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Quälende Schatten aus der Vergangenheit
“Haunting Shadows from the Past”
by Sieglinde W. Alexander, 2000
Copyright © 2000 - 2005 Sieglinde W. Alexander |
Buchbesprechung von John A. Speyrer
Uebersetzung von Ferdinand Wagner
Sehr früh in meiner Kindheit lernte ich, meine Gefühle
und Bedürfnisse zu ignorieren. Später als Zwölfjährige
stempelte ich mich sogar als schmutzig und unwürdig ab. Im
Alter von 16 wollte ich nicht mehr leben. Ich fühlte mich
so wertlos und un-vollkommen, und – was mein Elend noch
mehrte- ich hatte Psoriasis.“
Aus Quälende Schatten aus der Vergangenheit,
Kapitel 3 – Die Weigerung sich selbst zu lieben.
---Sieglinde W. Alexander
Sieglinde W. Alexander, gegenwärtig eine Einwohnerin New
Mexico USA, hat eine Autobiographie über den Schmerz und
das Leiden geschrieben, das ihr widerfuhr, als sie im Nachkriegs
– Deutschland aufwuchs.
Die Autorin war von Kindheit an und ihr gesamtes Jugendalter hindurch
entsetzlichem Misshandlungen ausgesetzt. Auf ihrer Buch –
Website schreibt sie: „Es ist meine Schlussfolgerung, dass
die Langzeit – Konsequenzen von Missbrauch in der Kindheit
ein Tabugegenstand sind, der von der Gesellschaft und den Führern
in der Regierung vernachlässigt, ja beinahe gänzlich
gemieden wird.“ Sie ist entmutigt von der verfügbaren
Hilfe, die von Organen der Regierung und der Psychiatrie an-geboten
wird, und glaubt, dass „wir zuerst den bereits existierenden
Schaden reparieren müssen, um weiteren Missbrauch zu verhindern.
Andernfalls werden Opfer fortfahren, noch mehr Opfer zu erzeugen.
Wenn keine Hilfe bereit gestellt wird, werden sich die als Kind
erlernten Verhaltensmuster wiederholen. Ich würde gerne das
Wissen, das ich habe, dazu benutzen, beim Aufbau der Organisation‚
Adults Abused as Children Worldwide http://www.aaacworld.org (Erwachsene
Misshandelt als Kinder – Weltweit) zu helfen.“
Manche Leser könnten glauben, das Material in diesem Buch
habe für sie keine besondere Bedeutung, da sie niemals frühe
körperliche Misshandlungen erlebt haben. Sie könnten
sich irren. Sie werden es eindrucksvoll finden, wie die Autorin
schreibt, dass sie überrascht war von der Intensität
der Langzeiteffekte, auch wenn es nur darum geht, ständig
angeschrieen zu werden.
Quälende Schatten aus der Vergangenheit ist zur Zeit vergriffen.
Aber die Autorin hat großzügigerweise ihr Buch für
die Lektüre im Internet unter www.boxbook.com
in Englisch zur Verfügung gestellt.
Nachdem sie im Alter von 47 Jahren eine Journalistenschule besucht
hatte, begann Sieglinde W. Alexander über ihre von Misshandlung
und Missbrauch geprägte Kindheit zu schreiben. Sie litt ein
Leben lang unter Depressionen, und ihre Symp-tome verstärkten
sich, als immer mehr Erinnerungen aus ihrer deutschen Kindheit
ans Tageslicht kamen. Während sie einen Herausgeber suchte,
überarbeitete sie ständig ihr Manuskript. Das stellte
sich für sie als therapeutischer Durchbruch heraus, zumal
der Prozess des Überarbeitens weitere aufschreckende Erinnerungen
hervorbrachte.
Ohne je davon gehört zu haben begann sie mit einer regressiven
Selbst - Primal – Technik. Erst viel später erfuhr
sie, dass J. Konrad Stettbacher damit berühmt wurde und diese
Therapie in seinem Buch ‚Making Sense of Suffering' (Wenn
Leiden einen Sinn haben soll') beschreibt. Stettbacher spricht
sich für eine biographische Schreibtechnik aus, die er „Schreibthe-rapie“
nennt, wenn die Umstände die „Live-Arbeit“verhindern,
die er - für ihn eher typisch- empfiehlt.
Nun begann Sieglinde W. Alexander Psychologie zu studieren und
gelangte zu der Überzeugung, dass es notwendig sei, den Ursachen
ihrer Symptome weiter nachzuspüren, wenn sie von einem ganzen
Leben voller neurotischer Symptome befreit werden wollte.
Und sie spürte, dass ihre Nachforschungen die Rückkehr
in ihre Heimatstadt Harburg/Schwaben in Deutschland einschließen
mussten. Die Stadt datiert zurück ins Jahr 950 und ist wohl
bekannt wegen ihrer berühmten Burg.
Die Rückkehr in die Stadt ihres frühen Lebens, gekoppelt
mit intensivem Schreiben, löste in ihr Wiedererlebnisse von
Traumen ihrer Kindheit aus. Erinnerungen, die verdrängt waren,
begannen zurückzukehren. Die immer neuen Details, die sich
aufzuschließen begannen, ließen sie erkennen, dass
ihre Kindheit sogar noch schlimmer war als sie vermutet hatte.
