meiner weinenden Mutter noch eine Pusteblume in die Hand drückte - als Abschied - war schon mein Stofftier gestohlen. Das war den Erziehern, meine damalige Mentorin (tolle Mentorin! Siehe gleich) war Henriette K., recht egal. Es handelte sich ja nur um ein 200 DM teures Steifftier, das meine Mutter mir zum Abschied schenkte. Das mein Mama-Andenken war.

Das war aber nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem war eine Beraubung JEGLICHER Freiheiten, und da hat der Herr Berthold B., Chefarzt, noch zynischerweise "Die Rechte der Kinder" auf dem Schreibtisch liegen - welche Rechte? Das Recht auf Zimmerarrest bis man zur Nachmittagsbesprechung gezwungen wird? Das Recht auf Kontaktverbot zu den Eltern außer den 2 vereinbarten Anrufstagen und Besuchswochenenden? Das Recht, von Erziehern angeschrieen zu werden, weil man ihnen widerspricht, am Tisch nicht albern betet, ein Stofftier mit zu Tisch nimmt, wegen Angst vor Hänseleien die Schule schwänzt? Das Recht, von Erziehern gewaltsam ins Zimmer geschleift zu werden, weil man ein anderes Kind beschimpfte, weil dieses einen schon eine halbe Stunde provoziert, u.a. mit dir gestohlenen Sachen? Das Recht, nicht verteidigt zu werden bei Diebstahl, nur weil man halt mehr hat als die anderen (was kein Verbrechen ist - im Gegensatz zu Diebstahl)? Das Recht, Gestohlenes nicht zurückzubekommen? Das Recht, auch noch von Erziehern gehänselt und herumgeschubst und schließlich eingesperrt zu werden weil sie sagen "Wer schreit hat Unrecht"? Aber... hat man Unrecht, weil man vor Angst vor dem überlegenen (körperlich und durch Favoritismus von seiten der Mentoren) anderen Kind, das einen bedroht, schreit? Hat man Unrecht, wenn man schreit wegen der Ungerechtigkeit, als Opfer, das angegriffen wird nur weil es fett oder reizbar ist, nicht verteidigt zu werden? Wenn man schreit, weil eines oder sogar mehere der Kinder, denen die Erzieher zu allem Übel auch noch Kampfsport beibrachten wo sie doch wegen Gewaltfreude einsaßen, auf einen einprügelt und dabei lacht? Wenn man schreit, weil einem ein persönlich sehr wertvolles Spielzeug geraubt wurde, weil man nackt in der Dusche von einem im Einbruch geübten Jungen erschreckt wurde, weil man schreit, weil niemand einem zuhört?
Oft beschuldigte man mich der Verschwörungstheorie "Immer sind die anderen schuld" - es gibt Menschen, die wirklich immer die Schuld bei anderen suchen, oft zu Unrecht. Aber was ist mit denen, deren Selbstbewusstsein wegen ihrem Aussehen aus ihnen herausgehänselt/geprügelt wurde und sie deswegen noch mehr Hänseleien und Schläge anziehen? Sind die dann wegen ihrer "Hänsel mich!"-Ausstrahlung mitschuldig? Sind dann nicht wirklich die anderen schuld, die dann aus dem Nichts einen Stein, Hundescheiße oder böse Worte werfen?
Nennen Sie DAS Hilfe? Erziehung?

Ich werde ihnen die Folgen davon berichten.
Ich war ein seelisches Wrak. Ich war 12. Ander 12jährige Mädchen sind fröhlich und offen. Ich habe aber in der BDA etwas anderes gelernt - oder gewaltsam gelehrt bekommen. Nämlich, dass man letztendlich ALLEIN ist, sich nicht auf andere verlassen oder stützen darf, wenn man nicht enttäusht oder veletzt werden will. Dass man paranoid auf sein Eigentum, seinen Körper und seine Würde achten muss. Dass Angriff die beste Verteidigung ist. Dass niemand an deiner Seite steht, wenn du wirklich Hilfe brauchst und in Tränen erstickend darum schreist. Dass Menschen allesamt kalt, grausam und gleichgültig sind. Dass ich allein in meiner Wohnung besser aufgehoben bin.
Das habe ich gelernt. Das hat Ihre Erziehung mir gebracht. Ja... und noch immer, obwohl ich jetzt Freunde habe, oft fröhlich bin... hab ich Traumas, bin ich allein entspannter (obwohl ich vor meiner BDA Zeit immer mit 10 Freunden unterwegs war und alle mich liebten - danach mied man mich), reagiere defensiv oder agressiv, wenn man mir zu nahe kommt. Komme mit Gruppen nicht klar, bin ein Einzelgänger geworden. Stark, sicher. Stolz, auch. Aber nicht glücklich. Wäre lieber die schwache Heulsuse geblieben, die ich vor 1993 war - die, die alle mochten. Die, die alle mochte. Auf Leute zuging, ohne Angst, angeschnauzt zu werden. Und auch, wenn ich heute weiß, dass diese Angst nicht mehr nötig ist, das Trauma aus der BDA sitzt.

