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Neue Wege aus dem Tief
Von Sabine Kartte, Johannes Schweikle, Cornelia Stolze
http://www.stern.de/wissenschaft/gesund_leben/medizin/538014.html?nv=cp_L1_tt_al
Diskussionen zum Artikel sind im Forum willkommen

Hallo Sieglinde,
ich hab mir den Artikel angeguckt und finde ihn hochinteressant. Ich hab den Link gleich in mein Web eingebaut, an der Stelle, wo ich ganz kurz auf Depression eingehe.

Wie ich aus dem Artikel heraushöre, wird die primärtheoretische Vorstellung, dass sich frühe Erfahrungen ins Gehirn einprägen, so allmählich voll 'hoffähig'. Aber keiner weiß so recht, wie man das Zeug wieder rausbekommt. Letztlich wird den Leuten nichts anderes übrig bleiben, als in die Vergangenheit zurückzukehren und die Traumen wiederzuerleben. Depression hat schon mit Urschmerz und frühen Prägungen zu tun, auch mit der Frage, wie man/frau geboren wurde. Eine langfristige Lösung muss die Auflösung früher Traumen einbeziehen. Von oben aufgepfropfte Verhaltensänderungen werden bei Depression nicht viel ausrichten können. Wie Janov sagt: "No pain, no gain!" Also ihr Leute, tauchet mutig ein in euren Urschmerz!

Nette Grüße aus Rosenheim
Ferdinand

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Offener Brief an die Stern Redaktion
Betrifft: Medizin Hirnforschung "Neue Wege aus dem Tief"
von Sabine Kartte, Johannes Schweikle, Cornelia Stolze

Ich habe Ihren Artikel mit Interesse und Erleichterung gelesen, weil darin endlich der Zusammenhang zwischen Kindheitsleiden und Depression angesprochen wurde. Ich war in psychotherapeutischer Behandlung, als ich eine schwere Depression durchleiden mußte, gezeichnet von Schlaflosigkeit und Angst. Diese Symptome hatte ich schon öfter im Leben, jedoch noch nie monatelang. In meiner Therapiearbeit wurde ich mit der ungeheuren Bedrohung konfrontiert, die meine Mutter für mich als kleines Kind gewesen war, und mit den Todesängsten, die das im Kind ausgelöst hatte. Was geschieht denn im Gehirn eines Kindes, das von der eigenen Mutter bedroht wird und ihr ausgeliefert ist? Es bleibt im Zustand des Terrors und der Panik furchtbarer Erlebnisse gefangen. Meine Erfahrung ist, daß ich das Kind und seine grauenvolle Angst und ausweglose Not liebevoll begleiten, verstehen, erkennen und ihm glauben mußte, um in meinem erwachsenen Leben Fort-Schritte machen zu können. Die Konfrontation mit meiner Kindheit war schwer und schmerzlich, doch danach konnte ich endlich Werte und Ziele verwirklichen, die ich seit langem ersehnt hatte.

Barbara Rogers
Autorin von "Screams From Childhood"
http://www.screamsfromchildhood.com

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Liebe Sieglinde,

welche Freude, dass jetzt also auch die Sternleser an den Gedanken herangeführt werden, dass zerebraler Scientismus und die Botenstoffe unserer lieben amerikanischen Wissenschaftler doch nicht die ganze Welt bedeuten.

Sogar der sockenziehende Verdacht, dass Verletzungen Narben und andere bleibende Schäden zurücklassen wird dem illustrierten Unterhaltungssüchtling zugemutet!

Wenn das so weiter geht, muss man sich ja nicht wundern, dass der immer öfter zu immer kalorienreicheren Stimulanzien greifen muss, um sich den hier drohenden Schmerz im Leib zu halten.

Gut, dass wir die Charité haben, wackere Gesellen, die vormachen, wie man sich eben am Riemen reißen muss, wenn der einen nicht mehr treffen soll.

Ehrlich gesagt belämmert mich die Verzweiflung zusehends, mit der Menschen an der Hoffnung auf die richtige Pille oder auf wenigstens das richtige Kraut festhalten, um sich im Schatten der Vergangenheit ein Lichtlein anzustecken.

Es sind doch immer die gleichen Höhlenforscher, die dann ja auch schnell Fälle falscher Erinnerung bei der Hand haben und welche Argumente noch - gegen alles, was aufdeckend sein könnte.

Sollen sie doch im Gemeinschaftssud dumpfbackener Alleslesunddochnichtswisserei schmoren, bis sie außen so schwarz geworden sind wie sie es innen schon lange sind.

Und ich brauche dazu auch keine positronenemissionstomographischen Beweise mehr, um zu wissen, dass wir alle viel mehr an welthistorischer Lieblosigkeit leiden als an präsynaptischneurotransmitterinduzierten Funktionsdefiziten.

Letztlich eine Frage des Stils: Wen die Gnade trifft, das Licht zu sehen, das er ist, der schleicht sich schlicht.

Liebe Grüße, Reinhold W. Rausch



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