Die Autorin fing an, ihre Erinnerungen abzutasten, wie sie häufig
mit einem schweren Wasserschlauch geschlagen wurde, wie sie sexuell
missbraucht und gezwungen wurde, mit ihren Brüdern für
die Familie zu stehlen.
Als sie in ihre Heimatstadt in Deutschland zurückkehrte,
war die berühmte Burg die erste Ansicht der Stadt Harburg.
Die Burg und ihre Anlagen waren für Sie ein Ort, der Sicherheit
gewährte, wenn sie sich verstecken musste. Alleine schon
in die Stadt zu fahren hatte sie in Panik und Angst geraten lassen.
Viele Erinnerungen und Gefühle von Scham und Furcht kamen
zu ihr zurück – und genau das hatte sie während
eines Großteils ihrer Kindheit verspürt - immer im
Ungewissen, wann die nächsten Prügel folgen würden.
Sie war in Versuchung, an der Tür des Hauses ihrer Kindheit
zu klingeln, entschied sich aber dagegen, da sie ängstlich
war.
Ein Besuch auf dem Friedhof brachte Erinnerungen an ihre Lella
zurück, ihre Lieblingsgroßmutter. Auf dem Weg zur Molkerei
hatte Lella mit der Milchkanne in der Hand nach der Tür gegriffen
um sie zu öffnen. Die fiel plötzlich scheppernd zu Boden,
wobei das blaue Emaille der Kannen – Außenseite absplitterte
und sich auf dem ganzen Boden verstreute. Dann sackte sie zu Boden.
Alle kamen gerannt und man trug Großmutter Lella in ihr
Schlafzimmer. Lella verstarb augenblicklich. Aber die kleine Sieglinde
konnte es nicht verstehen und fragte sich, warum denn der Doktor
nicht kam und Lellas Kopf verband? Warum waren da Leute, die sie
nie zuvor gesehen hatte, überall im Haus? Sie schlich ins
Schlafzimmer, kuschelte sich eng an ihre Großmutter und
sagte leise „Lella, schlaf’ du nur weiter, ich werde
mich neben dich legen und deine unterkühlte Hand wärmen.“
Ein Arzt traf ein. Klein – Sieglinde wollte bei der Großmutter
bleiben, damit der Doktor ihr nicht weh tun würde, aber man
brachte sie aus dem Schlafzimmer. Großvater weinte und erklärte
ihr, dass Lella in den Himmel aufgefahren sei.
Die kleine Sieglinde schaute durch die Schlafzimmertür und
sah, wie Männer ihre Lella in eine lange schwarze Kiste legten.
Als sie den Deckel des Sarges schlossen, begann Klein –
Sieglinde zu schreien. „Lella kann nicht atmen,“ jammerte
sie. Dann fiel sie in Ohnmacht. Nach dem Tod der Großmutter
änderte sich alles.
Am Tag der Beerdigung lief sie zum Grab, als der Sarg gerade in
die Erde gesenkt wurde. Just als sie in das frisch ausge-hobene
Grab hinabspringen wollte, zog sie jemand weg. Wieder fiel sie
in Ohnmacht und wachte in ihrem Haus auf, nachdem die Beerdigungszeremonie
vorbei war. Man erlaubte Sieglinde nicht, ihren Großvater
noch einmal zu besuchen. Niemand sorgte sich um den Verlust, den
diese Vierjährige erlitten hatte. Ihr Vater sagte, dass sie
sich nun an SEINE Methoden gewöhnen müsse.
Das war der Anfang von Misshandlungen, die sie schwer traumatisierten
und sie mit lebenslangen psychischen Narben zurückließen.
Bald danach wurde die Autorin Zeuge, wie Ihr Vater ihren Opa schlug
und trat, unmittelbar bevor der Großvater aus seinem eigenen
Haus genötigt wurde.
So hatten sich im Leben der Vierjährigen mit dem Verlust
ihrer verehrten Lella und dem Weggang ihres Großvaters zwei
drastische Umwälzungen abgespielt. Und nachdem ihr geliebter
Großvater das Haus verließ, das ursprünglich
sein eigenes Heim gewesen war, gestattete man der kleinen Sieglinde
nie mehr, ihn zu besuchen.
Nachdem sie ein paar dieser entsetzlichen Erinnerungen in einem
therapeutischen Prozess entdeckt und gefühlt hatte, der durch
das konkrete Niederschreiben ihrer Autobiographie ausgelöst
worden war, schrieb die Autorin:
„Ich empfand ein Gefühl der Erleichterung, als hätte
ich endlich die schwere Last abgelegt, an der ich trug. Ich war
nicht das Kind , das über den Tod seiner Lella weinte. Ich
war nun die Erwachsene, die vor Erleichterung für das Kind
in mir aufschrie, das nach all diesen Jahren endlich von Trauer
und Schmerz losgelassen hatte und sie durch eine liebevolle Erinnerung
ersetzte. Die Tränen hatten eine Stelle in meinem Inneren
entleert, die nun nach Füllung verlangte.“
Sieglindes Mutter hatte noch ein Brüderchen zur Welt gebracht.