Zu meiner Mentorin: sie versprach meiner Mutter, meine seelische Stütze zu sein, für Trost, Schutz, was auch immer. Ja... auslachen tat sie mich, wenn ich heulte, anschreien und einsperren, wenn ich wütend war, weil ich gehänselt wurde, verspotten, wenn ich mich zurecht ungerecht behandelt fühlte oder mich aufregte über die täglichen Gemeinheiten nicht nur von seiten der Insassen, sondern auch den so hochqualifizierten Pädagogen.... Meiner ohnehin besorgten Mutter wollte ich das nie aufbinden, vorallem nicht, wenn dadurch die raren Besuchswochenenden versaut werden könnten. Meine Mutter war besser für meine Erziehung: sie war stark und ich war stolz, wenn sie Ihren Erziehern die Meinung geigte, denn sie sah in mir einen kleinen Menschen, kein kleines Stück Dreck, so wie die Erzieher.

Nach der BDA.
Tagesklinik. Zugepumpt und verblödet mit Medikamenten. Ich hatte keine Tobsuchtsanfälle, um eine Spritze zu bekommen, mehr nötig, es reichte, wenn ich in robustem Ton meine Meinung sagte. Heute weiß ich, dass mir sogar das Essen dort mit Psychopharmaka vergiftet wurde, warum sonst schlief ich wie benommen ein und war so friedlich, dass ich mir dabei hirntot vorkam? Bin weggelaufen, meine Mutter hatte dafür vollstes Verständniss und ließ mich wieder "normal" leben.
In Sonderschulen, da dank der BDA Therapie keine normale Schule noch ein dermaßen asozial und agressiv gezüchtes Kind mehr wollte. Dort auch weggelaufen - überall Dummheit, Agressivität, Hänseleien. Dann private Realschulen. Endlich. Endlich wurde ich wieder wie ein Mensch behandelt. Auch, wenn der Direktor meine Mutter wegen meiner Punkkleidung herzitierte oder weil ich mit dem Hund ein Schulgebäude betrat. Wurde aber immernoch gehänselt, denn mein Selbstvertrauen hab ich in der BDA verloren. Mein Kinn war in ständiger Berührung mit meinem Schlüsselbein, mein Rücken krumm vom geduckten Laufen. Das Punkoutfit half mir, mich besser, cooler zu fühlen, aber wenn ich das nicht trug, traute ich mich, bei allem Ersticken, nichteinmal zu husten - aus Angst vor den Dingen, die ich in der BDA erlebt habe: Schläge, Hänseleien, gehässige Blicke, Spott,...
Aber von einer Schule in die andere wegen meinem immer dreisteren und selbstbewussterem Verhalten, zu fliegen, machte mich wieder stark.

10 Jahre später... ZEHN VERGEUDETE, WEGEN DER BDA VERSAUTE Jahre später, habe ich endlich wieder ein Selbstwertgefühl, gehe raus, grinse öffentlich, gehe auf eine bekannte Kunstschule (St Lukas Brüssel), habe Freunde und habe VON SELBST gelernt, meine Wut teils zu beherschen - nicht dank der BDA. Im Gegenteil. Beim bloßen Gedanken an diese furchtbare Zeit wächst in meiner Brust eine unglaubliche Wut, Trauer und Angst, als wäre ich noch da. Ich könnte bei jedem Gedanken an die BDA heulen, schreien, das Haus kaputtschlagen, auf die Straße rennen und eine Ersatz-Henni, einen Ersatz-Beck, einen Ersatz-Andreas vor Wahnsinn lachend totschlagen.

Heute erziehe ich einen Hund. Einen schwierigen. Und es glückt, er ist angenehm und gesellschaftstauglich. Weil ich in Gedanken an die BDA deren Fehler vermeide: Gewalt (auch seelisch), Gleichgültigkeit, Bevormundung, Zwang. Denn Hunde ticken ähnlich wie Kinder. Ignoriert werden, Zwang und Gewalt treibt sie in die Ecke und sie reagieren mit Agression. Das lässt sich vermeiden, wenn man nicht gerade handelt, wie die meisten der Erzieher des Haus Stern. Nur an eine habe ich unbefleckte gute Erinnerungen: Sybille L.. Liebe Sybille.
Auch Thomas B., Olliver S. & Co. waren keine schlechten Menschen. Arschlöcher waren sie trotzdem: eine nervig schreiende Göre lässt sich halt am besten ruhigstellen, indem man sie am Bein in ihr Zimmer schleift und dieses abschließt, den, der sie mit Schlägen zum Schreien brachte in die Eisdiele karren und sich nicht weiter an der vor Wut, Angst und Ungerechtigkeit unterm Bett zitternden "Göre" stören.

Ein Ärgerniss für meine Mutter waren übrigens Herrn Beck's Versuche, mich ihr auszuspannen. Um mein - alleinerziehender - Vater zu sein, flog er sogar nach Israel, um dort meinen zum Glück zu klugen Vater, zu manipulieren mit seinem ach-so-heilpädagogischem Geschwätz.

Ich lebe heute einigermaßen normal. Die Quelle meines momentanen Unglücks ist mein Übergewicht.
Aber in langweiligen, deprimierten oder wütenden Momenten, muss ich an meine Vergangenheit denken, ein Gedanke, der mich jedesmal halb verrückt macht. Die Vergangenheit fängt nicht da an, wo das Jugendamt beschließt, meine Mutter als unfähig zu erklären, nein, meine schlechte Vergangenheit fängt an im Sommer 1993, der Tag, an dem ich die Pforten der Hölle, Haus Stern, betrat.

Einen Toast auf die BDA: Jung kaputt spart Altersheime!

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  Geschichten
aus der
Kindheit


Erwachsene erzählen
heute, was damals
niemand hören wollte.

  .....über die Erfahrungen
einer misshandelten Kindheit zu sprechen ist oftmals der erste Schritt
auf einem langen Weg
die unsichtbaren Wunden
zu heilen.
   
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