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"Misshandlungen sind nationale
Katastrophe" Kinderhilfe fordert Kindergipfel / Unterernährter Mehmet zu Tode gequält
- Jugendamt war eingeschaltet ZWICKAU (dpa) Mehmet starb an Hirnblutungen, Kevin lag tot im
Kühlschrank, Nico erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen: Die Deutsche
Kinderhilfe hat die Misshandlung von Mädchen und Jungen als "nationale
Katastrophe" bezeichnet und einen "Kindergipfel" mit Bund,
Ländern und Kommunen gefordert. Nach dem Tod des zweijährigen Kevin in Bremen
und der sieben Wochen alten Leonie aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt war am
Sonntag ein weiterer schwerer Fall von Kindesmisshandlung mit Todesfolge
bekannt geworden. In Zwickau in Sachsen starb der
vier Jahre alte Mehmet an massiven Hirnblutungen. Der Junge soll vom 45 Jahre
alten Lebensgefährten seiner Mutter misshandelt worden sein. Es gebe ein
Teilgeständnis des Paares, sagte Staatsanwalt Frank Hoffmann. Mehmet war nach einem angeblichen Treppensturz in eine Klinik gebracht
worden und dort gestorben. Er war nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch
"ausgeprägt mangelhaft" ernährt. Zwickaus Sozialbürgermeisterin Pia
Findeis (SPD) räumte ein, dass sich das Jugendamt
von 2002 bis 2005 mit der Familie beschäftigt habe. Allerdings hätten die
Verantwortlichen im Mai 2005 eine positive Prognose gestellt. Weitere Fälle beschäftigten derweil die Justiz: Ein 31 Jahre alter Vater
aus Niedersachsen gestand vor dem Landgericht Hildesheim, seinen drei Wochen
alten Sohn Nico schwer misshandelt zu haben. Der wegen versuchten Mordes
Angeklagte gab zu, dass er das Baby geschüttelt, auf die Matratze gedrückt
und gegen das Eisengestell des Bettes geschlagen habe, weil es nicht aufhörte
zu schreien. Der Säugling erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen. In
Würzburg wurde eine 24 Jahre alte Frau zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil
sie ihren zwölf Wochen alten Sohn im Dezember mehrfach mit dem Kopf gegen die
Holzstreben einer Kinderwiege schleuderte und dabei tötete. Nach Ansicht des Kriminologen Christian Pfeiffer handelt es sich bei
Fällen von Kindstötung fast immer "um Familien am extremen sozialen
Rand, von Armut betroffen und überfordert, mit dem zumeist ersten Kind
klarzukommen". Besonders gefährdet sind einem
Leipziger Forschungsprojekt zufolge ein bis vier Jahre alte Kinder. "Zum
Tod kommt es meist durch wiederholte Gewalt am Kopf, durch Tritte in den
Bauch, oder das Kind verhungert", sagte die Leipziger Rechtsmedizinerin
Ulrike Böhm. "Auffällig ist, dass dem Jugendamt die problematischen
Fälle häufig schon im Vorfeld bekannt waren." |