Sieglindes Vater zwang sie Reissuppe zu essen, die sie verabscheute.
Ihr Vater pflegte mit einem Bambusstock neben ihr zu stehen und
zu warnen: „Das wird dich wirkliche Disziplin und Ordnung
lehren.“ Auch wenn sie sich in das Teller erbrach, schlug
er sie mit dem Stock. Sofort schöpfte er eine frische Portion
obenauf und bestand darauf, dass sie es esse. Sie aß es,
musste aber bald in den Waschraum laufen und übergab sich
erneut.
In Quälende Schatten aus der Vergangenheit schreibt sie,
dass ihr Leben vielleicht nicht gänzlich schlecht war aber,
dass das Schlechte dominierte. Als sie und ihr Bruder es einmal
versäumten, den Käfig ihres Meerschweinchens zu reinigen,
tötete ihr Vater das Haustier. „Wir schauten einander
an, machtlos, als die Tränen in unserer Kehle erstickten.“
Sie schrieb: „Wir hatten zuviel Angst zu weinen.“
Dann mussten sie ihr geliebtes Haustier wegräumen und begraben.
Ihr Vater brüllte: „Ich hab’ euch faulen Bälger
nie gewollt. Es war der Fehler eurer Mutter, dass ihr geboren
wurdet, nur meine Gnade erlaubte euch zu leben. Ich hätte
euch schon lange zu Tode geprügelt,. Aber es wäre sicherlich
nicht wert gewesen, dafür ins Gefängnis zu gehen.“
Über die Jahre hatte ihr Vater ihr eingebläut, dass
„sie unwürdig, blöd, nicht gut und des Essens
nicht wert sei“, das sie zu sich nahm.
Als sie ihre Selbsttherapie fortsetzte, kehrte Erinnerung um Erinnerung
zurück:
„Ich habe Erinnerungen aus der Vergangenheit und der Gegenwart
vergleichen. Je näher ich dem Schmerz kam, desto mehr versuchte
meine Psyche sich wieder zu verschließen. In meinen Gedanken
sagte ich meinem Vater all das, was ich ihm gerne gesagt hätte,
als ich ein Kind war.“
„Die Vergangenheit war gegenwärtig, die Zeit dazwischen
hörte auf zu existieren und alles, was ich fühlte, war
nun so real als ob es gerade geschähe. Wie konnte ich all
die Jahre existieren, fragte ich mich selbst. Wie konnte ich so
viele deprimierende Gedanken mit mir herumschleppen? Wie haben
sie mich beeinträchtigt? So viele Fragen, auf die ich keine
Antworten finden konnte, genau wie ich sie zu jener Zeit nicht
finden konnte, als sie geschahen.“
Als Kind, schreibt sie, fürchtete sie, durchdrungen von Schuldgefühlen,
alle zehn Gebote gebrochen zu haben. Für sie war es angemessen
zu glauben, sie habe schwer gesündigt, um so eine fortwährende
brutale Unterjochung verdient zu haben. Sie sagt, sie konnte niemals
einem Gebot gehorchen: „Du sollst Deine Mutter und Deinen
Vater ehren.“ Sie glaubte, dass dieses Gebot nur auf Kinder
zutreffen würde, deren Eltern sie liebten.
Ein Problem, das eine lange Fortdauer haben sollte, war aufgetreten,
als ihr Vater beschloss, ihr einen Lesetest vorzusetzen. Nachdem
sie über ein Wort im zweiten Absatz des Textes gestolpert
war, schlug er sie mit dem Bambusstock über den Kopf. Nach
der zweiten falschen Aussprache schlug er sie auf den Kopf. Sie
war so verwirrt, dass sie nicht weitermachen konnte. Er sagte,
sie sei nutzlos und zum Lernen zu dumm.
Von jenem Tag an bis zur Gegenwart war sie unfähig, laut
zu lesen, und sie schreibt, dass es ihr half, die Ursprünge
der Dyslexie (Leseschwäche, Anm. d. Ü.) zu begreifen.
Ihr Großvater hatte ihr Geld gegeben; Geld, um Konfirmationskleider
und Schuhe zu kaufen, aber ihre Mutter hatte ihr nichts davon
gesagt und das Geld behalten. All die anderen Mädchen in
ihrer Konfirmationsklasse hatten neue Kleider für das Ereignis,
aber sie musste in Schmach und Verlegenheit ein älteres,
unattraktives Kleid tragen.
Weil sie es eines Tages versäumt hatte, frische Milch in
einen steinernen Behälter zu gießen um sie frisch zu
halten, wurde die Milch sauer. Als ihr Vater diesen Lapsus herausbekam,
brachte er sie zum Waschraum, wo er die Milch über ihren
Kopf goss und ihr dann einen ungleichmäßigen „Haarschnitt“
verpasste, wobei er sie manchmal sogar in die Kopfhaut schnitt.
