Internationale Tagung auf dem Campus Westend behandelt Vererbung von Traumata
Von Alicia Lindhoff
Wir Kinder der Kriegskinder", "Die
Gesellschaft der Überlebenden" oder einfach "Kriegsenkel": So
oder ähnlich lauten die Titel auf dem großen Tisch im Untergeschoss des
Bücherhauses Hugendubel. Die Auswirkungen der Kriegserfahrungen auf die heutige
Gesellschaft - 65 Jahre nach Kriegsende bewegt die Deutschen das Thema.
Und nicht nur die. Vom 5. bis zum 7. Februar tagt in
Neu ist aber, was Wissenschaftler jetzt in einem beispiellosen
Zusammenspiel von Genforschung und Psychoanalyse herausgefunden haben: Eine solche Übertragung von Traumata auf die nächste
Generation ist auch genetisch belegbar. Der US-Forscher Ste
Die Erbanlagen von Affen, deren Mutter in ihren ersten Lebensmonaten abwesend
oder nicht in der Lage war, sie zu schützen, verändern sich demnach so, dass
sie später eher zu Angst und Aggression neigen als ihre Artgenossen, die mit
einer sorgenden Mutter aufwachsen. In seinem Vortrag am Sonntag wird Suomi die neuen Impulse in der Psychotherapie vorstellen,
die seine Forschungsergebnisse liefern könnten.
Charles Hanly, Präsident der IPA, bescheinigt
Dass die Psychoanalyse auch in anderen Bereichen nicht nur graue Theorie ist,
sondern ganz nah an gesellschaftlichen Problemen ansetzt, macht Hanly selbst deutlich: Der kanadische Psychoanalytiker
beschäftigt sich seit Jahren mit Ursachen von Depressionen,
Persönlichkeitsstörungen und Suizidgefährdung. Ein Großteil der Patienten habe
in jungen Jahren mit sexuellem Missbrauchs zu tun
gehabt, erzählt er.
Seine Erfahrungen zeigten, dass "menschengemachte" Traumata bei ihren
Opfern oft größere psychologische Zerstörungen auslösen als etwa Naturkatastro
Zudem glaubten die Opfer von Missbrauch meist, schuldig am Geschehenen zu sein.
"Es klingt vielleicht zynisch, aber für ein Erdbeben wie in Haiti wird
sich keiner der Betroffenen verantwortlich fühlen", erklärt Hanly den Unterschied zwischen "äußeren" und
"inneren" Traumata.
Campus berichtet aus der