„Ich werde dir beibringen, Sachen zu respektieren, die Geld
kosten,“ sagte er und spülte sie dann mit eiskaltem
Wasser ab. In der Schule war sie entsetzlich erniedrigt, bis ihr
Haar schließlich nachwuchs. Später im Leben sollte
sie dieses Trauma extrem unbehaglich fühlen lassen, wenn
sie einen Haarschnitt erhielt. Einmal musste sie wegen tiefer
Qual sofort aus einem Schönheitssalon heraus, als sie der
Friseur unbeabsichtigt in die Kopfhaut ritzte.
Einmal gab ihr ein Freund eine als Andenken aufbewahrte Halskette,
die sein Vater seiner Mutter gegeben hatte. Als sie nach Hause
kam, rief sie ihr Vater. Als sie das Zimmer betrat, sah ihr Vater
die Halskette und schrie:
„Da ist sie, unsere kleine Neger – Hure!“
Die Autorin fährt fort:
„Noch ehe mir klar wurde, wovon er sprach, spürte ich
seine Hand an meinem Hals, wie sie mich gegen den Türrahmen
drückte und mich würgte. Mit seiner anderen Hand griff
er nach der Halskette und riss sie herunter, bevor er mich mit
seiner Faust von oben auf den Kopf schlug. Alles, woran ich mich
erinnere, bevor ich umkippte, war, dass ich nach hinten fiel,
gerade ein paar Zentimeter von der Treppe entfernt.
Ich erwachte, als er wieder die Tür öffnete. Er war
außer sich vor Wut und benahm sich wie ein Wahnsinniger.
„Bist du noch immer hier?“, brüllte er, „Geh
zum Teufel!“ Ein rascher Tritt mit seinem Fuß, und
ich purzelte die Treppe hinab.
In Panik sprang ich auf und rannte aus dem Haus. Ich hielt erst
an, als ich das Wehr erreicht hatte. Dort versteckte ich mich
bis zum nächsten Morgen. Die ganze Nacht musste ich daran
denken, was geschehen war und wie sehr ich meinen Vater hasste.
Seine kalten grau – grünen Augen ließen mich
erschaudern. Sein schwarzes Haar und auch sein Schnurrbart waren
glatt gekämmt, um Hitler zu ähneln. Ich schwor, dass
ich niemals auf so kaltherzige, arrogante, selbstgerechte Weise
handeln würde, wie er es tat.
Ich schlich mich zum Haus zurück, nachdem mein Vater gegangen
war. Ich wechselte meine Kleidung, wusch mein Gesicht und trank
ein Glass Milch, bevor ich meine Brüder aufweckte, um sie
für die Schule fertig zu machen.“
Bei einer Gelegenheit schwang ihr Vater einen Gummischlauch nach
ihr und schlug sie vom Fahrrad. Dann verdrosch er sie weiter mit
dem Schlauch, bis sie das Bewusstsein verlor. Bei einer anderen
Gelegenheit schlug er sie, „bis das Blut (an ihren Beinen)
herunterlief“ und ließ sie auf dem kalten Beton Boden
des Waschraums liegen. Als sie schließlich wegen der Brutalität
ihres Vaters von Zuhause floh, ging sie zu einem türkischen
Freund, der ihre Wunden verband , sie tröstete und dann als
Gegenleistung sexuelle Gefälligkeiten wollte. Er drohte damit,
ihren Vater zu rufen, um sie zu verleiten und 'rumzukriegen’.
„Früh am nächsten Morgen zeigte sich meine Mutter.
Ich konnte den Auftritt, den sie vor Hassan inszenierte, nicht
glauben. Sie hatte Tränen in den Augen und heuchelte, mein
Vater habe mich niemals zuvor geschlagen. Mein Hass auf alle Leute
war an jenem Tag unbeschreiblich und wuchs ständig. Alles,
woran ich denken konnte, war, dass ich von Zuhause fort musste.“
In derselben Nacht, als sie von einem Angestellten vergewaltigt
worden war, befahl man ihr, ins Schlafzimmer ihrer Eltern zu gehen
und: „Leg dich zwischen uns und erzähl uns, was heute
geschah.“ Dies war das Vorspiel zu extremer sexueller Belästigung
durch ihren Vater.
„Dies stieß meine Hoffnung und meinen Glauben an moralische
Gerechtigkeit oder einen Gott um. Ich hatte nicht das Gefühl,
dass ich das Recht hatte, mich selbst zu beschützen, zumal
das Wort „Nein“ keine Macht besaß. Diese unbeschreibliche
menschliche Schmach und Erniedrigung hinterließ Narben,
die ich bis zum heutigen Tage noch nicht überwunden habe.“
Sieglinde schreibt, dass der Anblick eines Mädchens, das
im Fernsehen auf dem Schoß ihres Vaters sitzt, Erinnerungen
an ihren frühen Missbrauch auslöst. Nach dem doppelten
sexuellen Missbrauch jenes Tages entwickelte sie überall
am Körper Psoriasis, die noch immer anhält.
Sogar das Spielen mit den Kindern in der Nachbarschaft war verboten.
Wenn ihre Mutter gefragt wurde, ob sie mit den anderen Kindern
spielen könnten, antwortete sie gewöhnlich: „Habt
ihr nichts Besseres zu tun? Ich werd’ euch von eurer Faulheit
kurieren.“ Dann machte sie eine Liste mit Dingen, die sie
geradewegs erledigen mussten.
„Mein ganzes Leben ging all meine Energie in Selbstverteidigung
auf. Als Erwachsene erkannte ich, dass ich eine Mauer um mich
errichtet hatte. Was ich zu jener Zeit nicht wusste, war, dass
dieselbe Mauer jedes Vergnügen und jeden Genuss von meinem
Leben fernhielt. Ich konnte nicht auf richtige Weise reagieren,
weil meine Einprägung mir sagte „wenn jemand nett ist
zu mir, muss ich etwas als Gegenleistung geben.“ Ich war
sehr ängstlich Männern gegenüber, weil meine Erfahrungen
als Kind mir sagten, dass sie nur meinen Körper wollten.
Diese Erinnerungen verfolgten, ja, peinigten mich. Könnte
ich jemals Erleichterung finden?“
Als Sieglinde etwa zehn Jahre alt war, zog ihr Halbbruder Lutz
mit der Familie ein. Er war der Sohn ihres Vaters aus einer früheren
Ehe, 18 Jahre alt und gutaussehend. Auch Lutzs Großmutter
zog ein, denn sie sollte die neue Haushälterin werden. Sieglinde
schlief in der Küche, und es war ihr nicht erlaubt, sich
auf die drei Jungs einzulassen. Wenn sie von der Schule zurückkam,
erledigte sie die Bügelarbeiten, aber sie räumt ein,
dass die Situation besser war als die Prügel, die ihr Vater
ihr zu verabreichen pflegte, trotz der Tatsache, dass Frau Jauernik,
die Haushälterin, herrisch und kritisch war.
Da sie auch an der Tankstelle arbeiten musste, sagte ihre Mutter
zu Sieglindes Lehrer: „Meine Tochter muss arbeiten und kann
keine Zeit an nutzlosen Dingen wie Hausaufgaben verschwenden.“
Nichtsdestotrotz schaffte es Sieglinde, eine „Zwei“
im Durchschnitt in ihren Proben zu erreichen. In der Tat waren
ihre Noten so gut, dass die Lehrer sie fürs Gymnasium empfahlen
Eines Nachts zwang ihr Halbbruder sie zum Sex, sodass ihre Hoffnung,
einen großen Bruder zu haben, der ihr beistand, durch diese
Erfahrung völlig zunichte gemacht wurde. Sie war erst zehn
Jahre alt und glaubte noch daran , dass der Storch die Babys bringe.
Alles, was sie wusste, ist, dass sie nachher „Ekel, Bestürzung
und Schuld fühlte“ und von da an immer ver-suchte,
ihren Halbbruder zu meiden. Da sie in der Nacht befürchtete,
Lutz könnte sein unerklärliches Verhalten wiederholen,
konnte sie oft erst einschlafen, als die Turmuhr zur Mitternacht
schlug. Sie dachte, was geschehen war sei vielleicht ihr Fehler.
„Je mehr Fragen ich mir selber stellte, desto verlorener
und verwirrter fühlte ich mich.“ Sie spürte, dass
da niemand war, den sie nach einer Erklärung des Geschehenen
fragen konnte oder den sie um Hilfe bitten konnte.
Manchmal waren die Prügel ihres Vaters so häufig, dass
die alten Wunden keine Chance hatten zu verheilen. Einmal als
sie erneut eine „verdiente Lektion“ ihres Vaters erhalten
hatte, waren Sieglindes „Beine, Kopf und Hände geschwollen.“
Wegen der offenen Wunden musste sie ihren Schulranzen mit der
Hand tragen anstatt auf dem Rücken. Sie versuchte, den Druck
des Klassenpultes auf ihren Rücken so gering wie möglich
zu halten und setzte sich mit der linken Seite ihres Körpers
gegen die Rückseite des Pults. Ihr Lehrer merkte, dass sie
nicht richtig dasaß, aber sie konnte es nicht, weil sie
von ihrer rechten Schulter bis hinab zu den Waden voller Blutergüsse
war. Der Lehrer schlug sie auf den Rücken, um ihren Tagtraum
zu unterbrechen. Nahezu gleichzeitig schrie ein Mitschüler
auf, dass sie blute.
Natürlich war der Lehrer verstört und besorgt über
sie, da er dachte, er habe die Verletzung verursacht. Er entschuldigte
sich dafür, sie geschlagen zu haben. Man rief den Hausarzt.
Hurtig wurde sie für den Transport ins Krankenhaus in eine
Ambulanz verfrachtet. Sie beschreibt die wenigen im Krankenhaus
verbrachten Tage als Erholungsurlaub. Als sie wieder zu Hause
eintraf, bestand ihre Mutter darauf, dass die Geschehnisse daheim
nicht erwähnt werden sollten, da es niemanden was angehe.
Eines Tages wurde sie gezwungen, einen neuen BH und Petticoat
vorzuführen und zu tanzen, während ihre Eltern im Bett
lagen. Schließlich „wusste ich, dass es eine Lebensart
ist, als Kind Leute befriedigt zu haben.“ Komm’ her
und zieh’ den BH aus, ich will sehen wie groß sie
sind“, befahl ihr Vater. „Als er meine Brüste
anfasste, kreuzte ich meine Arme.“...“Mein Vater blickte
finster:`Sie wird nicht perfekt sein, die Warzen sind zu niedrig
und ihre Beine sind zu kurz.’ Er wandte sich mir zu. Du
kannst nun gehen’, sagte er abfällig.“ Sie schreibt,
dass sie auf Grund dieser Erfahrung für den Rest des Tages
krank war, aber sie musste sowieso arbeiten, weil Krankheit nie
eine Entschuldigung für sie war, sich vor der Arbeit zu drücken.
Beeindruckend ist, wie sie darüber schreibt, wie sich ihr
Ich aufspaltete und die Verletzung aufnahm um sie zu schützen:
„Mein anders Ich litt für mich und half mir durch schmerzvolle,
unangenehme Situationen. Es war wie in Ohnmacht fallen und in
einem Körper aufwachen, der keine Gefühle hat.“
Die Ankunft der Eltern zu Hause war eine spannungsgeladene Zeit
für die Kinder. Manchmal mussten sich die Kinder ungeachtet
der Uhrzeit wie Soldaten in Reih’ und Glied stellen um sich
ihre „gerechte Strafe“ abzuholen. Eines Nachts, als
sie noch unter der Tracht Prügel litt, die sie in der Nacht
zuvor erhalten hatte, wurden die Kinder aufgeweckt und sollten
erklären, warum das Fenster unten im Lager zerbrochen war.
Die Unschuld zu beteuern war immer nutzlos. Ihr Vater nannte sie
verlogene „Bälger“ und sagte: „Auch wenn
es diesmal nicht eure Schuld wäre, ihr bräuchtet die
Strafe sowieso.“ Es ging so weit, dass zu lügen oder
die Wahrheit zu sagen keinen Unterschied machte. Die Kinder entschieden,
dass sie die Misshandlungen nicht mehr ertragen könnten und
beschlossen, ihren Vater zu töten. Sie erwogen verschiedene
Methoden ihn aus dem Weg zu räumen, konnten aber keine Methode
präsentieren, die garantiert funktioniert hätte, und
so wurde der Plan aufgegeben.
Als sie ein Kind war, schreibt sie, wurde es nicht als bedeutendes
Problem angesehen, wenn man angeschrien wurde. Sie schreibt: „Wie
starke Auswirkungen gerade das Anschreien auf mich hatte, fand
ich später heraus.“ Und gerade als ihre wunderbare
Großmutter starb und das Meerschweinchen getötet wurde,
bemerkte sie, wie besänftigend das Gefühl der Ruhe war
, das der Tod ihr vermittelte. Sie fand, dass es der Tod in sich
selbst war, der ihr und ihren Geschwistern den Ansporn gab, den
Schmerzverursacher in ihrem Leben zum Schweigen zu bringen.
Sieglinde schreibt, dass die Worte ihres Vaters noch immer in
ihrem Kopf widerhallen: „Um ein Ziel zu erreichen, musst
du alles beseitigen, das dir in den Weg kommt. Ich hoffe jemand
wie Hitler wird sich erheben und Deutschland wieder zu Ruhm und
Ordnung führen.“ Und: „Wenn Hitler zurückkommt,
gehören die (diejenigen, die er als Unterklasse bezeichnete
– die Nachbarn) zu der Sorte, die als erste im Konzentrationslager
landen.“
„Nachdem ich konstanten psychischen Stress Tag für
Tag erfahren habe, weiß ich, dass jede Reaktion, die ein
Kind zeigt, jenseits von Logik liegt. Emotional hat das Kind überschritten,
was ich die Kreuzung der Entscheidung’ nenne.
Unterbewusst trifft das Kind eine Entscheidung, welchen Weg es
gehen soll, gemäß seinen Erfahrungen und gemäß
dem, was es von Eltern und anderen Erwachsenen gelernt hat.“
„Ich wunderte mich über die Kindheit meines Vaters.
Warum war er so voller Hass anderen Rassen gegenüber? Es
war nicht nur die schwarze Rasse, sondern auch jüdische Menschen
und jede andere Rasse außer der arischen (sic). Wie konnte
er glauben, Hitler habe ein Recht, ein anderes menschliches Leben
zu vernichten? Fortwährend stellte ich mir Fragen.
Dann erinnerte ich mich an seine Mutter, eine gehässige,
beherrschende, verurteilende Frau. Sie glaubte tatsächlich,
dass sie besser und aristokratischer sei als der Abschaum, mit
dem sie gezwungenermaßen dieselbe Straße teilen musste.
Sie verweigerte meinen Cousins, die mit ihr im selben Haus lebten,
oder uns den kleinsten Gefallen, es sei denn, wir gehorchten ihr
blind.
Die Erklärung „Wir brauchen Heizöl“ wurde
unmittelbar so verstanden, dass man es stehlen müsse. Es
war kurz vor der Neujahrsnacht und die ganze Kohle war auch aus.
Nachdem sie um Mitternacht von ihrer Mutter aufgeweckt worden
waren, nahmen Sieglinde und ihr Bruder Nigg zwei Zehn-Liter-Kannen
auf ihrem Schlitten mit, um das Ding zu drehen’. In jener
Nacht marschierten sie zwei Kilometer im tiefen Schnee. Das Lagerhaus
lag direkt am Fluss und war auf drei Seiten eingezäunt, so
dass es notwendig war, sich dem Gebäude vom zugefrorenen
Fluss aus zu nähern.
Nach einer Reihe von Komplikationen gelang es ihnen, das Öl
an sich zu nehmen, aber wegen des dünnen Eises auf dem Fluss
mussten sie ein Seil benutzen, um den Schlitten und die Ölkannen
lenken zu können, ohne ihre wertvolle Fracht begleiten zu
müssen. Niemand hatte sie gesehen. Sie hatten einen erfolgreichen
Einbruch begangen. Jedoch waren sie voller Angst, dass der Schnee
verräterisch sein könnte, da ihre Schlittenspuren die
Route aufzeigten, die sie auf dem Weg nach Hause genommen hatten.
Nachdem sie weitere Hindernisse überwunden hatten, kehrten
sie schließlich mit ihrer Beute nach Hause zurück.
Als sie aufwachten, freuten sie sich, dass ihr Glück anhielt,
da Neuschnee ihre Spuren nach Hause überdeckt hatte.
Sieglindes Großmutter (die Mutter ihres Vaters) war "genauso
böse wie er“. Die Autorin schreibt, dass sie sogar
Kontrolle über die Nachbarschaft ausübte! Krankhaft
neugierig spionierte sie jedem von ihrem abgedunkelten Wohnzimmer
aus hinterher. Ihre vierzehn Kinder erhielten alle ihre „Besserungstherapie“
mit dem Ledergürtel ihres Schuster – Vaters. Was konnte
man unter diesen Umständen anderes von den Kindern des Schusters
erwarten? Wie die Autorin schreibt, „wurde (ihr) Vater deswegen
zu dem, was er war.“ Dennoch bevorzugte es die Autorin immer,
im Haus Ihrer Großmutter zu sein als bei sich zu Hause.
„Ich war immer erstaunt, wenn andere Kinder keine Angst
vor ihren Eltern hatten. Das war gewiss nicht wahr in unserem
Haus. Mein Vater beantwortete jeden Ungehorsam mit einem Schlauch
im Waschraum.“
Die Autorin wurde schließlich als 14 jährige fuer 1.000
DM an die familie Schwarz in Stuttgart als Hausmädchen verkauft.
Ihre eltern brauchen das Geld ein neues Geschäft auf zu bauen.
schon nach zwei wochen unternahm der „Herr des Hauses“
einen Versuch sie sexuell zu belästigen. Als sie nach Hause
zurückkehrte, nannte man Sieglinde einen „Taugenichts“,
weil sie aufgehört hatte, obwohl ihre Eltern wegen des Vorfalls
für das gesamte Jahr bezahlt wurden. Die Ehefrau des „Hausherrn“
verstand jetzt, warum die früheren Hausmädchen ebenso
gegangen waren, bevor ihr Vertrag ausgelaufen war.
Sie arbeitete dann im Akkordlohn in der WMF Fabrik in Wemding,
wo sie einem Arbeitskollegen begegnete, mit dem sie sich regelmäßig
verabredete und bei dem sie sich sicher fühlte. Er war nicht
wie die anderen Arbeiter, die sie ständig sexuell belästigten.
Der Arbeitskollege hielt bei Sieglindes Vater um ihre Hand an.
Ihr Vater beleidigte ihn, indem er ihm ins Gesicht sagte, er sei
ein Arbeiter aus unterstem Stand, und dann „warf er ihn
aus dem Haus“. Ihre Mutter wies sie an, ihn nie wieder zu
sehen.
In der SWF (Autoteilefabrik) in Wemding erhielt sie für ihre
Arbeit wiederum keinen Lohn. Wenn sie ihren Lohn abholen wollte,
erhielt sie einen Beleg, der sie darüber informierte, dass
das Geld für sie von ihrer Mutter geholt wurde. Eines Tages
fiel sie während der Arbeit in Ohnmacht und wurde ins Krankenhaus
gebracht. Die Ärzte diagnostizierten Mangelernährung
und sagten ihr, sie sei zu schwach für harte Arbeit. Sie
wurde sofort gefeuert. Ihre Eltern fanden Arbeit für sie
in einem Hotel – Kartoffeln schälen und Geschirr spülen.
Wieder erhielt sie keine Bezahlung, nur einen Beleg, dass das
ihr zustehende Geld an ihre Mutter ausbezahlt worden war.
Ihre Eltern fanden einen Heiratskandidaten für sie, als sie
sechzehn war. Ihr Ehegatte in spe war fünfundsechzig, aber
man sagte ihr, sie solle sich keine Sorgen machen, da „du
alles erben wirst, wenn er stirbt“. Man sagte ihr, das sei
bald der Fall, da er Leberkrebs habe. Sieglinde beschloss, dass
ihre einzige Möglichkeit darin bestand, das Heim ihrer Eltern
sofort zu verlassen. Der Freund, den sie in dem Autoteile –
Werk kennen gelernt hatte, kam zu der Überzeugung, dass ihr
Vater nichts gegen die Ehe einwenden werde, falls sie schwanger
werde. Jedoch sollte er bald entdecken, dass sie keine Jungfrau
mehr war: Sie war von ihrem Halbbruder vergewaltigt worden. Er
setzte sie vor seine Tür und schrie sie an: „ Du hast
mich angelogen......Ich werde niemals eine Hure wie dich heiraten.“
Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Per Anhalter fuhr sie nach
Harburg zurück und ging zur Burg, die für sie in der
Vergangenheit eine Zufluchtsstätte war, wenn sie Kummer hatte.
Sie beschloss, Selbstmord zu begehen und benutzte eine Schere
aus ihrer Handtasche für den Versuch, sich eine Ader in ihrem
linken Handgelenk aufzuschneiden. Aber der Blutfluß stockte
beinahe augenblicklich nach dem Schnitt in die Ader.
Sie trampte dann durch Deutschland für ein Monat oder so,
bis sie eine Frau traf, die ihr einen Platz zum Wohnen bot und
ihr half, Arbeit als Kellnerin zu bekommen. Bald wurde sie krank
und schwach und ihre Eltern wurden über ihren Aufenthaltsort
informiert. Da sie sich jedoch eisern weigerte, zu ihren Eltern
nach Hause zurückzukehren, waren die Behörden in Verlegenheit,
was sie tun sollten, und so brachte man sie in ein Heim für
unverheiratete werdende Mütter.
Während ihrer Zeit begann sie eine Schneiderlehre, obwohl
sie an dieser Art von Arbeit nicht interessiert war. Sie lernte
schnell und konnte den drei Jahre dauernden Kurs in nur zwei Jahren
beenden., obwohl ihre Schulung durch einen einmonatigen Klinikaufenthalt
wegen schwerer Schuppenflechte unterbrochen worden war. In einer
Klasse von 140 Mädchen schaffte sie einen Spitzenabschluss
im praktischen Teil des Kurses.
Eine
Zusammenfassung aus dem Mädchenheim Weiher
Im Alter von fünfundzwanzig beendete sie ihre Meisterausbildung
in Schneiderei und Modedesign, arbeitete dann als Innenausstatterin.
Später war is Teilhaberin in einer Top-Modeboutique in Nürnberg
und hatte Fabrikation für Autoschonbezüge un Füth.
Sie erwähnt, dass sich in dieser Zeit ihre Selbstachtung
verbesserte.
Als sie in 1991 die USA kam, um ein neues Leben zu beginnen, so
schreibt die Autorin, habe sie geglaubt, es sei genug, Deutschland
einfach zu verlassen, aber das war falsch. Es war für sie
offensichtlich, dass ihre schreckliche Vergangeheit mit ihr ins
neue Leben reisten. Sie gelangte zu der Überzeugung, dass
sie noch einmal die Konfrontation mit ihrer Kindheit suchen müsse,
um Fortschritte zu machen. Intuitiv wusste sie, dass sie ihren
gespeicherten Schmerz fühlen musste.
„Es war das Kind in mir, das um Anerkennung flehte, das
all die Jahre darauf gewartet hatte, geliebt und umsorgt zu werden.
Es war das Kind in seelischem Schmerz, das sich selbst ablehnte,
weil ich von meinen Eltern abgelehnt wurde. Ich weiß nun,
dass ich mich selbst nicht lieben oder respektieren konnte, weil
ich niemals dergleichen erhalten hatte. Niemand gab dem Kind jemals
das Recht zu weinen oder Arme, in die es sich flüchten konnte.“
--Quälende Schatten aus der Vergangenheit-
Kapitel 3 – Die Weigerung sich selbst zu lieben
Mit der Unterstützung ihrer Freunde und ihres Ehemanns wählte
sie unter Anderem die „Schreibform“ als Therapie,
und sie hält es für sehr bedeutend, fähig zu sein,
mit der Verleugnung ihrer Misshandlungen aufhören zu können.
Es war dieser Entschluss, so glaubt sie, der sie auf den Weg der
Heilung brachte.
Ihr Vater war bis zu seinem Tod 1998 überzeugt, dass er seine
Kinder richtig erzogen habe.
Ihre Mutter war stark fettleibig, als sie 1979 nach einer Herzattacke
verstarb. Ihr ganzes Leben hatte sie damit zugebracht, das Leben
ihrer Tochter zu manipulieren. Vor ihrem Tod war sie vereinsamt
und erzählte ihren Nachbarn ständig Lügengeschichten
über die Undankbarkeit ihrer Kinder.
Ihre Brüder leben in der Selbstverleugnung
und kopieren heute das Muster ihrer Kindheit.
Sie können das Originalmanuskript
"Sonntagskind
oder Schicksal"
lesen
und
den Kommentar
von Dörthe Fritsch
Diplom-Psychologin
Verhaltenstherapeutin D6VT
Klinische Psychologin BDP
© Sieglinde W. Alexander
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